Freitag, 04.09.2015 | Autor: Judith Engst, Foto: © Maxim_Kazmin - Fotolia.com

Nachträgliche Erschließungskosten? Schlachten Sie jetzt Ihr Riester-Sparschwein

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Worum geht´s

• Riester-Rente
• Wohn-Riester
• Erschließungskosten
• FG Berlin-Brandenburg

Die neuesten Vorschriften erlauben eine Entnahme von Geld auch aus bestehenden Riester-Verträgen - vorausgesetzt, es wird für die Eigenheimfinanzierung eingesetzt.

Was aber ist mit nachträglichen Erschließungskosten? Zählen die noch mit zur Eigenheimfinanzierung? Dazu hat sich das Finanzgericht Berlin-Brandenburg geäußert.

Stellen Sie sich vor, Ihr Haus hat bisher nur eine Abwassergrube. Bis Sie Ihre Stadt oder Gemeinde zwingt, Ihr Eigenheim endlich an die zentrale Abwasserkanalisation anzuschließen. Natürlich nicht umsonst: Sie erhalten dafür einen kommunalen Beitragsbescheid über gut 3.300 Euro. Woher das Geld nehmen und nicht stehlen?

Falls Sie jetzt auf die Idee kommen, dafür Ihr Riester-Sparschwein zu schlachten, ist das gar keine so schlechte Idee. Denn: Laut Finanzgericht Berlin-Brandenburg ist das erlaubt - und zwar, ohne dass Sie dafür die erhaltenen staatlichen Riester-Zulagen und Steuervorteile an den Fiskus zurückzahlen müssten.

Wohn-Riester auch durch Geldentnahme möglich

Eigentlich erlaubt das Gesetz eine Entnahme von Geld aus einem angesparten Riester-Vertrag nur für die Anschaffung von Wohneigentum. Im entschiedenen Fall hatte die Klägerin aber schon ein Haus, das sie mit ihrer Familie bewohnte. Nur eben, dass jetzt nachträglich noch der Kanalisationsanschluss bezahlt werden musste.

Kurzerhand beantragte sie die Entnahme von Geldmitteln aus ihrem Riester-Vertrag, weil sie der Auffassung war, auch das diene schließlich ihrem selbstgenutzten Wohneigentum. Schließlich steigere der Kanalisationsanschluss dessen Wert.

Wann Sie Geld aus Ihrem Riester-Vertrag nehmen dürfen

Die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen stellte sich allerdings quer: Dafür Geld aus dem Riester-Vertrag zu entnehmen, sei gemäß den Riester-Vorschriften nicht erlaubt. Fließe das Geld doch in eine längst gebaute bzw. gekaufte Immobilie. Mit einer Klage vor dem Finanzgericht Berlin-Brandenburg hatte die Hauseigentümerin jedoch Erfolg (FG Berlin-Brandenburg, Urteil v. 6.3.2014, 10 K 14062/11).

FG: Erschließungskosten sind nachträgliche Anschaffungskosten

Das Gericht erklärte die Kosten für den Anschluss ans Schmutzwassersystem der Kommune kurzerhand zu nachträglichen Anschaffungskosten. Diese dienten dazu, den Wert der Immobilie zu steigern. Das aber sei laut Riester-Förderung erlaubt.

Die Folge: Die Klägerin durfte Geld aus Ihrem Riester-Vertrag entnehmen. Sie musste dafür keinerlei Zulagen oder Steuervorteile an den Staat zurückzahlen. Sie konnte also die Gebühren für den Kanalisationsanschluss problemlos aus ihrem Riester-Vertrag bestreiten.

Wichtig: Laut Urteil ist vom Riester-Vertrag nur der Neuanschluss an die Kanalisation gedeckt. Ein Ersatz bzw. Austausch bestehender Rohre oder Anschlüsse ist dagegen nicht erlaubt. Denn das wären keine Anschaffungskosten, sondern es wäre Erhaltungsaufwand.

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Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
Judith Engst
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Auch barrierefreier Umbau ist gedeckt

 

Falls Sie nachträgliche Erschließungskosten zu finanzieren haben und Ihnen dafür die liquiden Mittel fehlen, dann können auch Sie Ihr Riester-Sparschwein schlachten. Entnehmen müssen Sie nach geltendem Recht allerdings mindestens 3.000 Euro. Zudem muss ein Kapitalstock von mindestens 3.000 Euro in Ihrem Riester-Vertrag verbleiben.

 

Auch für Umbaumaßnahmen können Sie angespartes Riester-Vermögen verwenden. Achtung: Nur der barrierefreie Umbau ist erlaubt, nicht aber beliebige Umbaumaßnahmen. Die Maßnahmen muss dann ein Sachverständiger prüfen.

 

Zudem gilt: Wenn der Immobilienkauf oder -bau weniger als drei Jahre zurückliegt, müssen mindestens 6.000 Euro entnommen werden, ansonsten sogar 20.000 Euro. Die Hälfte davon muss auf Maßnahmen für die Barrierefreiheit entfallen.

 

Sie sehen also: Ganz einfach sind die Wohn-Riester-Vorschriften nicht. Aber behalten Sie diese Möglichkeit trotzdem im Hinterkopf. Denn sie bescheren Ihnen womöglich liquide Mittel für Erschließungs- oder Umbaukosten, wo sonst kein Geld aufzutreiben ist.