Freitag, 29.04.2016 | Autor: Judith Engst, Foto: Project Photos GmbH & Co. KG / _

Mutter und Stiefvater wollen Haus verschenken: Welche Freibeträge gelten

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Worum geht´s

• Erbschafts- und Schenkungssteuer
• Immobilien-Schenkung
• Freibeträge

Stichworte zu diesem Thema

"Ich habe eine sehr spezielle Frage zur Immobilien-Schenkung. Meine Mutter hat neu geheiratet und ich bin der einzige Nachkomme. Meine Mum und ihr Mann wollen ihr Haus (50/50 Anteil) komplett an mich verschenken. Welche Freibeträge stehen mir dann zu? Von meiner Mutter kann ich sicherlich 400.000 Euro in Anspruch nehmen, aber was gilt bei ihrem neuen Mann?"

 

Diese interessante, steuerliche Frage interessiert sehr wahrscheinlich viele Leser - und zwar bevor sie Post vom Finanzamt bekommen. Hier die Antwort.

Bei Schenkungen kommt es ausschließlich darauf an, in welchem verwandtschaftlichen oder ehelichen Verhältnis der Schenker zum Beschenkten steht.

Angenommen Schenker und beschenkte Person sind miteinander verheiratet. Zwischen Ehepartnern und Lebenspartnern einer eingetragenen Lebenspartnerschaft gilt ein Freibetrag von 500.000 Euro.

Ansonsten kommt es auf die Abstammung bzw. den Verwandtschaftsgrad an. Für Kinder und Enkelkinder, deren Eltern verstorben sind, sowie für Stief- und Adoptivkinder gilt ein Freibetrag von 400.000 Euro. Für Enkelkinder sind es immerhin noch 200.000 Euro.  

Die gleichen Freibeträge gelten übrigens auch, wenn ein Haus vererbt wird.  

Immobilie verschenken: Worauf es bei Freibeträgen ankommt

De facto heißt das: Sie stammen in direkter Linie von Ihrer Mutter ab und können deshalb als Kind einen Freibetrag von 400.000 Euro in Anspruch nehmen.

Mit dem neuen Mann Ihrer Mutter sind Sie jedoch naturgemäß weder verwandt noch verheiratet, sie sind aber sein Stiefkind. Dieser Begriff ist zwar im Bürgerlichen Gesetzbuch nirgends definiert, aber im Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz kommt er vor (ohne weitere Definition). Die Heirat Ihrer Mutter qualifiziert Sie als Stiefkind ihres neuen. Mannes.. Demnach haben Sie für seinen Anteil an der Immobilie den gleichen steuerlichen Freibetrag wie ein leibliches Kind. Das gilt sowohl für Schenkungen als auch - und das ist der häufigere Fall - für Schenkungen.

Aber Achtung: Stiefkinder sind im Erbrecht nicht privilegiert

Anders als im Erbschafts- und Schenkungssteuerrecht gibt es im Erbrecht keine bevorzugte Behandlung von Stiefkindern. Das heißt: Wenn Sie als Stiefkind nicht ausdrücklich im Testament erwähnt werden, haben Sie als Stiefkind keinen gesetzlichen Anspruch auf einen Erbteil. Leibliche Kinder und Adoptivkinder haben diesen Anspruch dagegen. Sie erben in  der Regel neben dem Ehegatten die Hälfte. Sind es drei Kinder, bekommt also jedes ein Sechstel (ein Drittel von der Hälfte, die die Kinder zusammen erben).

Deshalb gilt es, bei Stiefkindern besondere Vorkehrungen zu treffen. Bei einer Immobilienschenkung passiert das sowieso: Die Schenkungsurkunde muss notariell aufgesetzt werden, sonst wäre sie nicht gültig. Bei einer Erbschaft dagegen muss im Testament vermerkt sein, ob das Stiefkind erbt und ggf. welchen Anteil oder was genau.

Kommentare (4)

6.5.2016, 17:49 Uhr von Jengst Profil ansehen
Hallo, MC Kareem, mir ist ein Fehler unterlaufen: Stiefkinder werden steuerlich gleich behandelt wie eigene Kinder, haben also auch den gleichen Freibetrag. Nur im Erbfall gehören sie nicht zu den gesetzlichen Erben laut BGB. Bitte beachten Sie dazu den geänderten Artikel, der oben steht.
29.4.2016, 17:25 Uhr von Jengst Profil ansehen
Die nicht-verwandten Kinder sind doch Stiefkinder, oder nicht. Ob dieser Begriff allerdings rechtlich benutzt wird, weiß ich nicht. Sicher ist jedoch: Durch die Hochzeit mit einem Elternteil wird dessen neuer Partner erbschafts- und schenkungssteuerrechtlich nicht als "in gerader Linie verwandt" angesehen. In dieser Hinsicht bleiben die Kinder nur des einen Ehepartners gegenüber dem anderen gleichgestellt wie Fremde. Erst eine Adoption würde bewirken, dass sie mit leiblichen Kindern gleichgestellt werden und den höheren Freibetrag von 400.000 Euro beanspruchen könnten. Ich hoffe, das beseitigt alle Unklarheiten.
29.4.2016, 15:35 Uhr von MCKareem Profil ansehen
Noch eine Frage, gelten die nicht-verwandten Kinder als Stiefkinder? Würden diese dann nicht adoptierten/leiblichen Kindern gleichgestellt?
Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
Judith Engst
Einen Schlag ins Gesicht bekam die Politik durch einen aktuellen Beschluss des Bundesfinanzhofs. Demnach sind Teile der Erbschaftsteuer (erst 2009 reformiert und 2010 nachgebessert) verfassungswidrig. Aber betrifft das auch Immobilieneigentümer? Lesen Sie hier, mit welchen Neuerungen in absehbarer Zeit zu rechnen ist.
Reich beschenkt - das interessiert auch das Finanzamt! Wer eine Immobilie geschenkt bekommt und sie 10 Jahre selbst nutzt, kann dadurch die komplette Schenkungsteuer sparen, die sonst anfallen würde. Das gilt zumindest, wenn der Ehepartner und Kinder beschenkt werden.   Aber Achtung bei Ferien- und Zweitwohnungen: Für die gilt dieses Steuer-Privileg leider nicht, sagt der Bundesfinanzhof.

 meineimmobilie.de-Tipp

Übertragen Sie Ihre Immobilie "scheibchenweise" 

 

Die oben genannten Freibeträge können Sie alle 10 Jahre aufs Neue beanspruchen. Deswegen lohnt es sich steuerlich, eine "teure Immobilie" nicht in einem zu übertragen, sondern peu à peu - und zwar stets so, dass die Freibeträge nicht überschritten werden.

 

Sie müssen aber wissen: Auch bei einer Erbschaft erhalten Sie die Freibeträge nur dann aufs Neue, wenn seit der letzten Schenkung bereits 10 Jahre oder mehr vergangen sind. Sonst nicht.

 

Es kommt auf den Wert der Immobilie und auf die Lebensdauer der beiden derzeitigen Eigentümer an bei der Frage, wie hoch die Steuerersparnis ausfällt. Im Zweifelsfall sollten Sie besser einen Steuerberater heranziehen, der Sie zur steuergünstigen Gestaltung beraten kann. Da Ihnen die Beratung tausende von Euro an Erbschafts- bzw. Schenkungssteuer ersparen kann, lohnt sich das.