Samstag, 11.05.2013 | Autor: Judith Engst , Foto: Project Photos GmbH & Co. KG

Leserfrage: Zählt Schenkung oder Erbschaft steuerlich als Erwerb?

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Worum geht´s
  • "Spekulationssteuer"
  • Verkauf von Immobilien nach Erbschaft oder Schenkung
  • Spekulationsfrist von zehn Jahren
Stichworte zu diesem Thema

Sie wissen wahrscheinlich: Wer ein Grundstück nach dessen Erwerb verkauft, sollte dies erst nach Ablauf von zehn Jahren tun. Sonst muss der Gewinn mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert werden ("Spekulationssteuer"). "Was aber zählt als 'Erwerb'", fragte uns ein Leser? "Gehören Erbschaften und Schenkungen auch dazu?"

"Nach dem Tod meiner Eltern habe ich deren Haus geerbt", schreibt ein Leser. "Jetzt will ich es verkaufen. Allerdings sind seit der Erbschaft noch keine zwei Jahre vergangen. Muss ich Spekulationssteuer zahlen, falls der Verkauf mir Gewinne bringt?"

Die gute Nachricht lautet: Nein, die Gewinne unterliegen in der Regel nicht der Einkommensteuer. Denn eine Erbschaft zählt gemäß Definition im Einkommensteuergesetz nicht als Erwerb, da der neue Eigentümer kein Geld für die Immobilie bezahlt hat. Dasselbe gilt für eine Schenkung.

Das heißt aber nicht, dass die Spekulationsfrist bei Erbschaft und Schenkung völlig außer Kraft gesetzt wird. Aufpassen müssen Sie bei Immobilien (und auch bei unbebauten Grundstücken), die der Erblasser oder Schenker selbst erst vor vergleichsweise kurzer Zeit gekauft hat.

Hier gilt: Liegt der Kauf durch den Erblasser oder Schenker weniger als zehn Jahre zurück, wird ein Verkauf durch den Erben oder Beschenkten steuerpflichtig. Es kommt somit zwar nicht darauf an, wann Sie selbst die Immobilie durch Erbe oder Schenkung bekommen haben. Es kommt aber sehr wohl darauf an, wann der frühere Eigentümer die Immobilie erworben hat.

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"Danke für Ihren Beitrag über die Spekulationssteuer. Jetzt wüsste ich aber gerne noch: Wie genau wird die Spekulationsfrist berechnet? Wird der Gewinn aus einer am 1. Februar 2000 gekauften und am 28. Dezember 2009 wieder verkauften Immobilie besteuert oder nicht, wenn der Kaufpreis erst am 1. März 2000 und der Verkaufspreis erst am 1. März 2010 gezahlt wurde?" So die Zuschrift eines Lesers. Eine spannende Frage!
"Ich habe eine Immobilie gerade mit einem erklecklichen Gewinn verkauft", schreibt uns eine Leserin. "Muss ich davon Abgeltungsteuer abführen? " Die Antwort auf diese Frage ist erfreulich für alle Immobilien-Eigentümer: Abgeltungsteuer wird auf Verkaufsgewinne von Immobilien nicht erhoben. Auch dann nicht, wenn das Gebäude für den Eigentümer ein reines Investment war. Es kann aber sein, dass auf den Gewinn Spekulationssteuer anfällt. Dass er also mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert werden muss. Und der ist unter Umständen sogar deutlich höher. Aber keine Angst: Das lässt sich vermeiden, wenn Sie die Immobilie nur lang genug in Ihrem Eigentum behalten.

 meineimmobilie.de-Tipp

Ist abzusehen, dass Sie die Immobilie für einen höheren als den früheren Kaufpreis veräußern können, sollten Sie die 10-Jahres-Frist abwarten, bevor Sie sie verkaufen.

 

Anders sieht es aus, wenn der Verkaufspreis voraussichtlich niedriger ausfällt als der Kaufpreis, den der Schenker oder Erblasser dafür bezahlt hat. Hier kann es sich lohnen, die Immobilie noch innerhalb der 10-Jahres-Frist zu veräußern. Auf diese Weise können Sie steuerlich "Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften" realisieren.

 

Diese Verluste lassen sich (sofort oder in späteren Jahren) beispielsweise mit Gewinnen aus anderen Grundstücksgeschäften, beispielsweise aber auch mit Spekulationsgewinnen auf Gold, Antiquitäten oder Münzen.