Freitag, 01.02.2013 | Autor: Judith Engst , Foto: © Otto Durst - Fotolia.com

Leserfrage: Schimmelbeseitigung steuerlich absetzbar?

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Worum geht´s
  • Schimmelbeseitigung
  • Steuerliche Absetzbarkeit
  • haushaltsnahe Dienstleistung
  • Werbungskosten
  • außergewöhnliche Belastung
Stichworte zu diesem Thema

„In meiner Immobilie habe ich ein Schimmelproblem. Rund 1.500 Euro kostet die Beseitigung, sagt mein Malerbetrieb. Kann ich die Kosten  von der Steuer absetzen?“ so lautet eine Leserfrage, die uns kürzlich erreichte. Unsere Antwort: Im Eigenheim teilweise, bei einer Mietimmobilie sogar vollständig.

Falls es sich beim betreffenden Haus um ein Eigenheim handelt, gilt: Als außergewöhnliche Belastung ist die Schimmelbeseitigung nicht anzusehen. Das stellt ein Schreiben der Oberfinanzdirektion München vom 28. Juli 2005 klar (Az. S 2284 - 1 St 41). Darin heißt es sinngemäß: Schimmelbildung sei entweder auf falsches Lüften durch den Eigentümer oder auf einen Baumangel zurückzuführen. Die Kosten für die Beseitigung sind somit nicht zwangsläufig, denn der Schimmel hätte verhindert werden können. Ein Abzug der Kosten als außergewöhnliche Belastung komme folglich nicht in Frage.

Diese Richtlinie der Finanzverwaltung hindert Sie aber nicht daran, die Kosten zumindest als haushaltsnahe Dienstleistungen abzusetzen. Ansetzen können Sie die Arbeits-, nicht aber die Materialkosten. Um 20 Prozent der Rechnungssumme mindert sich damit Ihre Steuerschuld. Dabei gilt eine Obergrenze von maximal 1.200 Euro pro Jahr.

Anders sieht es aus, wenn es sich um ein Mietshaus oder eine Mietwohnung handelt. Hier können Sie die Schimmelbeseitigung selbstverständlich in voller Höhe - inklusive Materialkosten und ohne Obergrenze - von der Steuer absetzen. Und zwar als Werbungskosten im Rahmen einer Vermietung und Verpachtung. Wie viel Steuer Sie damit sparen, hängt von Ihrem persönlichen Einkommensteuersatz ab. Angenommen, dieser liegt bei 30 Prozent. Dann sparen Sie 30 Prozent von 1.500 Euro, also 450 Euro an Steuern. Falls Sie unter den Spitzensteuersatz fallen, sparen Sie sogar 42 Prozent, sprich 630 Euro an Steuern.

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Als Vermieter können Sie die Kosten, die im Zusammenhang mit Ihrer Immobilie entstehen, üblicherweise als Werbungskosten absetzen. Nicht so als Eigenheimbesitzer. Diese Kosten in der Steuererklärung anzugeben, bringt normalerweise nichts. Trotzdem ist Hopfen und Malz nicht verloren. Denn bestimmte Umbauten und Modernisierungen sind als Sonderausgaben absetzbar und vermindern Ihre Steuerlast.
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News: Schimmel in der Wohnung ist für Vermieter und Mieter gleichermaßen ein Ärgernis. Die Sporen gefährden die Gesundheit und sind ein sicheres Zeichen dafür, dass in den Räumen zu viel Feuchtigkeit besteht. Beseitigung ist Pflicht - und sollte von Fachbetrieben übernommen werden.

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Diese Regeln gelten aber nur für eine Schimmelbildung. Geht es dagegen um eine Asbestsanierung oder eine Beseitigung von Formaldehyd- und Holzschutzmittelausgasungen, sieht die Sache auch für Eigenheimbesitzer anders aus. Dann sind die Kosten - inklusive Materialkosten - in voller Höhe als außergewöhnliche Belastung absetzbar. Und zwar ohne Obergrenze.

 

Falls das Finanzamt sie nicht anerkennt, sollten Sie Einspruch gegen den betreffenden Steuerbescheid einlegen. Verweisen Sie darin die einschlägigen Entscheidungen des Bundesfinanzhofs (Asbest: III R 6/01, Formaldehyd: VI R 21/11).