Donnerstag, 19.05.2011 | Autor: Jörg Stroisch

Leserfrage: Kann ich durch Überkreuz-Vermietung Steuern sparen?

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Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Haus, Ihre Eltern auch. Um notwendige Renovierungen in beiden Häusern von der Steuer abzusetzen, vermieten Sie sich die Immobilien über Kreuz.

"Geht das? ", fragte kürzlich ein Leser. In der Regel nicht, lautet unsere Antwort. Denn In den meisten Fällen ist das rechtsmissbräuchlich, so die Einstufung der Finanzgerichte.

Das wäre fein, wenn eine Überkreuz-Vermietung problemlos vom Finanzamt anerkannt würde! Sie könnten die Immobilie Ihrer Eltern mieten. Diese könnten dafür sämtliche Modernisierungs-, Renovierungs- und Instandhaltungskosten von der Steuer absetzen. Die Eltern wären im Gegenzug die Mieter Ihrer Immobilie. Und Sie könnten somit ebenfalls die Modernisierungs, Renovierungs- und Instandhaltungskosten absetzen.

Ganz so leicht macht es Ihnen der Fiskus aber nicht. Wer die Werbungskosten aus solchen Über-Kreuz-Vermietungen von der Steuer absetzen will, hat Pech. Denn das Finanzamt stellt sich quer. Mit Recht, entschied der Bundesfinanzhof schon im Jahr 1991 (19.06.1991, Az.: IX R 134/86). Denn eine solche wechselseitige Vermietung sei nur darauf angelegt, Steuern zu sparen. Das sei ein Gestaltungsmissbrauch.

Wohnungsüberlassung über Kreuz ist aber möglich

Dagegen ist die folgende Konstruktion laut Bundesfinanzhof kein Problem: Sie vermieten an Ihre Eltern und machen die Modernisierungs-, Renovierungs- und Instandhaltungskosten - wie bei Mietwohnungen üblich - steuerlich geltend. Im Gegenzug dürfen Sie die Immobilie Ihrer Eltern kostenfrei nutzen. Die Eltern haben somit nicht die Möglichkeit, die Kosten, die im Zusammenhang mit ihrer Immobilie anfallen, als Werbungskosten abzusetzen.

Gegen eine solche Steuergestaltung hat der Bundesfinanzhof nichts einzuwenden (14.01.2003, Az.: IX R 5/00). Voraussetzung ist allerdings, die Eltern zahlen nicht wesentlich weniger als die ortsübliche Miete. Mindestens 75% sollten es schon sein. Sonst ist der Werbungskostenabzug in Gefahr.

Tipp: Nutzen Sie lieber zu 100 Prozent legale Steuertricks

Manche Steuersparmodelle klingen verlockend, taugen aber in der Praxis nichts. So auch die Überkreuz-Vermietung. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass der Fiskus nicht mitbekommt, wenn gemauschelt wird. Meist fliegen solche allzu kreativen Gestaltungsmöglichkeiten dann doch auf, und der Werbungskostenabzug wird Ihnen verweigert.

Statt einer Überkreuz-Vermietung sollten Sie besser an Fremde vermieten. Die Mieteinnahmen können Sie trotzdem dazu nutzen, sich eine eigene Wohnung zu nehmen. Das geht nämlich: Vermieter sein und zugleich selbst zur Miete wohnen. Hier kann Ihnen das Finanzamt keinen Strich durch die Rechnung machen.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
Foto: Sebastian Fery / Haufe

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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
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