Freitag, 06.03.2015 | Autor: Judith Engst, Foto: © flas100 - Fotolia.com

Keine Insolvenzgeldumlage für Minijobber in Wohnungseigentümergemeinschaft

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Worum geht´s

• Minijob / 450-Euro-Job
• WEG
• Insolvenzgeldumlage
• Bundessozialgericht
• Erstattung für zurückliegende Jahre

Vielleicht haben Sie sich auch schon gefragt, warum Sie eigentlich für einen Minijobber eine Insolvenzgeldumlage zahlen sollen.

Dazu gibt es jetzt eine gute Nachricht vom Bundessozialgericht: Wenn Sie Minijobber etwa als Putz- oder Gartenhilfe in einer Wohnungseigentümergemeinschaft einsetzen, dann gilt: Sie brauchen die Insolvenzgeldumlage nicht zu bezahlen. Damit werden Minijobber für Sie günstiger!

Ein neues Urteil des Bundessozialgerichts zur Insolvenzgeldumlage bei Minijobbern stellt klar: Eigentümergemeinschaften können gar nicht insolvent werden. Das ist ebenso ausgeschlossen wie bei normalen Privathaushalten.

Die logische Konsequenz daraus lautet: Die Minijob-Zentrale darf für geringfügige Beschäftigungen innerhalb einer Wohnungseigentümergemeinschaft keine Insolvenzgeldumlage einziehen (BSG, 23.10.2014, Az. B 11 AL 6/14 R).

8,10 Euro weniger Sozialabgaben pro Jahr

Zum Hintergrund: Eine Insolvenzgeldumlage zahlen Unternehmen an den Träger der gesetzlichen Sozialversicherungen. Diese Umlage sorgt dafür, dass bei einer Zahlungsunfähigkeit die Beschäftigten weiterhin ihren Lohn bzw. ihr Gehalt bekommen.

Die Höhe der Insolvenzgeldumlage liegt bei 0,15 Prozent des Netto-Arbeitsentgeltes von maximal 450 Euro pro Monat. Somit verringern sich die pauschalen Sozialabgaben für geringfügig Beschäftigte um bis zu 0,66 Euro pro Monat. Im Jahr macht das immerhin bis zu 8,10 Euro aus.

Holen Sie sich Ihr Geld für die letzten 4 Jahre zurück

Die zu Unrecht erhobene Insolvenzgeldumlage vergangener Jahre können Sie als Hausverwalter für Ihre Wohnungseigentümergemeinschaft(en) erstatten lassen beziehungsweise mit laufenden Beitragszahlungen verrechnen.

Möglich ist das, solange Ihre Ansprüche noch nicht verjährt sind. Die Verjährungsfrist liegt bei drei Jahren, beginnt aber erst mit Ablauf des Jahres, in dem die Ansprüche entstanden sind.

Konkret bedeutet dies: Im Jahr 2015 können Sie rückwirkend noch die Beiträge für 2011, 2012, 2013 und 2014 zurückholen. Das geht formlos, also ohne einen separaten Antrag an die Minijob-Zentrale zu stellen.

So holen Sie sich Ihr Geld von der Minijobzentrale zurück

Sie müssen die bisher gezahlte Insolvenzgeldumlage lediglich im Beitragsnachweis, den Sie monatlich einreichen, auf der Minusseite eintragen. Er wird dann automatisch verrechnet mit den Sozialbeiträgen, die Sie für laufende Minijobs abführen.

Wichtig: Vergessen Sie auch nicht, bei künftigen Beiträgen die bisher abgeführte Insolvenzgeldumlage herauszurechnen.
 

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Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
Judith Engst
Sie haben es endgültig satt, dem Mieter wegen der Treppenhausreinigung hinterherzulaufen. Ab nächsten Monat wollen Sie damit eine Reinigungsfirma beauftragen. Geht das so einfach: Schließlich haben Ihre Mieter nicht nur die Pflicht, selbst zum Schrubber zu greifen, sondern auch das Recht.
Weniger Steuern zahlen - davon träumt auch Ihr Mieter. Deswegen sollten Sie in Ihrer Betriebskostenabrechnung bei den Rechnungen, in denen haushaltsnahe Dienstleistungen stecken, diese dem Mieter auch ausweisen. Viel Arbeit ohne Geld? Ja, aber Vermieterpflicht, wenn der Mieter darauf besteht!

 meineimmobilie.de-Tipp

Was tun, wenn die WEG aktuell keinen Minijobber beschäftigt?

Wer als WEG bzw. Hausverwaltung aktuell zwar keinen Minijobber mehr beschäftigt, sollte dennoch für die vergangenen Jahre, in denen Sie einen Minijobber beschäftigt hatten, einen Erstattungsantrag an die Minijob-Zentrale richten.

Dazu genügt ein formloses Schreiben, in dem genau aufgelistet wird, in welcher Höhe die Insolvenzgeldumlage in den vergangenen vier Jahren gezahlt wurde. Vergessen Sie nicht, Ihre Betriebsnummer und die Kontonummer anzugeben, damit die Minijob-Zentrale die zu viel gezahlte Umlage dann auch zurücküberweisen kann.

 

Musterformulierung: So fordern Sie die Insolvenzgeldumlage zurück

„Mit Urteil vom 23.10.2014 hat das Bundessozialgericht entschieden, dass die Erhebung einer Insolvenzgeldumlage für Wohnungseigentümergemeinschaften rechtswidrig war (Az. B 11 AL 6/14 R). Für die Wohnungseigentümergemeinschaft mit der Betriebsnummer xy wurde in den Jahren 2011 bis 2014 eine Insolvenzgeldumlage in Höhe von ... Euro gezahlt. Ich bitte um Erstattung auf das folgende Konto: IBAN: ..., BIC: ...”