Montag, 24.02.2014 | Autor: Heidi Schnurr, Rechtsanwältin und Redakteurin meineimmobilie.de, Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2007

Haushaltsnahe Dienstleistungen: So einfach sparen Sie als Eigenheimbesitzer Steuern

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2007
Worum geht´s

Wohnen Sie selbst in Ihrer Immobilie? Dann steckt in jeder Ihrer Handwerkerrechnungen echtes Steuer-Spar-Potenzial: Bis zu 1.200 EUR können Sie damit sparen! Wie`s geht, lesen Sie hier.

Sie haben den Maler, den Elektriker oder den Fliesenleger im Haus. Hinterher ist zwar alles schöner und besser, aber natürlich bekommen Sie dafür auch eine Rechnung präsentiert. Heften Sie diese Rechnung zu Ihrer Steuererklärung, denn dafür bekommen Sie vom Finanzamt was geschenkt: 20 % des Rechnungsbetrags als Ihr persönliches „Steuerbonbon!“

Darum geht es, wenn Sie lesen, dass Selbstnutzer ihre Aufwendungen für die Instandhaltung ihrer Immobilie steuerlich geltend machen können.

Übrigens gilt das nicht nur für Handwerkerleistungen, sondern auch für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse. Die 7 häufigsten Fragen und Antworten rund um die steuerliche Geltendmachung von Handwerkerleistungen finden Sie hier.

  1. Wer bekommt das „Steuergeschenk“?

Ganz einfach: Selbstnutzer! Wohnen Sie also selbst allein oder mit Ihrer Familie im Eigenheim (egal, ob bereits abbezahlt oder nicht), sollten Sie jede Handwerkerrechnung für Ihr Haus oder Ihren Garten für Ihre nächste Steuererklärung gut aufbewahren. Das Gleiche gilt, wenn Sie in Ihrer Eigentumswohnung wohnen.

Wichtig: Ihr Häuslein bzw. Ihre Wohnung muss innerhalb der EU liegen!

  1. Für welche Arbeiten gilt das?

Das gilt für handwerkliche Tätigkeiten, wie etwa Renovierungs-, Erhaltungs- oder Modernisierungsmaßnahmen an bestehenden Gebäuden bzw. dem Garten. Bauen Sie neu, können Sie diesen Steuervorteil erst einmal nicht nutzen.

Zu den handwerklichen Tätigkeiten zählen beispielsweise diese Arbeiten:

  • Abflussreinigung
  • Arbeiten am Dach, an der Fassade, an Garagen
  • Arbeiten an Innen- und Außenwänden
  • Badmodernisierung
  • Dachrinnenreinigung
  • Streichen und Lackieren von Türen, Fenstern (innen und außen), von Wandschränken, Heizkörpern und –rohren
  • Fassadenarbeiten
  • Fliesen verlegen
  • Gartengestaltungsmaßnahmen (Gartenpflegearbeiten wie Heckenschneiden und Rasen mähen zählen dagegen zu den haushaltsnahen Dienstleistungen)
  • Gebühren für den Schornsteinfeger
  • Hausanschlüsse (z.B. Kabel für Strom oder Fernsehen)
  • Klavierstimmer
  • Kontrolle für die Blitzschutzanlage
  • Modernisierung oder Austausch der Einbauküche (nur die Arbeits-, nicht die Anschaffungskosten!)
  • Pflasterarbeiten auf dem Grundstück
  • Reparatur oder Austausch von Fenstern und Türen
  • Reparatur und Wartung von Haushaltsgegenständen wie z.B. Waschmaschine, Geschirrspüler, Herd, Fernseher, PC, usw.
  • Reparatur, Wartung oder Austausch von Heizungsanlagen, Elektro-, Gas- und Wasserinstallationen
  • Terrassenüberdachung
  • Überdachung eines Stellplatzes (Carport)
  • Wärmedämmmaßnahmen
  • Wartung des Feuerlöschers
  1. Welche Kosten sind absetzbar?

Fürs Finanzamt zählen nur die Arbeitskosten und ggf. die Maschinen- und Fahrtkosten eine Rolle.

Da die Materialkosten oder auch gelieferte Waren nicht mitzählen, ist es für Sie steuerlich gesehen natürlich viel besser, wenn der Handwerker höhere Arbeits- als Materialkosten ausweist. Je höher die Arbeitskosten, umso höher also Ihre Steuerersparnis.

  1. Wie viel Geld kann ich mit einer Handwerkerrechnung sparen?

Sie können bei Ihrer Steuererklärung 20 % vom jeweiligen Rechnungsbetrag plus der anteiligen Umsatzsteuer nach § 35 a Einkommensteuergesetz steuerlich geltend machen.

Maximal aber nur 20 % von 6.000 EUR. Das entspricht einer maximalen Steuerersparnis von 1.200 EUR pro Haushalt und Jahr.

Beispiel:

Sie lassen sich vom Maler den Hausflur und das Wohnzimmer renovieren. Tapeten und Farbe kosten 1.000 EUR. Dazu kommen noch mal 4.000 EUR an Arbeitskosten.

Fürs Finanzamt können Sie von der Rechnung über 5.000 EUR nur die 4.000 EUR für die Arbeitskosten ansetzen. Die Materialkosten zählen nicht mit. 20 % von 4.000 EUR wären also eine Steuerersparnis von 800 EUR.

Lassen Sie sich jetzt noch für 3.000 EUR das Bad neu fliesen, könnten Sie davon eigentlich noch einmal 600 EUR als haushaltsnahe Handwerkerleistung absetzen.

Da Ihnen das Finanzamt aber nur höchstens 1.200 EUR pro Jahr und Haushalt zugesteht, können Sie von den Kosten für das geflieste Bad nur noch 400 EUR geltend machen; statt der tatsächlichen Kosten von 600 EUR.

Wichtig: Die 1.200 EUR werden direkt von Ihrer Nachzahlung abgezogen! Es ist nicht etwa so, dass dies nur von Ihren Einkünften abgezogen wird, sondern die 1 200 EUR sind ein echter Steuererlass, der erst dann in die Waagschale geworfen wird, wenn Ihre Nachzahlung bzw. Ihre Steuerrückzahlung bereits berechnet wurden!

Hinweis: Rechnerisch gesehen bringt Ihnen eine Handwerkerrechnung über 6.000 EUR eigentlich gar nichts, da Sie ohnehin nur 20 % absetzen dürfen und so jeder Betrag, der die 6.000-EUR-Grenze überschreitet, steuertechnisch verpufft: Denn es bleibt dennoch bei der Maximalförderung von 1.200 EUR im Jahr!

  1. Wer die Arbeiten ausführen muss

Wem Sie Ihren Auftrag geben, spielt keine Rolle: Das ausführende Unternehmen muss nicht einmal in der Handwerksrolle eingetragen sein.

Es genügt, wenn ein selbstständiges Unternehmen die Arbeiten ausführt. Sogar einen sogenannten Kleinunternehmer können Sie beauftragen und damit Steuern sparen.

  1. Was gilt bei mehreren Baustellen in einem Jahr?

Die Grenze für den maximal steuerlich anerkannten Rechnungsbetrag in Höhe von 6.000 EUR gilt für das gesamte Kalenderjahr. Also leider nicht pro Handwerker oder Baumaßnahme!

Auf der anderen Seite ist es so: Haben Sie mehrere Rechnungen, z. B. für die Reparatur der Spülmaschine, vom Fliesenleger fürs neue Bad und noch eine vom Dachdecker für die Dachsanierung nach dem letzten Sturm, dürfen Sie diese Rechnungen alle zusammen einreichen.

Aus der Gesamtsumme errechnet sich dann der Maximalbetrag von 6.000 EUR und der 20 % Steuernachlass! Kommen Sie insgesamt mit Ihren Rechnungen pro Jahr über die 6.000-Euro-Grenze, bringt Ihnen der darüberliegende Betrag steuerlich nichts.

Wichtig: Da es auf den Zeitpunkt der Zahlung der Rechnung und nicht auf den Zeitpunkt der Durchführung der Baumaßnahme oder das Rechnungsdatum ankommt, sollten Sie bei Rechnungen zum Jahresende hin prüfen, ob Sie den Maximal-Rechnungsbetrag von 6.000 EUR im Jahr schon ausgeschöpft haben.

Falls ja, sollten Sie die Rechnung besser erst im nächsten Jahr zahlen – und Ihrem Handwerker natürlich erklären, warum er so lange auf sein Geld warten muss!

  1. Wie Ihre Handwerkerrechnung aussehen muss

Auf Ihrer Reparatur- oder sonstigen Handwerkerrechnung sollten die Arbeitsstunden immer gesondert ausgewiesen sein.

Haben Sie mit Ihrem Handwerker einen Fest- oder Pauschalpreis vereinbart, sichert Ihnen dieser Zusatz auf der Handwerkerrechnung den Steuervorteil:

"Im Gesamtrechnungsbetrag von ..... Euro sind mindestens ..... Euro an Arbeitsleistung enthalten."

Oder so:

„Im Rechnungsbetrag von ..... Euro sind Materialkosten in Höhe von brutto ..... Euro enthalten."

Damit weisen Sie den Arbeitsumfang bzw. die reinen Materialkosten mit einem Mindestwert nach.

Und noch eine gute Nachricht des Finanzamts, das Ihnen viel Rechnerei zu vermeiden hilft: Sie können sich einen getrennten Umsatzsteuerausweis für die Arbeitsleistung sparen!

Beispiel

Sie bekommen von Ihrem Handwerker für Fensterreparaturarbeiten die folgende Rechnung: Rechnungsbetrag 5.000 EUR (brutto).

Der Handwerker gibt auf seiner Rechnung an, dass darin 2.250 EUR Materialkosten brutto enthalten sind. Sie zahlen per Überweisung und ziehen 3 % Skonto ab.

Beim Finanzamt können Sie geltend machen:

Brutto-Rechnungsbetrag

5.000,00 EUR

- abzgl. Materialanteil

2.250,00 EUR

Zwischensumme

2.750,00 EUR

- abzgl. anteiliger Skontoabzug, 3 %

     82,50 EUR

Summe Ihrer absetzbaren Aufwendungen

2.667,50 EUR

davon 20 % (aber maximal 1.200,00 EUR)

   533,50 EUR

 

Die tragen Sie im Mantelbogen Ihrer Steuererklärung auf Seite 3, Zeile 74 - 79 ein!

Wichtig: Überweisen Sie die Rechnung bitte immer, denn Barzahlungen erkennt das Finanzamt nicht an!

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber

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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
MEHR WISSEN: Auch Ihr Mieter dankt es Ihnen, wenn Sie die haushaltsnahen Dienstleistungen ausweisen. Denn diese kann er von den Steuern absetzen.
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Handwerkerleistungen können Sie steuerlich absetzen. Das gilt nicht nur für Mietobjekte, sondern auch für privat genutzte Immobilien. Bis zu 20 Prozent (maximal 1.200 Euro) lassen sich hier als haushaltsnahe Dienstleistung steuermindernd geltend machen. Sorgen Sie jetzt dafür, diese Grenze bestmöglich auszuschöpfen.
Weniger Steuern zahlen - davon träumt auch Ihr Mieter. Deswegen sollten Sie in Ihrer Betriebskostenabrechnung bei den Rechnungen, in denen haushaltsnahe Dienstleistungen stecken, diese dem Mieter auch ausweisen. Viel Arbeit ohne Geld? Ja, aber Vermieterpflicht, wenn der Mieter darauf besteht!

 meineimmobilie.de-Tipp

Mit Handwerkerrechnungen können Eigenheimbesitzer bis zu 1.200 EUR im Jahr an Steuern sparen – und das geht sehr einfach!

Achten Sie darauf, dass auf Ihrer Rechnung die Arbeitskosten ausgewiesen sind. Hohe Materialkosten bringen Ihnen steuerlich nichts. Zahlen Sie diese Rechnung nie in bar, sonst wird sie vom Finanzamt nicht anerkannt.