Samstag, 05.11.2016 | Autor: Judith Engst, Foto: © Tiberius Gracchus - Fotolia.com

Haus samt Inventar verschenkt: Vorsicht, Schenkungssteuer droht!

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Worum geht´s

• Immobilienschenkung
• Schenkungssteuer
• Kunst und antike Möbel
• FG Nürnberg

Sie können Ihr selbstgenutztes Gebäude steuerfrei an Ihren Ehepartner verschenken. Aber Achtung: Ist es mit wertvollem Inventar ausgestattet, wie z. B. teure Kunstobjekte oder Möbel, kann das Finanzamt hellhörig werden - und zwar auch noch nach Jahren!

 

Wie riskant es sein kann, dem Finanzamt teures Inventar zu verschweigen, zeigt ein Urteil des Finanzgerichts Nürnberg.

Ein sehr großzügiges Geschenk machte ein Ehemann seiner Frau: Er schenkte ihr das Einfamilienhaus, das sie zusammen bewohnten, samt Inventar. Das stand sogar so im notariellen Schenkungsvertrag. Das Inventar wurde dabei jedoch nicht extra einzeln aufgelistet.

Die Begründung: Die Eheleute seien sich ohnehin einig, was alles dazu gehörte und was nicht.

Das selbstgenutzte Eigenheim kann steuerfrei verschenkt werden 

Da das Ehepaar die Immobilie vor und nach der Schenkung gemeinsam nutze, war für das Finanzamt klar: Die Schenkung blieb steuerfrei - denn das ist laut Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz für Eigenheime möglich.

Allerdings hatte das Ehepaar dem Finanzamt eine Sache verschwiegen: Den hohen Wert des "Inventars". Dazu gehörten wertvolle Kunstwerke (Plastiken), antike Möbel, Gemälde und Porzellanfiguren.

Die Sache kam erst ans Licht, als der Ehemann verstarb und ein Gutachter für die Erbschaftssteuererklärung die Kunstwerke und Antiquitäten im Haus schätzen sollte. Er kam auf einen Wert von fast einer Million Euro.

Wertvolles Inventar verschwiegen: Nachträglicher Schenkungssteuerbescheid möglich

Das Finanzamt reagierte prompt: Es erließ einen Schenkungssteuerbescheid. Vom Wert der geschenkten Kunst zog es den damals gültigen Freibetrag in Höhe von 307.000 Euro ab.

Unterm Strich waren damit 686.500 Euro zu versteuern. Folglich verlangte das Finanzamt 130.435 Euro Schenkungssteuer. Die betroffene Witwe wehrte sich - und argumentierte, die vierjährige Festsetzungsfrist für die Schenkungssteuer sei inzwischen abgelaufen. Aber sie hatte damit keinen Erfolg (FG Nürnberg, Urteil v. 16.6.2016, 4 K 1902/15).

Von wegen verjährt: Festsetzungsfrist beginnt erst mit Kenntnis zu laufen 

Die Festsetzungsfrist (§ 169 Abs. 1 Satz 1 Abgabenordnung) beginnt normalerweise nach Ablauf des Jahres, in dem die Steuer entstanden ist. Normalerweise wäre das 2006, weil die Schenkung 2005 erfolgte.

Hier aber sei das Jahr maßgeblich, in dem der Schenker (Ehemann) gestorben sei und das Finanzamt folglich von der wertvollen Schenkung erfahren habe. Somit sei noch keine Verjährung eingetreten, und die Aufforderung des Finanzamts, Schenkungssteuer zu zahlen, sei rechtmäßig.
 

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Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
Judith Engst
Immobilien unterliegen der Schenkungssteuer, wenn sie verschenkt werden. Nicht aber, wenn ein Ehemann sein Familienheim an seine Frau verschenkt oder umgekehrt. Dann kann die Schenkung komplett steuerfrei sein - und das unabhängig vom Wert der Immobilie. Lesen Sie im Folgenden, welche Voraussetzungen für die Steuerfreiheit erfüllt sein müssen.
"Ich habe eine sehr spezielle Frage zur Immobilien-Schenkung. Meine Mutter hat neu geheiratet und ich bin der einzige Nachkomme. Meine Mum und ihr Mann wollen ihr Haus (50/50 Anteil) komplett an mich verschenken. Welche Freibeträge stehen mir dann zu? Von meiner Mutter kann ich sicherlich 400.000 Euro in Anspruch nehmen, aber was gilt bei ihrem neuen Mann?"   Diese interessante, steuerliche Frage interessiert sehr wahrscheinlich viele Leser - und zwar bevor sie Post vom Finanzamt bekommen. Hier die Antwort.
Schenkungen unter Eheleuten sind steuerfrei. Das gilt zumindest bei Immobilien, die das Familienheim bilden. Was aber gilt für Ferienhäuser? Können auch sie steuerfrei an die Ehefrau oder den Ehemann übertragen werden? Vor dem Finanzgericht Münster wurde ein solcher Fall verhandelt. Es ging um ein Ferienhaus auf einer deutschen Insel. Lesen Sie hier, was die Richter in puncto Steuerfreiheit entschieden haben.

 meineimmobilie.de-Tipp

Nutzen Sie legale Steuerschlupflöcher


Eine Immobilie mitsamt wertvollem Inventar zu verschenken in der Hoffnung, dass das Finanzamt keinen Wind davon bekommt - oder erst dann, wenn die Steueransprüche längst verjährt sind -, das empfiehlt sich nicht. Denn eine Steuerforderung kann Sie hinterher immer noch empfindlich treffen, und Sie riskieren eine Anzeige wegen Steuerhinterziehung. Besser ist es da, legale Steuer-Schlupflöcher zu nutzen.

 

Den Freibetrag können Sie nur alle 10 Jahre ausschöpfen


Heutzutage liegt der Freibetrag bei Schenkungen zwischen Eheleuten bei 500.000 Euro, bei Schenkungen zwischen Eltern und Kindern bei 400.000 Euro. Dieser Freibetrag lässt sich alle 10 Jahre aufs Neue ausschöpfen. Das A und O bei der Vermögensübertragung ist folglich, rechtzeitig mit dem Schenken zu beginnen. Wenn Sie jetzt Vermögen im Wert von maximal 500.000 Euro an Ihre/n Ehepartner/in verschenken, dann brauchen Sie nur volle 10 Jahre abzuwarten. Danach können Sie die 500.000 Euro erneut ausschöpfen.


Der Wert des selbst genutzten Eigenheims zählt beim Schenken nicht mit


Den Wert der Immobilie brauchen Sie nicht zum „Geschenk“ dazuzählen, wenn es sich um ein Eigenheim handelt, das von der beschenkten Person (nur Ehegatte, Kinder oder Enkel verstorbener Kinder) weiterhin für mindestens 10 Jahre selbst genutzt wird.

 

Für den Ehepartner oder die Ehepartnerin gilt dies unabhängig von der Wohnfläche, für die Kinder oder Enkel immerhin bis zu einer Fläche von 150 Quadratmeter. Sie sehen also: Es gibt ohne jede Heimlichtuerei gegenüber dem Finanzamt genügend legale Möglichkeiten zu einer schenkungssteuerfreien Vermögensübertragung.