Donnerstag, 06.11.2014 | Autor: Judith Engst, Foto: © fuxart - Fotolia.com

Grundstück an Tochter verkauft: Wird Grunderwerbsteuer fällig?

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Worum geht´s

• Grunderwerbsteuer
• Ausnahmen von der Steuerpflicht
• Übertragung Mutter - Tochter
• Übertragung zwischen Geschwistern

Der Tod des Ehepartners macht oft aus einem Elternpaar und den Kindern eine Erbengemeinschaft. Um die wieder aufzulösen, kann es zu folgender Konstellation kommen: Die einzige Tocher will ihren Anteil an die Mutter verkaufen. 

Die Mutter will den Anteil auch abkaufen, allerdings fragt sie sich, ob jetzt zusätzlich auch noch Grunderwerbsteuer anfällt.

Verwandte in gerader Linie bleiben grunderwerbsteuerfrei

Bei der Grunderwerbsteuer gilt: Ein Immobilienverkauf oder eine Immobilienübertragung bleibt steuerfrei, wenn sie zwischen Verwandten in gerader Linie erfolgt. Das regelt § 3 Abs. 6  Grunderwerbsteuergesetz.

In diesem Fall ist die Sache eindeutig: Mutter und Tochter sind in gerader Linie miteinander verwandt. Deswegen kann die Mutter ihrer Tochter die Immobilie also problemlos abkaufen, ohne für den Kauf Grunderwerbsteuer zahlen zu müssen.

Steuerfrei ist übrigens auch ein Erwerb zwischen Eheleuten und eingetragenen Lebenspartnern. Und auch für Stiefkinder, Adoptivkinder, Enkel, Eltern und Großeltern gilt die Steuerbefreiung.

Geschwister profitieren nicht von der Steuerbefreiung

Für ein Immobiliengeschäft unter Geschwistern gilt: Weil sie nicht in gerader Linie miteinander verwandt sind, greift die Steuerbefreiung des § 3 Abs. 6 Grunderwerbsteuergesetz nicht.

Sprich: Kauft eine Schwester oder ein Bruder der eigenen Schwester oder dem eigenen Bruder eine Immobilie oder ein unbebautes Grundstück ab, unterliegt dieser Kauf sehr wohl der Grunderwerbsteuer.

Interessant ist in diesem Zusammenhang allerdings ein Urteil des Finanzgerichts Düsseldorf, nach dem eine solche Grundstücksübertragung unter Geschwistern ausnahmsweise steuerfrei bleiben kann.

Vater verpflichtete Töchter zur Übertragung

Im entschiedenen Fall hatte ein Vater seinen Töchtern das Eigentum an seiner Immobilie übertragen, sicherte sich dabei jedoch ein lebenslanges Nießbrauchsrecht. Zudem verlangte er von den Töchtern, eventuell später geborene Kinder zu gleichen Teilen an der Immobilie zu beteiligen.

Daran hielten sich die Schwestern auch. Sie übertrugen ihrem später geborenen Bruder je ein Sechstel der Immobilie. Das Finanzamt verlangte für diese Übertragung prompt Grunderwerbsteuer.

Das FG Düsseldorf schmetterte dieses Ansinnen jedoch ab: Die Schwestern hätten nur erfüllt, was der Vater wollte. Hätten sie die Immobilie nicht zu je einem Sechstel an ihren Bruder übertragen, hätte der Vater diese Anteile von ihnen zurückverlangen und selbst an den Bruder, sprich seinen Sohn, übertragen können. Aus diesem Grund lag hier keine Steuerpflicht vor (16.07.2014, Az. 7 K 1201/14).
 

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Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
Judith Engst
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Allerdings müssen Sie sich keine Sorgen machen, wenn Sie etwa zusammen mit Ihren Geschwistern oder anderen Personen eine Immobilie erben. Denn wer im Rahmen einer Erbauseinandersetzung die Grundstücks- bzw. Immobilienanteile anderer Miterben erwirbt, ist ebenfalls von der Grunderwerbsteuer befreit (§ 3 Abs. 3 Grunderwerbsteuergesetz).