Freitag, 21.06.2013 | Autor: Judith Engst , Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006

Grunderwerbsteuer: Wann Makler- und Notargebühren nicht mitgerechnet werden dürfen

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006
Worum geht´s
  • Grunderwerbsteuer
  • Bemessungsgrundlage
  • Kaufnebenkosten

Angenommen, Sie kaufen ein Haus für 330.000 Euro. Von der Kaufsumme begleicht der Verkäufer die Makler- und Notargebühren sowie sonstige Kaufnebenkosten in Höhe von 30.000 Euro. Wie hoch ist nun die Bemessungsgrundlage für die Grunderwerbsteuer? 330.000 Euro? Oder nur 300.000 Euro Dazu hat sich jetzt der Bundesfinanzhof geäußert.

Früher handhabten die Finanzämter soche Fälle in der Regel so: Der volle Betrag, der für den Immobilienkauf an den Verkäufer gezahlt wurde, wurde der Grunderwerbsteuer unterworfen. Dabei war es dem Finanzamt ziemlich egal, ob darin auch ein Teil an Makler-, Notar- oder andere Kosten steckten. 

"Das geht so nicht", urteilte jetzt der Bundesfinanzhof (17. April 2013, Az. II R 1/12). Er stellte klar: Die Bemessungsgrundlage für die Grunderwerbsteuer muss um diese Kosten, die ausnahmsweise der Verkäufer gezahlt hat, gekürzt werden.

Doch um wie viel muss das Finanzamt diesen steuerpflichtigen Betrag tatsächlich kürzen? Auch dazu hat der BFH Stellung bezogen. Ist vereinbart, dass der Verkäufer die Kaufnebenkosten zahlt und nicht etwas der Käufer, muss das Finanzamt für die Bemessung der Grunderwerbsteuer den Kaufpreis um diese Kosten kürzen.

Die Grunderwerbsteuer bleibt als Bemessungsgrundlage drin

In der Bemessungsgrundlage bleibt ab die Grunderwerbsteuer selbst drin. Der Kaufpreis darf also nicht um die Höhe der Grunderwerbsteuer selbst gekürzt werden.

Das regelt das Grunderwerbsteuergesetz in § 9 Abs. 3 so. Wer also eine Immobilie für 300.000 Euro kauft, zahlt darauf - je nach Bundesland - bis zu 5 % Grunderwerbsteuer, also bis zu 15.000 Euro. Um diese 15.000 Euro an Grunderwerbsteuer darf die Bemessungsgrundlage nicht gekürzt werden.

Kommentare (4)

19.9.2014, 23:35 Uhr von GGS Profil ansehen
In meinem Fall wurde der Makler vom Verkäufer beauftragt und bezahlt. Das wurde im Kaufvertrag in einer Maklerklausel festgehalten. Laut Ihrem Artikel war ich der Meinung, dass bei der Bemessungsgrundlage für die Grunderwerbssteuer die Maklerprovision vom Kaufpreis abgezogen wird. Dies ist jedoch nicht der Fall, auch nach Einspruch beim Finanzamt nicht. Die Begründung lautet, dass der Verkäufer keine Kosten übernimmt, die ich als Käufer zu tragen habe. Über einen erneuten Einspruch denke ich nach bzw. ich suche Argumente. Die bessere Lösung wäre gewesen die Maklerprovision selbst zu zahlen, den Kaufpreis um die Maklerprovision zu verringern und die Maklerklausel aus dem Kaufvertrag zu streichen. Das hätte neben der Grunderwerbssteuer auch die Notarkosten und die Grundbuchkosten reduziert.
23.6.2013, 12:03 Uhr von Heidi.Schnurr, meineimmobilie.de Profil ansehen
Danke für Ihren Hinweis: Die Verwechslung habe ich nun behoben. Und Sie haben natürlich Recht: Die Fallgestaltung ist ungewöhnlich, allerdings offensichtlich nicht völlig unwahrscheinlich.
21.6.2013, 23:03 Uhr von Elba Profil ansehen
Normalerweise sind die Kaufnebenkosten Sache des Käufers. Ihren konstruierter Fall, dass der Verkäufer vom Käufer die Nebenkosten bekommt, gibt es so nicht. Die Maklerkosten gehen direkt zum Makler und der Notar schickt seine Rechnung zum Käufer. Das Bundesfinanzhof-Urteil kann sich nur auf die Fälle beziehen, wo eine Maklerprovision im Kaufpreis schon eingerechnet ist. Der Artikel ist sehr verwirrend, dazu wird im 4. Abschnitt noch der Käufer mit dem Verkäufer verwechselt !!!
Grundstücke sind teuer – und jetzt will auch noch das Finanzamt kräftig von Ihrem Kauf profitieren: mit der Grunderwerbsteuer. Über die Höhe darf jedes Bundesland selbst bestimmen. Aktuell hat Thüringen die Grunderwerbsteuer zum 1.1.2017 auf 6,5 % erhöht. Wann und wie tief Sie pro Bundesland in die Tasche greifen müssen und wo Immobilienerwerb noch günstig ist, zeigt diese aktuelle Steuer-Tabelle.

 meineimmobilie.de-Tipp

Beim Kauf von Immobilien lauert somit immer noch eine Falle. Nämlich die, dass vereinbart wird: Der Verkäufer trägt die Grunderwerbsteuer und der Käufer erstattet ihm dieses Geld zusammen mit dem Kaufpreis für die Immobilie.

Vor diesem Hintergrund erscheint es wesentlich klüger, von vornherein auszumachen, dass der Käufer die Grunderwerbsteuer begleicht. Im oben genannten Beispiel lassen sich dadurch immerhin 750 Euro an Grunderwerbsteuern sparen.