Freitag, 02.01.2015 | Autor: Judith Engst, Foto: © Robert Kneschke - Fotolia.com

Grunderwerbsteuer: So werden die Maklerkosten nicht mitgerechnet

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Worum geht´s

• Grunderwerbsteuer
• Bemessungsgrundlage
• Maklerkosten

Die Grunderwerbsteuer steigt und steigt. In drei Bundesländern (Schleswig-Holstein, Saarland, Nordrhein-Westfalen) liegt sie jetzt schon bei 6,5 Prozent. Umso wichtiger ist es für den Käufer, genau hinzusehen, was da eigentlich beim Berechnen der Grunderwerbsteuer alles mitgerechnet wird. 

Die Finanzämter sind dabei nämlich sehr erfinderisch und rechnen auch gern mal Kaufnebenkosten wie die Maklerkosten mit dazu.

Maklerkosten besser nicht im Kaufvertrag erwähnen

Warum sollte ich auf die Maklerkosten Grunderwerbsteuer zahlen?“, wird sich so mancher Immobilienkäufer fragen. Und doch ist dies im komplexen deutschen Steuerrecht so vorgesehen.

Die Maklerkosten fließen immer dann in die Bemessungsgrundlage für die Grunderwerbsteuer ein, wenn sie im Kaufvertrag der betreffenden Immobilie erwähnt sind.

Warum Makler gerne die Courtage in den Kaufvertrag schreiben

Viele Makler pochen darauf, dass die Maklerkosten im Kaufvertrag ausdrücklich erwähnt werden. Sie verlassen sich nicht allein darauf, dass die Maklercourtage ohnehin gesetzlich fällig wird, sobald der Kaufvertrag wirksam geschlossen ist.

Sie verlangen zusätzlich vom Notar, dass ihre Provision in den Vertrag aufgenommen wird. Dadurch - so meinen sie - erhalten sie mehr Rechtssicherheit bei der Einforderung ihrer fälligen Courtage.

Maklergebühr: Auch das Finanzamt liest sich den Kaufvertrag durch

Sobald jedoch die Courtage im Kaufvertrag steht, schlägt der Staat erbarmungslos zu: Die Höhe fließt dann mit in die Bemessungsgrundlage der Grunderwerbsteuer ein. Dazu muss die Courtage nicht in Euro und Cent ausgewiesen sein.

Das Finanzamt begnügt sich schon mit der Angabe in Prozent des Kaufpreises. Für Sie ein Rechenbeispiel, wie sich das auf die Höhe der Steuer auswirkt.

Grunderwerbsteuer: Wie Sie 1.800 Euro weniger Steuern zahlen

Sie wollen Ihre Immobilie in Nordrhein-Westfalen verkaufen. Der Preis beträgt 800.000 Euro. Der Makler verlangt für die Vermittlung vom Käufer die übliche Courtage in Höhe von 3,57 Prozent des Kaufpreises (3 Prozent plus Mehrwertsteuer). Der Makler erhält somit 28.560 Euro.

Da er darauf bestanden hat, werden die Maklerkosten in den Kaufvertrag aufgenommen. Somit erhöht sich die Bemessungsgrundlage um 28.560 Euro.

In Nordrhein-Westfalen liegt der Grunderwerbsteuersatz seit Anfang 2015 bei 6,5 Prozent. Das heißt: Nur wegen der Aufnahme der Maklercourtage in den Kaufvertrag, muss Ihr Käufer 1.856,40 Euro mehr Grunderwerbsteuer zahlen! Das lässt sich jedoch vermeiden.

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Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
Judith Engst
Wer die Vermarktung der Immobilie nicht selbst durchführen möchte, kann einen Makler mit dem Verkauf des Objekts beauftragen. Naheliegend dabei wäre es, einfach das nächstbeste Maklerbüro an der Ecke auszuwählen, doch ist davon abzuraten.   Stattdessen sollten Immobilienverkäufer sich gezielt auf die Suche begeben. Für den Erfolg der Veräußerung der Immobilie ist dies unerlässlich.
Grundstücke sind teuer – und jetzt will auch noch das Finanzamt kräftig von Ihrem Kauf profitieren: mit der Grunderwerbsteuer. Über die Höhe darf jedes Bundesland selbst bestimmen. Aktuell hat Thüringen die Grunderwerbsteuer zum 1.1.2017 auf 6,5 % erhöht. Wann und wie tief Sie pro Bundesland in die Tasche greifen müssen und wo Immobilienerwerb noch günstig ist, zeigt diese aktuelle Steuer-Tabelle.
Steuersenkung? - Fehlanzeige! Die Bundesländer haben entdeckt, wie lukrativ die Grunderwerbsteuer für sie ist. Prompt wird diese Steuer 2015 in zwei Ländern weiter angehoben - auf stolze 6,5 Prozent.

 meineimmobilie.de-Tipp

Treffen Sie mit dem Makler klare Vereinbarungen

 

Auch wenn Ihr Makler sich sträubt: Hindern Sie ihn daran, die Courtage als Betrag oder Prozentsatz vom Kaufpreis im Kaufvertrag festzuschreiben. Vereinbaren Sie notfalls eine Vorauszahlung der Courtage, damit er gegenüber dem Notar nicht darauf besteht.
 

Nur so können Sie vermeiden, dass sich durch die Maklerkosten die Grunderwerbsteuer beim Käufer erhöht. Dagegen macht es nichts aus, wenn Sie lediglich den Namen des Maklers im Kaufvertrag nennen. Sätze wie „Der Verkauf kam durch die Vermittlung von Immobilienmakler Max Mustermann zustande“ sind also unschädlich.