Freitag, 22.11.2013 | Autor: Judith Engst, Foto: © Jürgen Fälchle - Fotolia.com

Geschenkte Ferienwohnung: Welche Steuern jetzt fällig werden

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Worum geht´s

• Schenkungsteuer
• Ferienwohnung
• Bundesfinanzhof

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Reich beschenkt - das interessiert auch das Finanzamt! Wer eine Immobilie geschenkt bekommt und sie 10 Jahre selbst nutzt, kann dadurch die komplette Schenkungsteuer sparen, die sonst anfallen würde. Das gilt zumindest, wenn der Ehepartner und Kinder beschenkt werden.

 

Aber Achtung bei Ferien- und Zweitwohnungen: Für die gilt dieses Steuer-Privileg leider nicht, sagt der Bundesfinanzhof.

Ein Häuschen auf Sylt - das würde wohl jeder gern nehmen. Leider interessiert sich auch das Finanzamt dafür.

Genau genommen ging es um eine Doppelhaushälfte auf Sylt. Ein Ehemann hatte das großzügigerweise seiner Frau geschenkt, sich gleichzeitig aber ein lebenslanges Wohnrecht dort vorbehalten.

Daraufhin wollte das Finanzamt von ihm Schenkungsteuer. Darin aber sah das Paar einen Verstoß gegen das Erbschafts- und Schenkungsteuergesetz. Denn laut § 13 Absatz 4a sollten unter Ehegatten verschenkte Immobilien doch steuerfrei bleiben, argumentierten sie.

Das Finanzamt sah es anders: Die Steuerfreiheit würde nicht für Zweitwohnungen gelten.

Ferien- und Zweitwohnungen sind kein steuerfreies Geschenk
 

Der Bundesfinanzhof stieß ins selbe Horn. Die Richter stellten klar: Die gesetzliche Steuerbefreiung betrifft nur das Familienheim. Also ausschließlich die Wohnung, die den Mittelpunkt des Familienlebens bildet (18.7.2013, Az. II R 35/11).

Für Ferien- oder Zweitwohnungen sei dieser "Befreiungs-Paragraph" dagegen nicht gedacht. Solche Immobilien müssen bei einer Schenkung ganz normal versteuert werden. Denn der Gesetzgeber hätte mit der weitreichenden Steuerbefreiung des Paragraphen nicht darauf abgezielt, Immobilien zu begünstigen, die lediglich gelegentlich genutzt wurden.

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 meineimmobilie.de-Tipp

Nicht immer können Sie davon ausgehen, dass eine Immobilienschenkung steuerfrei bleibt, nur weil Sie die Immobilie selbst nutzen. Vielmehr legt der Bundesfinanzhof hier strenge Maßstäbe an.


Demnach muss die verschenkte Immobilie den Mittelpunkt des Familienlebens bilden und darf nicht nur gelegentlich genutzt werden. Nur wenn das der Fall ist, sparen Sie tatsächlich die komplette Schenkungsteuer.

Es gibt jedoch einen Trick, diese Steuer trotzdem zu verringern: Verschenken Sie eine Immobilie nicht auf einen Schlag, sondern quasi "häppchenweise" in mehreren kleineren Schritten. Achten Sie darauf, dass der steuerliche Freibetrag von 500.000 EUR bei Ehegatten bei jedem Schenkungsakt nicht überschritten wird. Nach Ablauf von 10 Jahren steht dem Beschenkten dieser Freibetrag nochmals aufs Neue zur Verfügung.


Übrigens mindert ein lebenslanges Wohnrecht für den Schenker den steuerlichen Wert der Immobilie. Auch damit lässt sich Schenkungsteuer sparen.


Sie sehen: Auch wenn der BFH hier zu Ungunsten der Steuerzahler entschieden hat, gibt es dennoch kleine Steuerschlupflöcher, wie Sie der Schenkungsteuer doch noch entgehen können.