Freitag, 22.03.2013 | Autor: Judith Engst, Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2008

Geldanlage beim Finanzamt - erfreulich rentabel

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2008
Worum geht´s
  • Steuererstattungen
  • Verspäteter Steuerbescheid
  • Guthabenzinsen ab April
  • Abgabezeitpunkt der Steuererklärung
Stichworte zu diesem Thema

Das darf doch nicht wahr sein. Pünktlich zum Jahresende 2012 haben Sie Ihre Steuererklärung für das Jahr 2011 eingereicht, und noch immer ist sie nicht bearbeitet. Besonders ärgerlich ist das, wenn eine hohe Erstattung winkt. Genau hier ist aber die Verzögerung beim Finanzamt kein Grund zum Ärger, sondern zur Freude.

Über die verspätete Erstattung von Steuerguthaben sollten Sie sich nicht ärgern. Denn solche Guthaben verzinst Ihnen das Finanzamt, und zwar mit 0,5 Prozent pro angefangenem Monat, sprich mit einem Jahreszinssatz von 6 Prozent.

Die Verzinsung greift allerdings erst 15 Monate nach Ablauf des betreffenden Veranlagungszeitraums. Konkret heißt das: Wenn Ihnen aus dem Jahr 2011 noch eine Steuererstattung bevorsteht, erhalten Sie ab April Zinsen dafür.

Das ist schön. Denn eine Geldanlage, die völlig sicher ist und überdies 6 Prozent Zinsen pro Jahr abwirft, finden Sie heutzutage nirgends sonst. Zum Vergleich: Wenn Sie das Geld auf ein Tagesgeld oder Sparkonto bei der Bank anlegen würden, bekämen Sie pro Jahr maximal 2 Prozent Zinsen dafür, pro Monat also deutlich weniger als 0,1 Prozent. Das Warten lohnt sich also, wie das folgende Beispiel zeigt:

Sie erwarten für das Jahr 2011 eine Steuererstattung in Höhe von 1.000 Euro. Erst Ende Juni erhalten Sie den entsprechenden Steuerbescheid und die Erstattung. Das heißt: Das Finanzamt verzinst Ihnen die drei Monate April, Mai und Juni mit jeweils 0,5 Prozent. Insgesamt erhalten Sie also 15 Euro zusätzlich. Das ist erfreulich. Hätten Sie das Geld zu 2 Prozent pro Jahr bei einer Bank angelegt, hätten Sie für den gleichen Zeitraum nur 5 Euro erhalten.

Weniger gut sieht die Bilanz allerdings aus, wenn Ihr Konto aktuell im Minus ist. Für eine genehmigten Überziehung (Dispokredit) zahlen Sie derzeit bei den meisten Banken 12 Prozent - oder sogar noch mehr. Angenommen, wegen der ausbleibenden Steuererstattung überziehen Sie Ihr Girokonto von April bis Ende Juni mit 1.000 Euro. Dann zahlen Sie 30 Euro für die Überziehung, erhalten aber nur 15 Euro Guthabenzinsen vom Finanzamt. Sie legen also 15 Euro drauf.

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Sie warten noch auf Ihren Steuerbescheid für das Veranlagungsjahr 2010? Das geht vielen so, die ihre Steuererklärung 2010 erst Ende 2011 abgegeben haben. Das Dumme ist nur: Ab April drohen Nachzahlungszinsen unabhängig davon, ob Sie für die verspätete Bearbeitung Ihrer Steuererklärung verantwortlich sind oder nicht.

 meineimmobilie.de-Tipp

Sie können das Finanzamt weder zu einer späteren Bearbeitung Ihrer Steuererklärung drängen noch es zu einer schnelleren Bearbeitung bewegen. Die einzige Einflussmöglichkeit ist die Abgabe Ihrer Steuererklärung ab dem Veranlagungsjahr 2013.

 

Wenn Ihr Konto nicht im Minus ist gilt: Geben Sie Ihre Steuererklärung so spät wie möglich, wenn Sie mit einer Steuererstattung rechnen. Durch einen Antrag auf Fristverlängerung können Sie den Abgabetermin vom eigentlich gültigen 31. Mai auf den 31. Dezember des Folgejahres verschieben. Rechnen Sie dagegen mit einer Steuernachzahlung, sollten Sie Ihre Steuererklärung möglichst früh abgeben. Denn sonst müssen Sie Nachzahlungszinsen ans Finanzamt abführen. Und die betragen ebenfalls 0,5 Prozent pro angefangenem Monat.

 

Ist Ihr Konto im Minus, sollten Sie die Steuererklärung so früh wie möglich abgeben, wenn Sie mit einer Steuererstattung rechnen und etwas später, wenn eine Nachzahlung droht.

 

Beachten Sie: Eine Abgabe auf den allerletzten Drücker, also zum Jahresende, lohnt meistens nicht bei drohenden Nachzahlungen. Sonst müssen Sie als Steuerzahler ab April selbst Nachzahlungszinsen auf die restliche Steuerschuld berappen.