Freitag, 21.08.2015 | Autor: Judith Engst, Foto: Agentur: MEV

Geerbtes Haus mit Ölschaden: Mindert sich jetzt deswegen die Erbschaftsteuer?

Foto: Agentur: MEV
Worum geht´s
  • Erbschaftsteuer
  • Ölschaden
  • Nachlassverbindlichkeit
  • Bemessungsgrundlage

 

Stichworte zu diesem Thema

Wer eine Immobilie erbt, muss auf diesen Nachlass häufig Erbschaftsteuer zahlen. Wieviel Steuern der Erbe zahlen muss, hängt vom Wert der Immobilie abzüglich der Kosten ab.

Entdeckt der Erbe einen Heizölschaden im Keller, hat er doppelt Pech, denn die Kosten fürs Beseitigen des Ölschadens mindern nicht die Bemessungsgrundlage.  

Nach dem Tod seines Onkels erbte ein Neffe ein Drittel seines Zweifamilienhaus mitsamt Grundstück. Im Haus befand sich eine alte Ölheizung. Erst nach dem Erbfall stellte sich jedoch heraus: Bei einem Wechsel der Ölsorte konnte die Heizungsanlage das neue Öl nicht mehr richtig ansaugen.

Das sammelte sich daher zentimeterhoch im Ölauffangraum. Die Kosten für das Beseitigen des Ölschadens machte der Neffe als Nachlassverbindlichkeit bei seiner Erbschaftsteuererklärung geltend. Allerdings vergeblich!

Trotz Ölschäden: Neffe muss Erbschaftsteuer in voller Höhe zahlen

Das Finanzgericht Münster gab dem Finanzamt Recht (30.04.2015, Az. 3 K 900/13 Erb). Das hatte die Kosten nicht als Nachlassverbindlichkeit anerkannt. Interessant sind dabei die Urteilsgründe:

Demnach muss eine Nachlassverbindlichkeit schon bei Tod des Erblassers bestanden haben. Das sind Schulden, die der Erblasser durch gesetzliche, vertragliche und außervertragliche Verpflichtungen begründet hat.

Nachlassverbindlichkeiten müssen vor dem Tod entstanden sein

Die Rechnung der Firma, die den Ölschaden beseitigte, hätte schon zu Lebzeiten des Onkels bestehen müssen, um als Nachlassverbindlichkeit anerkannt zu werden.

Sprich: Der Onkel hätte schon vor seinem Tod von Behörden oder den Mietern zum Beseitigen des Ölschaden aufgefordert werden müssen.

Da das nicht geschehen war, weil niemand den Ölschaden bemerkt hatte, musste der Neffe zusammen mit seinen Miterben ohne Steuerminderung für diese Kosten einstehen.

Ölschaden: Noch ist nicht das letzte Wort gesprochen

Allerdings: Das letzte Wort ist in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen, denn der Erbe hat beim Bundesfinanzhof Revision eingelegt, die wegen der grundsätzlichen Bedeutung auch zugelassen wurde.

Das Verfahren ist dort unter dem Aktenzeichen II R 33/15 anhängig. Falls nötig, legen Sie Einspruch gegen den Erbschaftsteuerbescheid ein und verweisen Sie auf dieses Verfahren. Dann profitieren Sie - bei positivem Ausgang - von der BFH-Entscheidung.

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Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Öltankversicherung ist sinnvoll und umlegbar

 

Ein Leck im Öltank oder ein Fehler bei der Ansaugung - es kann immer sein, dass Heizöl austritt. Schon wenn es sich nur im Kellerraum ansammelt, in dem die Tanks stehen, ist das nicht ganz billig. Noch teurer wird es allerdings, wenn austretendes Öl das Erdreich und Grundwasser verseucht.
 

Sie sollten daher stets darauf achten, dass Ihre Gebäudeversicherung auch eine Öltankversicherung umfasst. Dann zahlt bei eventuellen Schäden diese Versicherung - ggf. auch an die Erben.
 

Vermieter können die Gebäudeversicherung im Rahmen der Betriebskostenabrechnung umlegen.