Freitag, 28.06.2013 | Autor: Judith Engst

Finanzgericht: WC zählt nicht als Arbeitszimmer

Worum geht´s
  • Toilette als Arbeitszimmer
  • steuerliche Anerkennung
  • Entscheidung des Finanzgerichts Baden-Württemberg

Ein kurioser Fall wurde jüngst vor dem Finanzgericht Baden-Württemberg verhandelt. Ausgerechnet ein Betriebsprüfer der Finanzverwaltung versuchte, seine Toilette als Arbeitszimmer steuerlich abzusetzen. 

Es geht doch nichts über Gründlichkeit. In seiner Eigenschaft als Steuerbürger versuchte ein Betriebsprüfer, seine Toilette als Arbeitszimmer abzusetzen. Akribisch genau hatte er ein Toilettentagebuch geführt. Daraus ging hervor: Er nutzte das stille Örtchen täglich 9 bis 10 Mal. Davon entfielen 8 bis 9 Mal auf seine berufliche Arbeitszeit. Demnach bezifferte er die berufliche Toilettennutzung auf exakt 73,58 Prozent.
Da er das stille Örtchen gerade renoviert hatte, machte er die Renovierungskosten steuerlich geltend - und zwar genau mit diesem beruflichen Anteil von 73,58 Prozent. Das Finanzamt allerdings war mit so viel Akribie nicht zu beeindrucken. Es lehnte die Anerkennung als Arbeitszimmer ab.
Nach einem gescheiterten Einspruch zog der Mann vor Gericht. Aber das Finanzgericht Baden-Württemberg gab seiner Klage nicht statt. Eine Toilette sei nun einmal keine Betriebsstätte, egal ob sie nun beruflich genutzt werde oder nicht, entschieden die Richter (21.01.2013, Az. 9 K 2096/12).  Zudem habe dem Mann im Finanzamt ein eigenes Arbeitszimmer zur Verfügung gestanden. Deshalb könne er zuhause keines absetzen.
Zur Ehrenrettung des Mannes sei gesagt, dass seine dienstlichen Prüfungstätigkeiten sich nicht auf Fragen rund ums häusliche Arbeitszimmer erstreckten, sondern dass er ein Fachmann für geschlossene Immobilienfonds war.
 

Kommentare (0)

Kommentieren, ergänzen Sie jetzt den Artikel oder geben Sie dem Autor Feedback. Einfach anmelden und losschreiben.
Es muss geheizt werden, es braucht Strom. Und es verursacht anteilig auch viele andere Kosten wie Müllgebühren oder Grundsteuer. Die Rede ist vom häuslichen Arbeitszimmer. Trotzdem ist das Finanzamt alles andere als großzügig wenn es um die Anerkennung des Arbeitszimmers geht. Wer darf es absetzen? Zwei jetzt veröffentlichte Urteile des Bundesfinanzhofs bringen Licht ins Dunkel.

 meineimmobilie.de-Tipp

Die Toilette als Arbeitszimmer abzusetzen ist gar nicht so abwegig wie es auf den ersten Blick scheint. Denn möglich ist das, sofern sie zusammen mit dem Arbeitszimmer und ggf. einer Teeküche und einem Besprechungszimmer eine geschlossene Einheit bildet. Bei einer solchen Konstellation dürften Sie mehr Glück haben, auch das stille Örtchen steuerlich geltend zu machen - vorausgesetzt, die Voraussetzungen sind erfüllt, um die ganze Wohneinheit als häusliches Arbeitszimmer anzuerkennen.