Donnerstag, 10.01.2013 | Autor: Judith Engst

FG Niedersachsen: Arbeitszimmer zur Hausverwaltung absetzbar

Worum geht´s
  • häusliches Arbeitszimmer
  • Anteilige Nutzung zur Immobilienverwaltung
  • Absetzbarkeit
  • Urteil des Finanzgerichts Niedersachsen
Stichworte zu diesem Thema

Kann ein Vermieter ein häusliches Arbeitszimmer absetzen, wenn er es unter anderem für die Erledigung seiner Vermietungsangelegenheiten nutzt? Nein, sagt bisher die Finanzverwaltung. Ja, sagt das Finanzgericht Niedersachsen, von dem ein neues Urteil zu dieser Grundsatzfrage vorliegt.

Normalerweise gilt: Ein häusliches Arbeitszimmer ist nur dann absetzbar, wenn es zu über 90 Prozent dem Erwerb von Einkommen dient. So handhabt es die Finanzverwaltung. An dieser Hürde scheitert in aller Regel die Absetzbarkeit eines Arbeitszimmers, das der Verwaltung vermieteter Immobilien dient. Denn kaum ein Vermieter nutzt das Arbeitszimmer nahezu ausschließlich zu diesem Zweck.

Das Finanzgericht Niedersachsen hat jetzt aber womöglich eine Kehrtwende bei der Beurteilung der Absetzbarkeit eingeleitet. In einem jüngst veröffentlichten Fall erlaubte es einem Vermieter, sein häusliches Arbeitszimmer abzusetzen. Und das, obwohl nur 60 Prozent der Nutzung auf die Vermietungstätigkeit entfielen. Diese 60 Prozent konnte der Steuerpflichtige allerdings auch durch entsprechende Aufzeichnungen nachweisen. Zu 40 Prozent nutzte der Vermieter sein Arbeitszimmer privat.

Die Richter bestätigten die Absetzbarkeit (FG Niedersachsen, 24.04.2012, Az.: 8 K 254/11). Aus ihrer Sicht spricht nichts dagegen, die Kosten entsprechend der Nutzung aufzuteilen. Demnach könne der Kläger 60 Prozent der Kosten für das Arbeitszimmer von der Steuer absetzen und müsse nur die 40 Prozent, welche auf die Privatnutzung entfielen, selbst tragen.

Spannend ist und bleibt allerdings die Frage, ob der Bundesfinanzhof und die Finanzverwaltung sich dieser Auffassung anschließen werden. Denn Revision ist eingelegt (IX R 23/12), und der Ausgang des Verfahrens lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht absehen.

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Das Arbeitszimmer absetzen - diese Möglichkeit besteht für Selbstständige und Arbeitnehmer, egal ob dieses Arbeitszimmer im eigenen Haus liegt oder angemietet ist. Und das macht sich in aller. Regel in barer Münze bezahlt. Zwangsläufig stellt sich die Frage, die uns neulich auch ein Leser gestellt hat: Sind die Raumkosten für ein Arbeitszimmer auch für Vermieter absetzbar? Hier finden Sie die Antwort.
Es muss geheizt werden, es braucht Strom. Und es verursacht anteilig auch viele andere Kosten wie Müllgebühren oder Grundsteuer. Die Rede ist vom häuslichen Arbeitszimmer. Trotzdem ist das Finanzamt alles andere als großzügig wenn es um die Anerkennung des Arbeitszimmers geht. Wer darf es absetzen? Zwei jetzt veröffentlichte Urteile des Bundesfinanzhofs bringen Licht ins Dunkel.

 meineimmobilie.de-Tipp

Nutzen Sie die Chance, die sich aus dieser Entscheidung eröffnet. Sofern Sie ein separates Arbeitszimmer zuhause haben, das (auch) der Immobilienverwaltung dient, machen Sie die anteiligen Kosten als Werbungskosten aus Vermietung und Verpachtung geltend. Absetzen können Sie entsprechend dem Anteil des Arbeitszimmers an der gesamten Hausfläche beispielsweise Strom- und Heizkosten sowie Grundsteuer und (Ab-)Wassergebühren.

 

Falls das Finanzamt diese Kosten nicht als Werbungskosten anerkennt, legen Sie Einspruch gegen den betreffenden Steuerbescheid ein. Beantragen Sie zugleich ein Ruhen des Verfahrens, bis der Bundesfinanzhof in dieser Sache entschieden hat. Sobald dessen Entscheidung vorliegt, informieren wir Sie über den Ausgang.