Freitag, 18.09.2015 | Autor: Judith Engst, Foto: Agentur: MEV

Erbschaftsteuer: Wer erst nach dem Erben vermietet, bekommt keinen Steuerrabatt

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Worum geht´s

• Erbschaftsteuer
• Mietobjekt
• Bundesfinanzhof

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Wer ein Mietobjekt erbt, kann sich freuen. Nicht nur über den wertvollen Nachlass, sondern auch über einen Rabatt von 10 Prozent auf die Erbschaftsteuer.

 

Die Sache hat allerdings einen Haken: Wer zu spät vermietet, gefährdet seinen 10-Prozent-Rabatt bei der Erbschaftsteuer.

Ein Mann erhielt ein ganzes Einfamilienhaus als Nachlass. Die Erblasserin hatte es lange selbst bewohnt, war aber noch vor ihrem Tod in ein Seniorenheim umgezogen.

Mit der Immobilie war seitdem nichts geschehen: Sie war weder renoviert noch vermietet, sondern stand einfach leer, als die Frau starb.

Wer den 10-Prozent-Rabatt bei der Erbschaftsteuer erhält

Der Erbe zog nicht selbst ein. Stattdessen vermietete er die Immobilie. Aus diesem Grund war er auch mit dem Erbschaftsteuerbescheid nicht einverstanden. Denn das Finanzamt setzte den vollen Verkehrswert der Immobilie als Bemessungsgrundlage ein. Es gewährte dem Erben nicht - wie bei Mietobjekten üblich - einen 10-prozentigen Rabatt auf die Erbschaftsteuer.

Sein Einspruch gegen den Steuerbescheid blieb allerdings erfolglos - und ebenso die Klage vor dem Bundesfinanzhof.

BFH: Haus muss zum Todeszeitpunkt schon vermietet sein

Entscheidend seien, so die Richter des BFH, die Verhältnisse zum Todeszeitpunkt der Erblasserin. Wäre das Haus schon damals vermietet gewesen, hätte der Nachlassempfänger einen Rabatt auf die Erbschaftsteuer beanspruchen können.

Das wäre auch möglich gewesen, wenn die Erblasserin zumindest Maßnahmen ergriffen hätte, um später vermieten zu können. Hätte sie also etwa einen Makler mit der Mietersuche beauftragt oder entsprechende Anzeigen geschaltet, dann hätte das womöglich ausgereicht, um das Haus als Mietobjekt zu qualifizieren.

Da sie aber nichts dergleichen unternommen hatte, blieb der BFH hart: Für ein Haus, das erst rund zwei Jahre nach dem Erbfall vermietet wird, gilt die volle Erbschaftsteuer. Der 10-prozentige Rabatt steht einem Erben oder Vermächtnisnehmer in diesem Fall nicht zu (BFH, Urteil v. 11.12.2014, II R 24/14).
 

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Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
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Mal eben Hab und Gut verschenken: Eigentlich kein großes Ding. Die Sache wird jedoch kompliziert, wenn es um eine Immobilie geht: Da will das Finanzamt nämlich gern "mitbeschenkt" werden - mit einer Schenkungsteuer. Gerade bei der Weitergabe von Immobilien innerhalb der Familie wacht das Finanzamt über die Steuerfreibeträge. Sind die überschritten, klingelt es in der Finanzamtskasse nämlich ganz schön.

 meineimmobilie.de-Tipp

Kümmern Sie sich möglichst früh um eine Vermietung


Wer sein Eigenheim nicht mehr selbst nutzen kann, sollte früh mit seinem Ehepartner bzw. seinen Kindern sprechen, was damit geschehen soll. Will eine Person aus diesem Kreis selbst einziehen, dann ist das steuerlich die günstigste Lösung. Denn dann bleibt die Immobilie von der Erbschaftsteuer befreit. Das gilt beim Ehepartner in jedem Fall, bei den Kindern bis zu einer Wohnfläche von 200 Quadratmetern.


Erscheint eine Vermietung wahrscheinlich, ist es ratsam, das früh in die Wege zu leiten. Denn entscheidend sind die Umstände zu dem Zeitpunkt, an dem der Erbfall eintritt (Tod des Erblassers). Ist dann schon klar, dass die Immobilie zum Mietobjekt werden soll und lässt sich das auch beweisen, dann steht dem 10-prozentigen Erbschaftsteuerrabatt nichts mehr im Wege.