Freitag, 26.06.2015 | Autor: Judith Engst, Foto: © livestockimages - Fotolia.com

Eintrag in Steuererklärung vergessen? BFH fällt mildes Urteil

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Worum geht´s

• Steuerbescheid
• ELSTER / Elektronische Steuererklärung
• Lücke
• nachträgliche Korrektur
• Bundesfinanzhof

Normalerweise lässt sich ein Steuerbescheid, der bestandskräftig geworden ist, nachträglich nicht mehr ändern. Es gibt aber Ausnahmen. Eine solche hat jetzt der Bundesfinanzhof bestätigt: Ist bei der elektronischen Steuererklärung ELSTER versehentlich ein wichtiges Feld unausgefüllt geblieben, kann der Steuerpflichtige auch Jahre später noch eine Korrektur zu seinen Gunsten verlangen.

Einen Verlust in Höhe von 209.000 Euro hatte im Streitfall der Steuerberater zwar ausgerechnet, aber versehentlich nicht ins entsprechende Feld bei der elektronischen Steuererklärung ELSTER eingetragen. Das Finanzamt setzte die Steuer entsprechend hoch fest, ohne dass jemand das Versäumnis bemerkt hätte.

Fehler erst nach gut 3 Jahren bemerkt

Erst rund 3 Jahre später fiel dem Kläger die fehlende Berücksichtigung des Verlustes auf. Er beantragte eine nachträgliche Änderung des inzwischen rechtskräftigen Steuerbescheides zu seinen Gunsten. Sprich: Er wollte den Verlust noch berücksichtigt wissen.

Sein Argument: Eine Änderung, die die Steuerlast senke, sei laut § 173 Abs. 1 Satz 2 möglich. Nämlich dann, wenn nachträglich neue Tatsachen bekannt werden und wenn den Steuerpflichtigen kein grobes Verschulden daran trifft, dass sie erst nachträglich geltend gemacht werden.

Grobes Verschulden - ja oder nein?

Das Finanzamt stufte den Fehler des Steuerberaters als grobes Verschulden ein und weigerte sich, den Verlust noch anzuerkennen. Nicht so der Bundesfinanzhof (10.02.2015, Az. IX R 18/14).

Es könne gerade bei der elektronischen Steuererklärung leicht passieren, dass der Steuerpflichtige oder sein Berater ein Feld vergesse. Das müsse nicht gleich ein grobes Verschulden sein. Das Finanzamt sei hier in der Pflicht zu beweisen, dass in einem solchen Fall ein grob fahrlässiges, individuelles Fehlverhalten vorliege.

Der BFH verwies den Fall zurück ans Finanzgericht. Klar ist aber: Es dürfte dem Finanzamt schwerfallen, dem beteiligten Steuerberater mehr nachzuweisen als ein harmloses Vergessen.
 

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Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
Judith Engst

 meineimmobilie.de-Tipp

Steuerbescheid sorgfältig prüfen
 

Der BFH zeigt sich großzügig, was verzeihliche Fehler und Versäumnisse angeht. Aber zunächst haben Sie als Steuerpflichtiger es mit dem Finanzamt zu tun, und das ist manchmal gnadenlos. Gerade wenn es um die Änderung bereits bestandskräftiger Steuerbescheide geht.
 

Vermeiden Sie solche Streitigkeiten. Sie kosten viel Zeit und Nerven. Wesentlich besser ist es, Sie prüfen den Steuerbescheid sorgfältig, sobald Sie ihn erhalten haben. Oder Sie beauftragen Ihren Steuerberater mit der Prüfung (das machen die meisten Berater von sich aus). Die größten Chancen auf Änderung haben Sie nämlich, solange ein Steuerbescheid noch nicht rechtskräftig ist.
 

In diesem Fall legen Sie einfach binnen eines Monats Einspruch ein, holen die versäumte Verlustmeldung oder sonstige steuermindernde Angaben nach. Dann wird das Finanzamt dies auch berücksichtigen, und Sie müssen sich gar nicht erst dafür rechtfertigen, in der Steuererklärung diese Angaben versehentlich vergessen zu haben.