Donnerstag, 28.05.2015 | Autor: Judith Engst, Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006

Einbauküche: Besser abschreiben oder sofort absetzen?

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006
Worum geht´s

• Einbauküche
• Abschreibung / AfA
• steuerliche Absetzbarkeit
• Erhaltungsaufwand
• Herstellungskosten

"Oh, schöne Küche!", freut sich der Mieter. Tja, die haben Sie ihm ja auch neu eingebaut und bezahlt. Die alte Küche war ja schon ganz schön in die Jahre gekommen.

Steuerlich können Sie die Kosten für die neue Mieterküche natürlich auch geltend machen. Fragt sich nur, wie: Müssen Sie die Einbauküche über die Nutzungsdauer abschreiben? Oder können Sie die gesamte Rechnungssumme sofort von der Steuer absetzen?

Eine Vermieterin ersetzte in drei Wohnungen die vorhandenen, alten Einbauküchen durch neue. Mit dem Finanzamt stritt sie sich über die Frage, ob sie die Küchen über eine Nutzungsdauer von 10 Jahren abschreiben müsse oder ob sie den gesamten Rechnungsbetrag sofort als Erhaltungsaufwand absetzen könne.

Teils sofort absetzbar, teils abschreibbar: FG zerlegte Küche in Einzelteile

Das Finanzgericht Schleswig-Holstein stellte klar: Eine Einbauküche muss nicht als Ganzes steuerlich betrachtet werden. Sie kann durchaus in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt werden, was sich vorteilhaft für Vermieter auswirkt (FG Schleswig-Holstein, Urteil v. 28.1.2015, Az. 2 K 101/13).

Herd und Spüle seien als unselbstständige Gebäudeteile anzusehen, so die Richter. Die Aufwendungen für deren Ersatz sind daher unabhängig von der Höhe der Kosten sofort absetzbar.

Ersatzanschaffungen sind sofort absetzbar

Sofort absetzbar seien als Erhaltungsaufwand auch der Ersatz von sonstigen Geräten und Einbaumöbeln, die vorher schon vorhanden gewesen seien. Auch sie könnten gleich im Jahr der Anschaffung mit ihrem vollen Kaufpreis steuermindernd berücksichtigt werden.

Neue Möbel und Geräte über 410 EUR sind nur abschreibbar

Abzuschreiben seien daher lediglich Einbaumöbel, Arbeitsplatten oder Elektrogeräte, die es vorher noch nicht gab. Sofern ihr Preis über 410 Euro liege, müssten sie über die Nutzungsdauer von 10 Jahren abgeschrieben werden. Sofort absetzbar seien aus dieser Kategorie nur geringwertige Wirtschaftsgüter mit einem Anschaffungspreis von maximal 410 Euro.

Wegen sofortigem Werbungskostenabzug Revision eingelegt

Mit diesem Urteil weicht das Finanzgericht Schleswig-Holstein von der bisherigen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs ab. Der nämlich ließ den sofortigen Werbungskostenabzug nur für Herd und Spüle als Gebäudebestandteile zu. Deswegen hat das zuständige Finanzamt Revision beim BFH eingelegt. Das Verfahren ist unter dem Aktenzeichen „IX R 14/15“ anhängig.

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Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
Judith Engst
Sie modernisieren Ihr Mietshaus oder lassen etwas in Ihrer vermieteten Eigentumswohnung reparieren. Die Kosten können Sie als Werbungskosten von der Steuer absetzen, denn die fallen unter "Erhaltungsaufwand".
Der eine zieht aus, der andere ein. Alles kein Problem, wenn der bisherige Mieter nicht so ungemein geschäftstüchtig wäre: Der will nämlich seine Küche in der Wohnung stehen lassen – und das natürlich nicht umsonst! Sein Problem oder Ihres? Oder etwa das des Nachfolgemieters? Darauf gibt es eine klare Antwort! 
Eine Wand einziehen, einen neuen Teppich verlegen oder Balkonkästen ans Geländer hängen: Willkommen beim Schöner-Wohnen-Programm Ihres Mieters! Doch nicht alle „Verschönerungspläne“ darf Ihr Mieter ungefragt in die Tat umsetzen, sondern er muss Sie zuvor erst mal um Erlaubnis bitten. Das betrifft vor allem größere oder auch von außen sichtbare bauliche Veränderungen.

 meineimmobilie.de-Tipp

Einspruch einlegen und BFH-Urteil abwarten

Wenn Sie die Küche(n) Ihrer Mietobjekte gerade ausgetauscht haben oder dies planen, setzen Sie alle Ersatzmöbel und Ersatz-Elektrogeräte sofort mit dem vollen Preis im Jahr der Anschaffung ab. Das Finanzamt wird dies voraussichtlich ablehnen und eine Abschreibung über die Nutzungsdauer verlangen.

Gegen einen solchen Steuerbescheid können Sie dann Einspruch einlegen und zugleich ein Ruhen des Verfahrens beantragen. Verweisen Sie auf das Aktenzeichen IX R 14/15 der beim BFH anhängigen Revision. Sie profitieren dann automatisch, falls das oberste Finanzgericht Deutschlands zugunsten der Vermieter entscheidet.