Freitag, 09.11.2012 | Autor: Judith Engst , Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2008

Darf das Finanzamt die Steuererklärung vorzeitig verlangen?

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2008
Worum geht´s
  • Steuererklärung
  • Aufforderung zur vorzeitigen Abgabe
  • Voraussetzungen

Normalerweise gilt: Wer einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein beauftragt, darf sich mit der Steuererklärung fürs Vorjahr bis zum Jahresende Zeit lassen. "Was aber, wenn das Finanzamt schon eine frühere Abgabe fordert? Darf es das überhaupt?“, fragte vor kurzem ein Leser.

Der Fall: "Ich habe Post von meinem Finanzamt bekommen", schildert ein Steuerzahler. "Darin werde ich aufgefordert, meine Steuererklärung bereits bis Ende November abzugeben. Ich dachte immer, mit Steuerberater hätte ich bis Ende Dezember Zeit. Ist das rechtens?"

Antwort: Prinzipiell stimmt es zwar - wer die Steuererklärung mithilfe eines Steuerberaters oder Lohnsteuerhilfevereins erstellt, kann sich üblicherweise mit der Abgabe bis Ende des Folgejahres Zeit lassen. Für die Steuererklärung 2011 hätten Sie demnach bis 31. Dezember 2012 Zeit. Und das, ohne extra Verlängerung beantragen zu müssen (das müssen Sie nur ohne diese externe Hilfe.

Trotzdem gibt es Fälle, in denen das Finanzamt diese Verlängerung nicht zulässt und Sie individuell per Post zu einer früheren Abgabe auffordern darf. Das darf es auch, stellt jetzt ein Schreiben der Oberfinanzdirektion Niedersachsen klar (Az.: O 2224–11–Z 113 S 2319–119–St 142).

Allerdings geht dies nur unter bestimmten Voraussetzungen. Nämlich vor allem, wenn

  • Sie die letzte(n) Steuererklärung(en) bereits zu spät abgegeben haben
  • Sie mit einer Steuernachzahlung in Verzug gekommen sind
  • ein Steuerprüfer Ihnen einen erheblichen Mehrgewinn nachweisen konnte oder
  • wenn sich ein eventueller Umsatz aus Gewerbebetrieb oder Freiberuflichkeit gegenüber dem Vorjahr erheblich gesteigert hat und das Finanzamt (etwa durch Umsatzsteuer-Voranmeldungen) davon Wind bekommen hat.

Klar ist aber: Das Finanzamt darf Ihnen keine unangemessen kurze Frist setzen, also die Steuererklärung nicht schon binnen einer Woche verlangen.

Kommentare (0)

Kommentieren, ergänzen Sie jetzt den Artikel oder geben Sie dem Autor Feedback. Einfach anmelden und losschreiben.

 meineimmobilie.de-Tipp

Achtung: Auf keinen Fall sollten Sie die verkürzte Frist einfach stillschweigend ignorieren. Denn das Finanzamt kann Verspätungszuschläge von bis zu 10 Prozent der festgesetzten Steuern verlangen (maximal 25.000 Euro). Dieses Risiko gehen Sie besser nicht ein.

 

Was können Sie in solchen Fällen tun? Am besten halten Sie Rücksprache mit Ihrem Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein. Eventuell lassen sich durch einen Verlängerungsantrag zusätzlich noch ein, zwei Wochen zusätzlich herausschinden. Denn Ihr externer Berater kann ein Argument nutzen, das Ihnen nicht zur Verfügung steht: Dass sich bei ihm aufgrund der vorzeitigen Abgabe zeitliche Engpässe ergeben.