Mittwoch, 16.11.2011 | Autor: Jörg Stroisch

Dachsanierung und Solaranlage: BFH erlaubt anteiligen Vosteuerabzug

Die Dacherneuerung eines Privathauses ist nicht steuerlich absetzbar, schrieb ich Ihnen neulich. Auch dann nicht, wenn auf das betreffende Dach unmittelbar danach eine Photovoltaikanlage gesetzt wird. So hatte das Hessische Finanzgericht entschieden.

Jetzt aber wurde ein ähnlicher Fall beim Bundesfinanzhof entschieden. Das Ergebnis: Anteilig lässt sich die gezahlte Umsatzsteuer sehr wohl geltend machen.

Der Fall: Das Dach einer bereits seit 85 Jahren bestehenden Scheune wurde neu eingedeckt. Auf der Südseite ließ der Eigentümer eine Solaranlage installieren. Die Umsatzsteuer aus der Dachdeckerrechnung machte er als Vorsteuer geltend, sprich, er wollte sie sich vom Finanzamt erstatten lassen. Denn als Betreiber einer Solaranlage war er umsatzsteuerpflichtig und damit zum Vorsteuerabzug berechtigt.

BFH: Gebäudenutzung ist entscheidend

Das Finanzamt wollte ihm aber den Vorsteuerabzug nicht erlauben. Begründung: Das Gebäude sei schließlich privat genutzt, die Erhaltungsaufwendungen (sprich: die Neueindeckung des Dachs) somit nicht unternehmerisch durch den Betrieb der Solaranlage veranlasst.

Das sah der Bundesfinanzhof anders (XI R 21/10). Das neue Dach sei dem gesamten Gebäude zuzurechnen. Somit komme es beim Vorsteuerabzug auf die Verwendung des gesamten Gebäudes an. Die Vorsteuer aus der Dachdeckerrechnung sei somit prozentual nach dem privaten und unternehmerischen Nutzungsanteil aufzuteilen. Die auf den unternehmerischen Nutzungsanteil entfallende Vorsteuer sei abziehbar, so die Richter.

Wie Sie die Nutzungsanteile ermitteln

Wie aber ermitteln Sie den privaten und unternehmerischen Nutzungsanteil eines Gebäudes? Das ist leider nicht ganz einfach: Laut BFH müssen Sie dafür einen Umsatzschlüssel aus fiktiven Mieten zugrundelegen.

Konkret: Bei den unternehmerischen Umsätzen setzen Sie das an, was Sie durch eine Vermietung der Dachfläche an einen fremden Solaranlagen-Betreiber erzielen würden. Sprich: Was würde jemand als Dachmiete zahlen, wenn er Geld mit der Einspeisung von Solarstrom verdient? Das richtet sich nach dem Umsatz, den diese Solaranlage bringt.

Bei den privaten Umsätzen überlegen Sie, welche Miete Sie erzielen könnten, wenn Sie beispielsweise die Scheunenfläche als Garage oder Lager vermieten würden. Wenn Sie dabei von realistischen Mieten ausgehen, kann das Finanzamt den Vorsteuerabzug für den unternehmerischen Teil nicht verweigern.

Achtung: Bei Neubauten kann der Vorsteuerabzug scheitern

Der oben beschriebene Fall wies eine Besonderheit auf: Es handelte sich um Erhaltungsaufwand und nicht um Herstellkosten. Denn es wurde ein vorhandenes Dach neu gedeckt. Etwas anders ist die Lage aber bei Herstellkosten. Also, wenn Sie etwas komplett Neues schaffen, das vorher noch nicht da war. Um Herstellkosten handelt es sich beispielsweise, wenn Sie einen Carport oder Schuppen neu errichten. Auch dazu hat sich der BFH in zwei Urteilen geäußert (XI R 21/10 und XI R 29/09).

In solchen Fällen gilt: Die unternehmerische Nutzung muss bei mehr als 10 Prozent der Gesamtnutzung liegen. Sonst entfällt der Vorsteuerabzug komplett. Liegt sie aber tatsächlich über 10 Prozent, können Sie auch hier die Vorsteuer geltend machen. Und zwar - wie oben - zu dem Anteil, der auf diese unternehmerische Nutzung entfällt.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
Foto: Sebastian Fery / Haufe

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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
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