Donnerstag, 03.11.2011 | Autor: Jörg Stroisch, Foto: © Thomas Francois - Fotolia.com

Dach wegen Solaranlage neu gedeckt? Warum das nicht absetzbar ist

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Worum geht´s

Wann Sie Ihre neuen Dachziegel von der Steuer absetzen können.

Das Finanzamt an den Kosten fürs neue Dach beteiligen - das wollte ein Hausbesitzer aus Hessen. Er ließ sein voll funktionsfähiges Dach neu eindecken. Die Hälfte der Kosten machte er als Betriebsausgaben geltend. Denn erst auf dem neuen Dach durfte er eine Solaranlage montieren.

Als der Fiskus nicht mitspielte, reichte er Klage ein. Lesen Sie hier, wie das Hessische Finanzgericht in diesem Fall urteilte.

Erst mal zum Hintergrund: Es ist gesetzlich verboten, Solaranlagen auf Asbestdächern zu montieren. Also beispielsweise auch auf Dächern, die mit altem Eternit gedeckt sind. Oder mit asbesthaltigen Wellplatten. Das ist einfach zu gefährlich. Asbest schädigt die Lungen massiv und führt oft sogar zu Lungenkrebs.

Ein neues Dach zählt nicht zum Betriebsvermögen

"Also gut!", dachte sich ein Hausbesitzer. "Dann lasse ich mein Asbestdach sanieren. Wenn ich anschließend darauf eine Solaranlage montiere, lässt sich ein Teil der Kosten sicherlich von der Steuer absetzen."

Gesagt getan. Er ließ die asbesthaltigen Wellplatten entfernen. Zur Eindeckung wählte er Spezialziegel, die zur Befestigung einer Solaranlage besonders gut geeignet waren. Die Hälfte der Kosten machte er anschließend in seiner Steuererklärung als Betriebsausgaben im Zusammenhang mit der Solaranlage geltend.

Finanzgericht urteilt: Neues Dach ist nicht absetzbar

15.000 Euro Verlust hätte ihm das neue Dach beschert. Ein Verlust, den das Finanzamt allerdings nicht anerkannte. Als sein Einspruch erfolglos blieb, erhob er Klage vor dem Hessischen Finanzgericht. Das aber gab dem Finanzamt recht.

Die Richter bestätigten: Das Dach gehört nicht (wie die Solaranlage selbst) zum Betriebsvermögen. Sondern es wird dem Privatvermögen zugeordnet. Als Träger der Solaranlage habe es lediglich eine untergeordnete Funktion. Denn eine Solaranlage könne auch an der Hausfassade oder auf dem Boden montiert werden.

Folglich seien die Kosten für das neue Dach nicht von der Steuer absetzbar - auch nicht teilweise. Das Urteil ist rechtskräftig (FG Hessen, Az.: 11 K 2735/08).

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch
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Die Dacherneuerung eines Privathauses ist nicht steuerlich absetzbar, schrieb ich Ihnen neulich. Auch dann nicht, wenn auf das betreffende Dach unmittelbar danach eine Photovoltaikanlage gesetzt wird. So hatte das Hessische Finanzgericht entschieden. Jetzt aber wurde ein ähnlicher Fall beim Bundesfinanzhof entschieden. Das Ergebnis: Anteilig lässt sich die gezahlte Umsatzsteuer sehr wohl geltend machen.
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 meineimmobilie.de-Tipp

Machen Sie die Rechnung nicht ohne den Wirt. Ein neues Dach ist immer eine teure Angelegenheit. Sie sollten in Ihre Kalkulation nicht schon gedanklich eine Steuerersparnis einbeziehen, die später gar nicht eintrifft. Nicht dass Sie später eine böse Überraschung erleben!