Donnerstag, 02.02.2012 | Autor: Jörg Stroisch , Foto: © photogl - Fotolia.com

BFH: Wer sein Arbeitszimmer absetzen darf

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Worum geht´s
  • Häusliches Arbeitszimmer
  • Regeln zur Absetzbarkeit
  • Tipps für Nutzer und Vermieter

Es muss geheizt werden, es braucht Strom. Und es verursacht anteilig auch viele andere Kosten wie Müllgebühren oder Grundsteuer. Die Rede ist vom häuslichen Arbeitszimmer. Trotzdem ist das Finanzamt alles andere als großzügig wenn es um die Anerkennung des Arbeitszimmers geht. Wer darf es absetzen? Zwei jetzt veröffentlichte Urteile des Bundesfinanzhofs bringen Licht ins Dunkel.

Im ersten Fall ging es um einen Hochschullehrer. Er wollte die Kosten für sein Arbeitszimmer zuhause (insgesamt 1.080 Euro) als Werbungskosten von der Steuer absetzen, weil er rund 80 Prozent seiner Arbeitszeit dort verbringe. Das Finanzamt machte ihm einen Strich durch die Rechnung und erlaubte den Werbungskostenabzug nicht.

Im zweiten Fall wollte eine Richterin ihr häusliches Arbeitszimmer steuerlich geltend machen und dafür 1.728 Euro für ein 19 Quadratmeter großes Heimbüro absetzen. Dort sei sie in circa 60 Prozent ihrer Arbeitszeit, gab sie an. Aber auch hier sagte das Finanzamt nein.

Beide Klagen wies der Bundesfinanzhof als unbegründet zurück. Beim Hochschullehrer stellten die Richter fest, das Arbeitszimmer sei nicht, wie er angegeben hatte, Mittelpunkt seiner gesamten beruflichen Tätigkeit. Vielmehr sei es die Hochschule, an der er Vorlesungen halte und Forschung betreibe (27.10.2011, Az.: VI R 71/10).

Auch die Richterin unterlag vor Gericht. Denn auch hier war das häusliche Arbeitszimmer nicht der Mittelpunkt ihrer gesamten beruflichen Tätigkeit. Die bestehe im Wesentlichen aus der Rechtsprechung im Gerichtssaal. Sie hatte zudem im Gerichtsgebäude ein Dienstzimmer, das sie genausogut für ihre Arbeit nutzen konnte (08.12.2011, Az.: VI R 13/11).

Beide Urteile zeigen, worauf es bei der steuerlichen Anerkennung der Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer ankommt:

  • Das Arbeitszimmer muss entweder den Mittelpunkt der gesamten beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit sein. Dann ist es mit allen Kosten voll absetzbar. Gebühren, Versicherungskosten und Grundsteuern werden dann flächenanteilig berücksichtigt. Mittelpunkt ist das Arbeitszimmer laut BFH dann, wenn Sie als Steuerpflichtiger darin diejenigen Handlungen vornehmen und Leistungen erbringen, die für Ihren Beruf wesentlich und prägend sind.
  • Alternativ sind die Kosten absetzbar, wenn kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Dann werden immerhin bis zu 1.250 Euro anerkannt.

Absetzbar sind aber nur Räume, die keine Durchgangsräume und keine gemischt genutzten Räume sind. Ein Schreibtisch im Wohnzimmer erfüllt also nicht die Anforderungen an ein Arbeitszimmer.

 

Kommentare (1)

11.1.2013, 17:18 Uhr von LOWI Profil ansehen
Guten Tag, meine Eigentmswohnung ist ein Loft. Bad, Küche, Schlafzimmer und Wohnraum liegrn im Eingansgeschoß. Über eine offene Treppe gelange ich in die obere Etage, die ausschließlich aus meinem Büro besteht. 2 Seiten des Büros sind lofteigen offen. Streng genommen besteht das Büro nicht aus einem Raum. Die Trennung vom Wohnbereich besteht nur aus der offenen Treppe. Da ich als Außendienstmittarbeiter meiner Firma nur das obere Geschoß als Arbeits-'Fläche' benutze, sind alle Vorraussetzungen für ein separates Arbeitszimmer erfüllt. Wie beurteilen Sie den Fall? Lohnt es sich vor Gericht zu ziehen, da ich mich bisher nicht getraut habe, das ? Arbeitszimmer ? steuerlich geltend zu machen ? mfG Lothar Winkelmann
von Jengst
Zu diesem Spezialfall ist mir keine einschlägige Rechtsprechung bekannt. Ob es sich lohnt, in dieser Sache vor Gericht zu ziehen, sollten Sie mit Ihrem Steuerberater abklären, da wir von der Redaktion von Gesetzes wegen keine individuelle Rechts- und Steuerberatung leisten dürfen.
Dürfen Sie Ihr Vermieter-Büro von der Steuer absetzen? Die Frage, ob und wann Sie ein häusliches Arbeitszimmer anteilig von der Steuer absetzen dürfen, hat den Bundesfinanzhof schon mehrfach beschäftigt. Jetzt hat er die Frage zugunsten des Steuerzahlers bejaht und zwar selbst dann, wenn der Raum nur teilweise für Vermietertätigkeiten genutzt wird.
Wer es schafft, sein Arbeitszimmer vom Finanzamt als „außerhäuslich“ anerkennen zu lassen, hat klare Vorteile. Denn der- oder diejenige kann die Kosten dann voll absetzen. Doch stellt das Finanzamt hier hohe Anforderungen, wie ein aktuelles Urteil des Bundesfinanzhofs zeigt.
Das Arbeitszimmer absetzen - diese Möglichkeit besteht für Selbstständige und Arbeitnehmer, egal ob dieses Arbeitszimmer im eigenen Haus liegt oder angemietet ist. Und das macht sich in aller. Regel in barer Münze bezahlt. Zwangsläufig stellt sich die Frage, die uns neulich auch ein Leser gestellt hat: Sind die Raumkosten für ein Arbeitszimmer auch für Vermieter absetzbar? Hier finden Sie die Antwort.

 meineimmobilie.de-Tipp

Auch wenn die Steuerpflichtigen in beiden Fällen unterlagen, sollten Betroffene nicht aufgeben. Gelingt zumindest der Nachweis, dass am Arbeitsplatz kein geeignetes Arbeitszimmer zur Verfügung steht, dürfen Sie Kosten bis 1.250 Euro absetzen. Davon dürften beispielsweise Lehrer, Außendienstler oder Versicherungsvertreter profitieren.

Absetzbar ist außerdem, was nicht im steuerlichen Sinne Arbeitszimmer ist: Zum Beispiel Praxisräume oder eine Werkstatt im eigenen Haus.

Und absetzbar ist nicht zuletzt ein außerhäusliches Arbeitszimmer, das außerhalb der eigenen Wohnung oder des eigenen Hauses separat angemietet wird. Auf diese Möglichkeit sollten Sie als Vermieter Ihre Mieter hinweisen, wenn diese Schwierigkeiten mit der Anerkennung ihres häuslichen Arbeitszimmers haben. Womöglich haben diese durchaus Interesse daran, einen zusätzlichen Raum bei Ihnen anzumieten. Der aber sollte nicht an die übrigen Wohnräume angrenzen. Idealerweise befindet es sich auf einer anderen Etage oder in einem anderen Gebäude.