Freitag, 04.07.2014 | Autor: Judith Engst, Foto: © Rhombur - Fotolia.com

BFH-Urteil: Wann das Arbeitszimmer (nicht) absetzbar ist

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Worum geht´s

• häusliches Arbeitszimmer
• steuerliche Absetzbarkeit
• Bundesfinanzhof

Arbeitnehmer können ihr häusliches Arbeitszimmer meist nicht von der Steuer absetzen. Es gibt aber Ausnahmen, hat jüngst der Bundesfinanzhof bekräftigt. Zwei Urteile zu Telearbeit und Pool-Arbeitsplätzen schaffen Klarheit.

Normalerweise gilt: Ein häusliches Arbeitszimmer ist nur absetzbar, wenn es den Mittelpunkt der gesamten beruflichen und betrieblichen Tätigkeit bildet. Das ist etwa bei Selbstständigen der Fall. Diese können dann alle Kosten unbeschränkt steuerlich geltend machen.

Absetzbar ist ein häusliches Arbeitszimmer auch, wenn beim Arbeitgeber kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Davon sind manchmal auch Arbeitnehmer betroffen. Sie können die Kosten dann bis maximal 1.250 Euro pro Jahr geltend machen.

Was aber gilt, wenn es beim Arbeitgeber nur Pool-Arbeitsplätze gibt. Also beispielsweise drei Arbeitsplätze für insgesamt sieben Kollegen, die meistens unterwegs sind? Und wie sieht es mit der Absetzbarkeit aus, wenn für einige Tage in der Woche Telearbeit von zu Hause aus vereinbart ist? Dazu hat der Bundesfinanzhof jetzt zwei Urteile gefällt.

Telearbeit an zwei Wochentagen: Arbeitszimmer nicht absetzbar
Ablehnend urteilten die Richter des Sechsten Senats bei einem Arbeitnehmer, der mit seinem Arbeitgeber vereinbart hatte, an zwei Tagen in der Woche von zu Hause aus zu arbeiten. Hier stellten sie fest: Da er seinen betrieblichen Arbeitsplatz jederzeit uneingeschränkt nutzen konnte, war das häusliche Arbeitszimmer, in dem er seinen Telearbeitsplatz eingerichtet hatte, nicht absetzbar (26.02.2014, Az. VI ZR 49/12).

Zu wenig Poolarbeitspläzte? - Arbeitszimmer absetzbar!
Im zweiten Fall ging es um den Großbetriebsprüfer eines Finanzamts. Ihm standen in seiner Dienststelle zusammen mit sieben Kollegen insgesamt drei Arbeitsplätze zur Verfügung. Hier stellte der BFH fest: Das ist zu wenig, um alle Arbeiten im erforderlichen Umfang korrekt zu erledigen. Der Betriebsprüfer war deshalb auf das Arbeitszimmer zu Hause angewiesen - und durfte die Kosten folglich absetzen (26.02.2014, Az. VI ZR 37/13).

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 meineimmobilie.de-Tipp

Was Sie im Zweifelsfall absetzen können

Nur wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen nicht hinreichend Platz bietet, um alle nötigen Arbeiten dort zu erledigen, können Sie ein häusliches Arbeitszimmer absetzen. Aber was genau heißt das?

 

Ganz einfach: Sie setzen die Raumkosten anteilig an. Also alle Kosten, die auf Ihr Haus entfallen. Die teilen Sie gemäß Fläche auf. Bei einem 15-Quadratmeter-Arbeitszimmer in einer 100-Quadratmeter-Wohnung heißt das: 15 Prozent der Kosten (z. B. Miete, Wasser, Strom, Heizung, Müllgebühren) sind steuerlich absetzbar. Allerdings dürfen Sie die Höchstgrenze von 1.250 Euro nicht überschreiten.

 

Die vollen Kosten sind bei häuslichen Arbeitszimmern nur absetzbar, wenn dieses Arbeitszimmer den Mittelpunkt Ihrer gesamten beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit sind.