Donnerstag, 14.06.2012 | Autor: Judith Engst

BFH: Sanierung des Eigenheims ist absetzbar

Worum geht´s
  • Sanierung
  • Selbstgenutztes Wohneigentum
  • Außergewöhnliche Belastung

Stellen Sie sich vor, Ihr Eigenheim ist asbestverseucht. Oder die Balken sind vom Hausschwamm befallen. Oder das Holz ist mit einem gesundheitsschädlichen Mittel imprägniert. Alles Gründe, das Eigenheim sanieren zu lassen. Aber wer trägt die Kosten? Besteht die Möglichkeit, den Fiskus daran zu beteiligen? Dass dies keine vergebliche Hoffnung ist, zeigen drei jetzt veröffentlichte Entscheidungen des Bundesfinanzhofs.

Bei Mietimmobilien ist die Sache klar: Sie können eine Sanierung als Werbungskosten von der Steuer absetzen. Beim Eigenheim sieht die Sache anders aus. Lediglich die Handwerkerkosten sind normalerweise bei Bauarbeiten am Haus absetzbar – und zwar als haushaltsnahe Dienstleistungen. Allerdings zählen hier nur die Arbeits- und nicht die Materialkosten. Dass bei notwendigen Sanierungen jedoch deutlich mehr absetzbar ist, haben drei Kläger vor dem Bundesfinanzhof erstritten.

Fall 1: Formaldehyd, Asbest und Holzschutzmittel - diese gesundheitsschädliche Mischung fand sich in einem Fertighaus, das ein Ehepaar erworben hatte. Die Tochter litt deswegen unter Atembeschwerden. Trotzdem wollte das Finanzamt die Sanierungskosten von über 32.000 Euro nicht anerkennen. Der Bundesfinanzhof jedoch gab dem Ehepaar recht: Das sind außergewöhnliche Belastungen, die abgesetzt werden können (Az.: VI R 21/11).

Fall 2: Bei einem Reihenhaus (Baujahr 1976) wurden die Asbestzement-Wellplatten, mit denen das Dach gedeckt war, durch Ziegel ersetzt. Das war unter anderem nötig, weil die Platten bereits Korrosionsschäden aufwiesen. Das erkannte das Finanzamt ebenfalls nicht als außergewöhnliche Belastung an. Doch der Bundesfinanzhof widersprach und bestätigte die steuerliche Absetzbarkeit (Az.: VI R 47/10).

Fall 3: Eine Frau hatte eine Eigentumswohnung in einem Altbau erworben. Weit nach dem Kauf stellte sich heraus, dass die Balken mit echtem Holzschwamm befallen waren. Und zwar so stark, dass eine Sanierung unumgänglich war. Ihr Anteil an den Kosten: über 10.000 Euro. Die wollte sie steuerlich geltend machen. Geht nicht, sagte das Finanzamt. Geht doch, entschied der Bundesfinanzhof (Az.: VI R 70/10).

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 meineimmobilie.de-Tipp

Nicht alle Eigenheim Sanierungen werden laut BFH als außergewöhnliche Belastung anerkannt. Voraussetzung ist entweder eine (drohende) gesundheitliche Belastung, ein unausweichlicher Gebäudeschaden oder eine unzumutbare Beeinträchtigung (z. B. Geruchsbelästigung). Und Achtung: Sie dürfen den Grund für die Sanierung nicht selbst verschuldet haben und ihn beim Kauf des Gebäudes auch nicht gekannt haben. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, können Sie die Sanierungskosten absetzen. Nur den finanziellen Vorteil, der sich aus der Sanierung ergibt („Aus Alt wird Neu.“), müssen Sie sich dabei anrechnen lassen.