Donnerstag, 26.02.2015 | Autor: Judith Engst, Foto: © livestockimages - Fotolia.com

BFH: Rentner darf Arbeitszimmer im Keller absetzen

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Worum geht´s

• häusliches Arbeitszimmer
• Absetzbarkeit für Rentner/Pensionäre
• Bundesfinanzhof

Wer außer seiner Rente oder Pension noch Einkünfte aus einer anderen Tätigkeit hat, darf auch sein häusliches Arbeitszimmer voll von der Steuer absetzen. Das entschied der Bundesfinanzhof. Sogar wenn das Arbeitszimmer im Keller der eigenen Immobilie liegt.

Im entschiedenen Fall war der Steuerzahler bereits im Ruhestand. Es war aber eher ein "Unruhestand", denn außer seiner Pension arbeitete er noch als selbstständiger Gutachter. Die Gutachten schrieb er in seinem Arbeitszimmer, das er sich im Keller seiner Eigentumswohnung eingerichtet hatte.

Die Kosten für das Arbeitszimmer wollte er von der Steuer absetzen - und zwar voll.

Begrenzung auf 1.250 Euro war nicht rechtens

Das Finanzamt strich ihm die geltend gemachten Kosten fürs Arbeitszimmer zusammen: Es wollte ihm nur Aufwendungen bis zur Höhe von 1.250 Euro anerkennen.

Diese Grenze gilt bei häuslichen Arbeitszimmern, die nicht Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit sind. Das fand der Rentner jedoch als zu wenig, weshalb er vor dem Finanzgericht klagte - mit Erfolg!

Sowohl das Finanzgericht als auch der Bundesfinanzhof urteilten einhellig zugunsten des Rentners: Die Begrenzung auf 1.250 € war nicht rechtens. Der Grund: Der Rentner hatte keinen anderen Arbeitsplatz, um seine Gutachten zu erstellen!

Rentner brauchte Arbeitszimmer für seine Gutachtertätigkeit

Dabei schadete es nichts, dass der Ruheständler auch noch andere Bezüge hatte, nämlich seine Pension. Die hatten schließlich nichts mit der Nutzung des häuslichen Arbeitszimmers zu tun hatte und waren deswegen unerheblich, so der BFH.

Bei der Frage nach der Absetzbarkeit des Arbeitszimmers dürfen nur Einkünfte berücksichtigt werden, denen eine Tätigkeit zugrunde liegt (11.11.2014, Az. VIII R 3/12).

Wie das Finanzamt den Flächenanteil des Arbeitszimmers berechnet

Ein weiterer Streitpunkt wurde ebenfalls zugunsten des Steuerpflichtigen entschieden: Da das Arbeitszimmer im Keller lag, wollte die Vorinstanz beim Berechnen der Wohnfläche die gesamte Kellerfläche berücksichtigen. Für den Flächenanteil, der auf das Arbeitszimmer entfiel, hätte dies bedeutet:

Der wäre bedeutend geringer gewesen, nämlich nur rund 11 Prozent statt 16,5 Prozent. Folglich hätte der Rentner  nur 11 Prozent der Immobilienkosten steuerlich geltend machen können.

"So geht das nicht", urteilte der Bundesfinanzhof. Beim Ermitteln des Flächenanteils dürfen nur die Wohnflächen, nicht die sonstigen Flächen mitgezählt werden.

Das bedeutet, dass sonstige Keller- und Lagerräume im Keller nicht mitzählen. Dagegen zählte das Arbeitszimmer selbstverständlich beim Berechnen der Gesamtwohnfläche mit dazu. Es war nämlich beheizbar, hatte Fenster und war auch vom Standard her eingerichtet wie ein Wohnraum.
 

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Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst
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 meineimmobilie.de-Tipp

Wann Sie Ihr häusliches Arbeitszimmer absetzen können

 

Zu den Einkünften, die eine Tätigkeit voraussetzen, gehört auch die Vermietung und Verpachtung. Das heißt: Auch dafür dürfen Sie das Arbeitszimmer absetzen. Allerdings beschränkt sich die Absetzbarkeit auf den Zeitanteil, den Sie wirklich zur Erledigung von Vermietungs-Angelegenheiten benötigen.

Sie sollten also Ihr häusliches Arbeitszimmer in der Einkommensteuererklärung geltend machen, und zwar als Werbungskosten in der Anlage V (bei Vermietung und Verpachtung). Falls Ihre Tätigkeit einer anderen Einkunftsart dient, dann geben Sie die Kosten in der entsprechenden Anlage Ihrer Steuererklärung an (Anlage N bei nicht-selbstständiger Arbeit, Anlage EÜR bei selbstständiger Arbeit.

Gibt es anderswo (im Betrieb, beim Arbeitgeber etc.) keine Alternative zu Ihrem häuslichen Arbeitszimmer und bildet dieser Raum den Mittelpunkt sämtlicher beruflichen und betrieblichen Arbeiten, dann darf das Finanzamt die Höhe der Kosten auch nicht deckeln.