Freitag, 14.09.2012 | Autor: Judith Engst

BFH: Doppelte Haushaltsführung auch bei WG absetzbar

Worum geht´s
  • doppelte Haushaltsführung
  • Absetzung von Wohn- und Fahrtkosten
  • WG-Zimmer / gemeinsame Wohnung mit der Geliebten
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Wer berufshalber entfernt von Ehefrau und Familie wohnt, wird steuerlich begünstigt. Die Mietkosten für die Zweitwohnung darf er im Rahmen der doppelten Haushaltsführung absetzen. Aber gilt das auch, wenn jemand zur Geliebten zieht? Oder in eine WG? Dazu hat sich der Bundesfinanzhof in einem aktuellen Urteil geäußert.

Hui, hui, dieser Fall hat es in sich: Ein Mann war für zwei bis drei Tage pro Woche in einer weiter entfernten Niederlassung seines Arbeitsgebers tätig. Dort wohnte er mit einer Frau zusammen, die nicht seine Ehefrau war.

In seiner Steuererklärung machte er die Mietkosten als Kosten für doppelte Haushaltsführung geltend. Das aber wollte das Finanzamt nicht anerkennen. Der Zweitwohnsitz sei privat veranlasst - schließlich sei er dort mit seiner Geliebten zusammengezogen. Doppelte Haushaltsführung aus beruflichen Gründen komme daher nicht in Frage.

Dagegen wandte sich der - inzwischen geschiedene - Mann, der später ein arbeitsplatznahes Haus zusammen mit seiner Freundin gebaut hatte. Nach einem erfolglosen Einspruch klagte er zusammen mit seiner Ex-Frau auf steuerliche Anerkennung der Kosten. Vor dem Bundesfinanzhof bekam er recht.

Die private Lebensführung gehe das Finanzamt nichts an, begründeten die Richter ihre Entscheidung. Habe der Einzug in eine Zweitwohnung berufliche Gründe, dann seien die Kosten dafür auch absetzbar. Das gelte auch dann, wenn der Arbeitnehmer seinen zweiten Haushalt am Beschäftigungsort beispielsweise in einer Wohngemeinschaft einrichte. Und zwar unabhängig davon, in welcher Beziehung er zu seiner Mitbewohnerin stehe. Die Gründe, warum sich der Steuerpflichtige für diese Wohnform entscheide, seien schlichtweg nicht von Belang (28.03.2012, Az. VI R 25/11).

Erst wenn die Wohnung am Beschäftigungsort zum Mittelpunkt der Lebensinteressen des Steuerpflichtigen werde, entfalle die berufliche Veranlassung, so der BFH.

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 meineimmobilie.de-Tipp

Wer beruflich bedingt entfernt von Frau und Familie am Arbeitsplatz wohnt, sollte unbedingt doppelte Haushaltsführung in seiner Steuererklärung geltend machen. Denn das bringt eine satte Steuerersparnis.

 

Das ist nach dem oben zitierten Urteil auch dann möglich, wenn die Entscheidung für die Zweitwohnung auch von privaten Überlegungen geleitet wird. Wichtig ist nur, dass eine berufliche Veranlassung besteht, einen zweiten Haushalt zu gründen.

 

Absetzbar sind neben den Mietkosten für die Zweitwohnung auch wöchentliche Heimfahrten, und zwar mit 0,30 Euro pro gefahrenem Kilometer. Und nicht vergessen: Auch Verpflegungsmehraufwendungen für die Zeit in der Zweitwohnung sollten Sie absetzen.

 

Die Tagespauschalen betragen 24 Euro (bei 24-stündiger Abwesenheit), 12 Euro (bei Abwesenheit von 14 Stunden oder länger) und 6 € (bei mindestens 8-stündiger Abwesenheit von zuhause).