Samstag, 31.01.2015 | Autor: Judith Engst, Foto: © Ralf Kalytta - Fotolia.com

BFH: Dichtigkeitsprüfung ist haushaltsnahe Handwerkerleistung

Foto: © Ralf Kalytta - Fotolia.com
Worum geht´s

• haushaltsnahe Handwerkerleistungen
• Dichtigkeitsprüfung durch Handwerker
• steuerliche Absetzbarkeit
• Bundesfinanzhof

Was die Finanzverwaltung verbietet, erlaubt jetzt der Bundesfinanzhof: Sie dürfen die Dichtigkeitsprüfung als haushaltsnahe Handwerkerleistung von der Steuer absetzen. Das geht sogar, wenn kein Abwasserrohr zu reparieren war und der Ausführende kein Handwerksbetrieb ist.

Und wieder einmal hat der Bundesfinanzhof der Finanzverwaltung die rote Karte gezeigt. Dabei ging es um die Frage, ob Sie eine Dichtigkeitsprüfung als steuerbegünstigte haushaltsnahe Handwerkerleistung von der Steuer absetzen dürfen.  

Finanzamt hält Prüfkosten für nicht absetzbare „Gutachterkosten“

Die Finanzämter waren bislang der Meinung gewesen: Die reine Dichtigkeitsprüfung sei eine Gutachtertätigkeit und damit keine Handwerkerleistung. Somit sei sie auch nicht als „haushaltsnah“ begünstigt.

Doch zum Glück leistete der Bundesfinanzhof Schützenhilfe für den klagenden Immobilieneigentümer.

BFH: Prüfkosten sind als „vorbeugende“ Erhaltungsmaßnahme absetzbar

Ob ein Abwasserrohr schadhaft ist und repariert werden muss oder ob es bei der reinen Begutachtung der Abwasserrohre bleibt, ist dem Bundesfinanzhof dagegen egal. So oder so seien die Maßnahmen als haushaltsnahe Handwerkerleistungen von der Steuer absetzbar, bestätigten die Richter (06.11.2014, Az. VI R 1/13).

Auch die Dichtigkeitsprüfung als solche sei eine Maßnahme, die der Instandhaltung diene. Zwar sei sie vorbeugend. Aber das ändere nichts an der Einstufung als haushaltsnahe Handwerkerleistung. Dabei spiele es auch keine Rolle, ob die Prüfung von einem in die Handwerksrolle eingetragenen Betrieb erbracht werde oder nicht.

Was die Finanzämter zum neuen Urteil sagen  

Für die Finanzverwaltung könnte es nach diesem BFH-Urteil zur Absetzbarkeit der Dichtigkeitsprüfung eng werden. Sie hatte nämlich mit einem Schreiben vom 15.02.2010 in Bezug auf Schornsteinfeger-Arbeiten festgelegt: Nur die eigentlichen Fege- und sonstigen Wartungsarbeiten seien als haushaltsnahe Handwerkerleistungen absetzbar, nicht aber gutachterliche Tätigkeiten wie die Feuerstättenschau (BMF, Schreiben vom 10.01.2014, BStBl I 2014, 75, Rdnr. 22).

Noch ist unklar, ob die Finanzämter Ihre Ansicht hierzu angesichts dieser neuen Rechtsprechung aufrecht erhält.
 

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Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
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„Unser Schornsteinfeger kassiert das Geld für seinen Besuch immer gleich in bar ab“, so die Zuschrift eines Lesers. „Ich lasse mir dafür immer eine Quittung geben. Das kann ich doch absetzen, oder?“ Aufgepasst, heißt es hier. Das kommt darauf an, ob Sie Vermieter oder Eigenheimbesitzer sind.
Sie haben den Maler, den Elektriker oder den Fliesenleger im Haus. Hinterher ist zwar alles schöner und besser, aber natürlich bekommen Sie dafür auch eine Rechnung präsentiert. Heften Sie diese Rechnung zu Ihrer Steuererklärung, denn dafür bekommen Sie vom Finanzamt was geschenkt: 20 % des Rechnungsbetrags als Ihr persönliches „Steuerbonbon!“
Weniger Steuern zahlen - davon träumt auch Ihr Mieter. Deswegen sollten Sie in Ihrer Betriebskostenabrechnung bei den Rechnungen, in denen haushaltsnahe Dienstleistungen stecken, diese dem Mieter auch ausweisen. Viel Arbeit ohne Geld? Ja, aber Vermieterpflicht, wenn der Mieter darauf besteht!

 meineimmobilie.de-Tipp

Eigenheimbesitzer: Setzen Sie die gesamte Arbeitsleistung ab
Als privater Immobilieneigentümer können Sie die Dichtigkeitsprüfung damit steuerlich absetzen. Absetzbar sind allerdings nur die reinen Arbeitskosten. Der Gesamtbetrag aller absetzbaren Kosten (auch der anderer Handwerkerleistungen) darf maximal 6.000 Euro pro Jahr betragen. Absetzbar sind 20 Prozent davon, also maximal 1.200 Euro. Diese 20 Prozent werden dann direkt von Ihrer Steuerschuld abgezogen.

 

Vermieter: Setzen Sie die vollen Kosten ab
Ob Gutachtertätigkeit oder Handwerkerleistung ist bei Mietobjekten egal. Absetzbar sind die vollen Kosten. Und zwar im Rahmen des Werbungskostenabzugs (Anlage V). Das heißt: Sie brauchen auch gar nicht weiterzuverfolgen, wie die Finanzverwaltung auf dieses neuerliche BFH-Urteil reagiert. Denn die Kosten für die Dichtigkeitsprüfung mindern Ihre Steuerschuld - und zwar um Ihren persönlichen Einkommensteuersatz.