Samstag, 09.02.2013 | Autor: Judith Engst , Foto: Project Photos GmbH & Co. KG / _

BFH: Anzeigen schalten genügt bei Leerstand nicht

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Worum geht´s
  • Bundesfinanzhof: neue Entscheidung
  • Leerstand
  • Vermietungsabsicht
  • Werbungskosten bei Vermietung und Verpachtung
Stichworte zu diesem Thema

Werbungskosten können Sie als Eigentümer einer leerstehenden Mietimmobilie nur dann absetzen, wenn Sie ernsthaft die Absicht haben, wieder zu vermieten. Dass es zum Nachweis dieser Absicht nicht genügt, Anzeigen zu schalten, beweist ein aktuelles Urteil des Bundesfinanzhofs.

Im entschiedenen Fall ging es um ein Mehrfamilienhaus, dessen Erdgeschosswohnung der Kläger selbst bewohnte. Die Wohnung im Obergeschoss war bis August 1991 an einen fremden Dritten, danach bis 1997 an die Mutter des Eigentümers vermietet gewesen. Seit deren Tod stand die Wohnung leer. Da aber nach ihrem Tod eine Einbauküche installiert worden war, wollte der Eigentümer die Kosten dafür steuerlich absetzen.

Daneben ging es in dem Verfahren zudem um ein Zimmer mit Bad im Dachgeschoss, für das der Eigentümer ebenfalls Werbungskosten geltend machen wollte. Zudem wollte er rund 77 Prozent der Gesamtaufwendungen absetzen, die auf das ganze Haus entfielen.

Das Finanzamt lehnte den Werbungskostenabzug rundweg ab. Aus seiner Sicht bestand keine Vermietungsabsicht. Auch der dagegen gerichtete Einspruch hatte keinen Erfolg, obwohl der Kläger darin geltend machte, alle zwei Monate im regionalen Zeitungsverbund dafür Anzeigen geschaltet zu haben. Die darin angegebene Miete habe er nach dem städtischen Mietspiegel errechnet. Im Laufe der Zeit seien so rund 900 Anzeigen zusammengekommen. Trotzdem habe sich daraufhin kein Mieter gemeldet, der ihm geeignet erschienen sei.

Das Finanzgericht schloss sich der Meinung des Finanzamts an, und so blieb ihm nur der Gang vor den Bundesfinanzhof. Aber auch hier erlitt er eine Niederlage. Die Richter stellten unmissverständlich klar: Wer jahrelang unwirksame Maßnahmen ergreift, um eine Wohnung zu vermieten, der könne nicht ernsthaft eine Vermietungsabsicht haben (11.12.2012, IX R 14/12). Auch den Werbungskostenabzug für das Zimmer im Dachgeschoss verneinten sie, weil der Kläger nach erfolglosen Aushängen in der Nachbarschaft selbst beschlossen (und vor Gericht auch angegeben) hatte, das Zimmer nicht weiter vermieten zu wollen.

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 meineimmobilie.de-Tipp

Jahrelanger Leerstand gefährdet den Werbungskostenabzug akut. Wer nur Anzeigen schaltet und das ohne Erfolg, erleidet beim Finanzamt und vor den Finanzgerichten Schiffbruch, wie dieser Fall zeigt.

 

Handeln Sie daher klug. Wenn eine Maßnahme, um Mieter zu finden, nicht fruchtet, suchen Sie neue Möglichkeiten. Etwa die Einschaltung eines Maklers, die Herabsetzung des Mietpreises oder - so die Richter ausdrücklich im hier zitierten Urteil - das Akzeptieren von Mietern, die vielleicht nicht unbedingt in allen Punkten Ihren Vorstellungen von einer idealen Mietpartei entsprechen.