Freitag, 04.03.2016 | Autor: Judith Engst, Foto: © electra kay-smith - Fotolia.com

Behindertengerechter Umbau: So beteiligen Sie den Fiskus an Ihren Kosten!

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Worum geht´s

• behindertengerechter Umbau
• Werbungskosten
• haushaltsnahe Handwerkerleistungen
• außergewöhnliche Belastungen

Stichworte zu diesem Thema

Eine bodenebene Dusche, ein Treppenlift oder breitere Türen: Ein behindertengerechter (barrierefreier) Umbau im Eigenheim oder im Mietobjekt kann ganz schön ins Geld gehen! 

Falls Sie einen entsprechenden alters- bzw. behindertengerechten Umbau planen, können Sie sich nicht nur auf eine Menge Arbeit und Schmutz einstellen, sondern sich auch über Ihre absetzbaren Kosten beim Finanzamt freuen. 

Wie machen Sie eine Immobilie behindertengerecht? Etwa, indem Sie die Türschwellen entfernen (lassen), damit ein Rollstuhl oder Rollator problemlos von einem Raum in den anderen fahren kann. Oder indem Sie die Duschwanne durch ein schwellenloses Duschelement ersetzen, damit auch eine gehbehinderte Person nicht über einen hohen Rand steigen muss.

Behindertengerechter Umbau: Was Sie von der Steuer absetzen können

Neben einem höheren Toilettensitz und ein unterfahrbares Waschbecken müssen möglicherweise noch zusätzliche Haltegriffe montiert werden. Oft sind es nicht bloß kleine Maßnahmen, die notwendig sind, um Ihre Wohnung behinderten- bzw. altersgerecht umzubauen - und entsprechend teuer sind dann auch Ihre Arbeits- und Materialkosten. Gut zu wissen, dass Sie diese Kosten absetzen können.

Fallen sie in einem Mietobjekt an, vollständig. Fallen sie im Eigenheim an, leider nur eingeschränkt. 

Mietobjekt: Behindertengerechte Umbaukosten sind Werbungskosten

Heben Sie als Vermieter alle Rechnungen vom Umbau auf und machen Sie diese steuerlich geltend. Das betrifft sowohl die Handwerkerrechnungen als auch die Rechnungen über die Materialkosten, falls Sie selbst die Umbauten vorgenommen haben. Das sind Werbungskosten, die Sie in der Anlage V („Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung“) eintragen können.

Aber Achtung: Wenn Sie den Umbau binnen 3 Jahren nach dem Kauf vornehmen, dürfen Ihre Umbaukosten maximal 15 Prozent der Anschaffungskosten betragen, sonst zählen sie als "nachträgliche Anschaffungskosten". Die können Sie dann nur zusammen mit der Immobilie über 50 Jahre abschreiben, nicht aber alles auf einmal absetzen.

Eigenheim: Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen

Im Eigenheim haben Sie zwei Möglichkeiten, die Kosten für einen behindertengerechten Umbau von der Steuer abzusetzen: Entweder, Sie machen die gesamten Kosten als außergewöhnliche Belastungen geltend. Oder Sie setzen einen Teil als haushaltsnahe Handwerkerleistungen ab. Beides hat Vor-, aber auch Nachteile.

Außergewöhnliche Belastung: Nur bei zwingenden Kosten

An die Absetzbarkeit als außergewöhnliche Belastungen stellt der Fiskus hohe Anforderungen. Möglich ist das nur, wenn die Maßnahme zwangsläufig, also unumgänglich ist. 

Das ist etwa der Fall, wenn ein Mitglied Ihres Haushalts schwer gehbehindert ist, und Sie deshalb die Wohnung barrierefrei machen müssen, damit diese Person weiterhin darin leben kann.

Vorteil: Sie können die gesamten Kosten - also auch die Materialkosten - steuerlich absetzen.

Nachteil: Sie müssen hinnehmen, dass das Finanzamt die sogenannte zumutbare Belastung davon abzieht. Das sind, entsprechend Einkommen, Familienstand und Zahl kindergeldberechtigter Kinder, zwischen 1 und 7 Prozent Ihres Einkommens.

Schöner als bisher darf es nicht aus Sicht des Finanzamts werden 

Außerdem schaut das Finanzamt genau hin, ob Sie sich nicht auf Kosten des Staates gleichzeitig mit dem Umbau auch eine deutliche Werterhöhung Ihrer Immobilie genehmigen, sich also im Rahmen der Umbaumaßnahmen eine teurere Ausstattung gönnen als bisher. 

Umbaukosten sind haushaltsnahe Handwerkerleistungen

Leichter haben Sie es, wenn Sie als Selbstnutzer die Kosten als haushaltsnahe Handwerkerleistungen geltend machen.

Vorteil: Das geht immer.

Nachteil: Sie können nur die reinen Arbeitskosten absetzen. Außerdem werden von haushaltsnahen Handwerkerleistungen nur 20 Prozent, maximal aber 1.200 Euro pro Jahr anerkannt, die direkt von Ihrer Steuerschuld abgezogen werden. Ihr persönlicher Steuersatz ist aber meistens höher, nämlich je nach Einkommen bis zu 42 Prozent. Die Ersparnis fällt also vergleichsweise gering aus.
 

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Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
Judith Engst
135.000 Euro gab ein behinderter Mann für den barrierefreien Umbau seiner Wohnung aus. Ausgerechnet in einem Jahr, in dem er nur 43.000 Euro verdient hatte. Steuerlich gesehen also ein Eigentor? Oder kann er die Kosten trotzdem als außergewöhnliche Belastung geltend machen? Das Finanzgericht Saarbrücken hat über diesen heiklen Fall entschieden.
Wohnt in Ihrem Haus ein behindertes Kind oder ein Senior mit Behinderungen? Dann können Sie die Kosten für einen behindertengerechten Umbau auch dann absetzen, wenn Sie die Immobilie nicht vermieten. Das geht aus einer jetzt veröffentlichten Entscheidung des Bundesfinanzhofs hervor. Besonders interessant: Die Kosten sind Sonderausgaben und keine Werbungskosten. Das heißt, sie mindern Ihre Steuerlast auf jeden Fall und das unabhängig von der Einkunftsart.
„Barrierefrei“ heißt aktuell einer der wichtigsten Wohntrends. Die Gesellschaft wird immer älter, und zwangsläufig nehmen auch die Behinderungen zu. Deshalb sind behindertengerechte Wohnungen gefragt - ob als Eigenheim oder Mietwohnung. Fragt sich nur, ob und wie sich ein solcher Umbau steuerlich absetzen lässt.
Im Garten lässt sich viel Geld vergraben. Klar erfreut sich das Gärtnerherz an den blühenden Pflänzlein, die liebevoll im Garten eingegraben wurden - aber das kostet leider auch! Selbstnutzer, die sich den Garten vom Gärtner machen lassen bzw. extra dafür jemanden angestellt haben, der jeden Monat z. B. 10 Stunden den Rasen mäht, die Hecke schneidet oder das Unkraut zupft, können einen Teil der Kosten jetzt steuerlich als haushaltsnahe Dienstleistung absetzen.

 meineimmobilie.de-Tipp

Wann Sie eine außergewöhnliche Belastung haben

In Sachen „außergewöhnliche Belastung“ gibt Ihnen eine Entscheidung des Finanzgerichts Baden-Württemberg Schützenhilfe bei der Geltendmachung der Kosten (FG Baden-Württemberg, 19.03.2014, 1 K 3301/12). Danach sind beim behindertengerechten Umbau eines Bades auch die notwendigen Folgekosten absetzbar: Also nicht nur das neue Duschelement, sondern auch der dadurch notwendige Austausch von Wandfliesen, Armaturen und der Eingangstür.

 

Lassen Sie es also nicht zu, dass das Finanzamt die Maßnahmen „seziert“ und aufteilt in solche, die direkt dem behindertengerechten Umbau dienen, und solche, die es als Folgekosten nicht anerkennen will. Denn absetzbar ist - siehe Urteil - alles, sofern zwangsläufig. Im Urteilsfall ging es übrigens um eine an Multipler Sklerose erkrankte Frau.