Sonntag, 14.04.2013 | Autor: Jörg Stroisch, Foto: © electra kay-smith - Fotolia.com

Behindertengerechter Umbau? Die Kosten können Sie absetzen!

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Worum geht´s

Behindertengerechte Umbauten: Welche Kosten Sie von der Steuer absetzen dürfen.

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Wohnt in Ihrem Haus ein behindertes Kind oder ein Senior mit Behinderungen? Dann können Sie die Kosten für einen behindertengerechten Umbau auch dann absetzen, wenn Sie die Immobilie nicht vermieten. Das geht aus einer jetzt veröffentlichten Entscheidung des Bundesfinanzhofs hervor.

Besonders interessant: Die Kosten sind Sonderausgaben und keine Werbungskosten. Das heißt, sie mindern Ihre Steuerlast auf jeden Fall und das unabhängig von der Einkunftsart.

Was jüngst vor dem Bundesfinanzhof verhandelt wurde, war eine Pleite auf der ganzen Linie! Und zwar nicht für die beiden Steuerzahler, die Klage erhoben hatten, sondern fürs Finanzamt. Es unterlag in letzter Instanz der Klage eines Ehepaares mit einem behinderten Kind.

Der Fall: Das Paar hatte 2005 für 30.000 Euro ein Haus gekauft. 2006 machte es einen Teil der Umbaukosten, nämlich 30.000 Euro, als außergewöhnliche Belastung geltend. 2007 waren es immerhin noch 4.000 Euro, die auf den behindertengerechten Umbau entfielen.

Behindertengerechter Umbau für Kind: Finanzamt unterlag

Das Finanzamt weigerte sich, die Kosten für den behinderten Umbau anzuerkennen. Es argumentierte, das Paar könne den Grund- oder Kinderpauschbetrag sowie den Behinderten- und Pflegepauschbetrag in Anspruch nehmen. Darüber hinaus gebe es keine Möglichkeit, eventuelle Mehrkosten abzusetzen.

Eine außergewöhnliche Belastung komme allenfalls in Betracht, wenn die Behinderung auf einem nicht vorhersehbaren Ereignis beruhe und deshalb ein schnelles Handeln nötig sei, führte das Finanzamt weiter aus. Das wollten die Eltern des behinderten Kindes nicht hinnehmen. Sie zogen vor Gericht. Mit Erfolg!

BFH: Mehrkosten absetzbar ohne Wenn und Aber

Die Argumentation des Finanzamts erklärte der Bundesgerichtshof komplett für nicht stichhaltig (24.02.2011, Az.: VI R 16/10). Die Pauschbeträge für Kinder, Pflegefälle und Behinderte würden die Belastung durch einen solchen Umbau nicht abdecken, so die Richter.

Es sei dabei nicht von Belang, ob nun die Behinderung vorhersehbar gewesen sei oder nicht und ob schnelles Handeln geboten sei. Die Mehrkosten für einen behindertengerechten Umbau sei auf jeden Fall als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzbar.

Außergewöhnliche Belastung: Was genau absetzbar ist

Als Steuerzahler müssen Sie allerdings beachten: Es sind nicht alle Umbaukosten für den Wohnraum absetzbar, den die behinderte Person nutzt.

Absetzbar sind lediglich die Mehrkosten, die durch den behindertengerechten Umbau anfallen. Welcher Anteil der Umbaukosten das ist, muss das Finanzamt notfalls durch ein Sachverständigengutachten prüfen lassen.

Nur die Mehrkosten sind als außergewöhnliche Belastung absetzbar

Dagegen ist nicht von Belang, ob der behindertengerechte Umbau einen Mehrwert schafft und damit die Immobilie bei späteren Verkäufen eventuell wertvoller macht.

Die Richter stellten ausdrücklich klar: Das Argument der Behinderung hat Vorrang. Aspekte der Wertsteigerung sind in solchen Fällen dagegen unerheblich.

 

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch
Baut ein Behinderter seine Wohnung behindertengerecht um, darf er die Kosten meist als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen.  Was aber, wenn er wegen seiner Behinderung ein größeres Grundstück kauft, weil er für die eingeschossige Bauweise eines behindertengerechten Neubaus mehr Wohnfläche braucht.  Ob die Mehrkosten für das größere Grundstück als außergewöhnliche Belastung absetzbar sind, hat der Bundesfinanzhof etwas genauer unter die Lupe genommen.
„Barrierefrei“ heißt aktuell einer der wichtigsten Wohntrends. Die Gesellschaft wird immer älter, und zwangsläufig nehmen auch die Behinderungen zu. Deshalb sind behindertengerechte Wohnungen gefragt - ob als Eigenheim oder Mietwohnung. Fragt sich nur, ob und wie sich ein solcher Umbau steuerlich absetzen lässt.

 meineimmobilie.de-Tipp

Wenn Sie als Selbstnutzer einer Immobilie mit behinderten Menschen zusammenleben, nutzen Sie die Möglichkeit, den Staat an den Umbaukosten für eine behindertengerechte Nutzung zu beteiligen!