Freitag, 07.08.2015 | Autor: Judith Engst, Foto: Agentur: MEV

Bauabzugsteuer: Nicht darüber ärgern, sondern sie ganz legal umgehen

Foto: Agentur: MEV
Worum geht´s

• Bauabzugsteuer
• Bauleistungen
• Pflichten des Auftraggebers

Wer als Vermieter oder Eigenheimbesitzer Baufirmen für Arbeiten an Haus und Garten beauftragt, sollte die Regeln zur Bauabzugsteuer kennen. Denn sonst droht eine teure Steuerfalle. Was es damit auf sich hat und wie Sie Steuerfallen von vornherein vermeiden, lesen Sie hier.

Aufgepasst, wenn Sie Bauleistungen in Auftrag geben. Also beispielsweise Maler-, Maurer- oder Bodenlegerarbeiten, den Einbau von Fenstern und Türen oder Elektroinstallationen. Denn hier spielt das Finanzamt verkehrte Welt. Es verlangt nämlich von Ihnen als Auftraggeber, einen Teil der Umsatzsteuer aus dieser Leistung direkt an den Fiskus abzuführen. Die Handwerkerrechnung können Sie dann um den betreffenden Betrag kürzen.

Enormer Aufwand für Auftraggeber und Auftragnehmer

Dieses unglaubliche Bürokratiemonster namens Bauabzugsteuer wurde im Jahr 2002 eingeführt, und es besteht bis heute. Das ausdrückliche Ziel war, die Schwarzarbeit am Bau einzudämmen und die Bauunternehmen zur (Umsatz-)Steuerehrlichkeit zu zwingen.

Gemäß dieser Regelung (§ 13b Umsatzsteuergesetz) müssen Sie als Auftraggeber einen Teil der Mehrwertsteuer aus der Baurechnung einbehalten und selbst ans Finanzamt abführen - anstatt des leistenden Unternehmens. Konkret sind es 15 Prozent des Nettobetrags, die Sie beim Finanzamt anmelden und an dieses abführen müssen. Und zwar an das Finanzamt, das für das betreffende Bauunternehmen zuständig ist. Wer das nicht tut, haftet für die Umsatzsteuer aus der jeweiligen Rechnung, wenn das beauftragte Unternehmen sie dem Finanzamt je schuldig bleiben sollte.

Sie merken selbst: Steuerbetrag ausrechnen, Steuer anmelden, Steuer abführen: Das ist für Sie als Auftraggeber mit recht viel Mehrarbeit verbunden. Und dem Auftragnehmer ergeht es nicht viel besser. Muss er doch die Differenz aus Umsatzsteuer (19 Prozent) und Bauabzugsteuer (15 Prozent) gesondert in seinen Umsatzsteuer-Voranmeldungen berücksichtigen. Nicht gerade anwenderfreundlich, diese Regelung!

Bürokratieabbau bleibt ein Lippenbekenntnis

So lautstark sich die Politiker aller Couleur im (Vor-)Wahlkampf für Bürokratieabbau aussprechen, so sehr üben sie sich in vornehmer Zurückhaltung, wenn es darum geht, eine wirklich umständliche Steuerregel wieder aus dem Alltag unbescholtener Bürger zu entfernen. Mit einer Abschaffung des Bausteuerabzugs ist nicht zu rechnen. Und so gibt es nur eine gesetzeskonforme Möglichkeit, dieses Bürokratiemonster mit einigermaßen vertretbarem Aufwand im Zaum zu halten. Und diese Möglichkeit heißt "Freistellungsbescheinigung" - dazu gleich mehr in unserem Tipp.

Kommentare (1)

7.10.2015, 14:17 Uhr von bocat Profil ansehen
Jetzt bin ich doch etwas verunsichert - auch in diesem Beitrag wird die Bauabzugssteuer nach ESt-Recht wieder zu Bauleistungen nach USt-Recht. Vielleicht sollte an dieser Stelle einfach mal ein Beitrag kommen, der diese beiden Rechtgsgebiete entknüllt ... ? Wäre super - danke!
Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
Judith Engst
Unternehmerisch tätige Auftraggeber von Bauleistungen sind verpflichtet, 15 Prozent des Rechnungsbetrages als Bauabzugsteuer einzubehalten und an das Finanzamt abzuführen. Private Bauherren betrifft das gelegentlich auch.

 meineimmobilie.de-Tipp

Wählen Sie Ihre Bauunternehmer sorgfältig aus

 

Sobald Sie sich Angebote über bestimmte Arbeiten einholen, fragen Sie die potenziellen Auftragnehmer nach einer Freistellungsbescheinigung gemäß § 13b UStG. Betriebe, die beim Finanzamt als zuverlässig und steuerehrlich eingestuft sind, können diese üblicherweise vorweisen. Indem Sie diese beauftragen, ersparen Sie sich eine Menge Aufwand und entgehen möglichem Ärger.

 

Denn bei diesen Betrieben dürfen Sie die Rechnungssumme inklusive Umsatzsteuer, also brutto - so wie ausgewiesen - an das Unternehmen überweisen. Sie brauchen keine Bauabzugsteuer abzuziehen und gesondert ans Finanzamt überweisen. Auch die zugehörige Anmeldung entfällt.

 

Fazit: Die Bauabzugsteuer verursacht zwar bei der Auftragsvergabe einen gewissen Mehraufwand. Aber durch diesen Trick sind Sie vor den schlimmsten Tücken dieser Gesetzesregelung geschützt!