Sonntag, 04.10.2015 | Autor: Judith Engst, Foto: Judith Engst / meineimmobilie.de / Judith Engst /meineimmobilie.de

Bauabzugsteuer: Jetzt auch für Photovoltaik-Arbeiten vorgeschrieben

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Worum geht´s

• Bauabzugsteuer
• Photovoltaikanlage
• Freistellungsbescheinigung

Bei Arbeiten am Bau oder Haus gilt die Bauabzugsteuer, wenn Sie als Auftraggeber Unternehmer sind. Aber damit nicht genug. Neuerdings gelten auch Arbeiten an einer Photovoltaikanlage als Bauleistungen. Mit weitreichenden Folgen.

Die Bauabzugsteuer ist ein bürokratisches Ärgernis für Immobilieneigentümer, die als Unternehmer eingestuft sind. Denn diese müssen bei Bauleistungen 15 Prozent der Rechnungssumme einbehalten und ans Finanzamt abführen (§ 48 Abs. 1 Satz 1 EStG).

 

Diese Pflicht entfällt nur dann, wenn der beauftragte Betrieb eine so genannte Freistellungsbescheinigung vorlegen kann (§ 48 b EStG) oder wenn im laufenden Kalenderjahr die Freigrenze von 5.000 Euro nicht überschritten wird (§ 48 Abs. 2 Satz 1 EStG). Bei steuerfreien Vermietungen und Verpachtungen sind es 15.000 Euro.

 

Photovoltaikanlage gilt jetzt als Bauwerk

Bisher waren Arbeiten an einer Photovoltaikanlage nicht von der Bauabzugsteuer betroffen. Das hat sich jetzt aber geändert. Auch die Herstellung, Instandsetzung, Instandhaltung, Änderung oder Beseitigung solcher Anlagen unterliegt jetzt dieser Vorschrift. Denn - so die neue Rechtsauffassung des Bundes und der Länder - auch die Photovoltaikanlage gilt jetzt als „Bauwerk“, obwohl sie in der Regel eine Betriebsvorrichtung ist. Das geht aus einer Verfügung des bayerischen Landesamtes für Steuern hervor (16.09.2015, Az. S 2272.1.1 ‑ 3/8 St32).

 

Falle für Immobilieneigentümer

Für Vermieter und sonstige Immobilieneigentümer kann das zur Falle werden. Nämlich dann, wenn der leistende Unternehmer seine Steuern nicht ordnungsgemäß ans Finanzamt abführt. Dann schuldet der Auftraggeber besagte 15 Prozent der Rechnungssumme direkt dem Finanzamt - auch dann, wenn er die Rechnung des beauftragten Betriebs in voller Höhe bezahlt hat.

Ein weiteres Problem kommt hinzu: Durch diese Einstufung von Photovoltaikanlagen sind plötzlich auch private Vermieter und immobilieneigentümer mit dem Problem der Bauabzugsteuer konfrontiert. Denn durch die Anlage werden sie zum Unternehmer. Sonst könnten sie die Vorsteuer nicht für die Installation, Wartung und Reparatur der Anlage in Anspruch nehmen, und ohne diese steuerlichen Vorteile würde sich das Ganze nicht rentieren.

 

Kommentare (1)

7.10.2015, 14:11 Uhr von bocat Profil ansehen
Ich will ja nicht meckern ... aber wird hier nicht ESt und USt etwas durcheinander gebracht? Die an das FA zu zahlenden 15 % bei fehlender Freistellungsbescheinigung sollen doch eigentlich Ertragsteuerausfälle = Einkommensteuern minimieren. Sie werden dem Bauunternehmer später auch wie Vorauszahlungen auf seine Ertragssteuer angerechnet. Die Umsatzsteuer ist dann das zweite zu beachtende i-Tüpflelchen mit noch ausgefeilteren Regelungen.
Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
Judith Engst
Wer als Vermieter oder Eigenheimbesitzer Baufirmen für Arbeiten an Haus und Garten beauftragt, sollte die Regeln zur Bauabzugsteuer kennen. Denn sonst droht eine teure Steuerfalle. Was es damit auf sich hat und wie Sie Steuerfallen von vornherein vermeiden, lesen Sie hier.

 meineimmobilie.de-Tipp

Bestehen Sie auf einer Freistellungsbescheinigung 

 

Es gibt nur ein Entrinnen, wenn Sie für die Photovoltaikanlage im Kalenderjahr nicht mehr als 5.000 bzw. 15.000 Euro ausgeben (Bagatellgrenze). Oder wenn Sie sich vom beauftragten Unternehmen eine Freistellungsbescheinigung (nach § 48b EStG) vorlegen lassen.

 

Die beweist: Das Unternehmen gilt im Hinblick auf seine Steuerpflichten beim Finanzamt als zuverlässig. Damit entfällt für Sie als Auftraggeber die lästige Pflicht, die Bauabzugsteuer beim Finanzamt anzumelden und abzuführen.