Freitag, 12.07.2013 | Autor: Judith Engst , Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2008

Arbeitszimmer: 20 Meter entfernt kann trotzdem „häuslich“ sein

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2008
Worum geht´s
  • Arbeitszimmer
  • Einstufung als häuslich oder außerhäuslich
  • Dachgeschoss über einer Garage
  • Entfernung zum Wohnhaus

Wer es schafft, sein Arbeitszimmer vom Finanzamt als „außerhäuslich“ anerkennen zu lassen, hat klare Vorteile. Denn der- oder diejenige kann die Kosten dann voll absetzen. Doch stellt das Finanzamt hier hohe Anforderungen, wie ein aktuelles Urteil des Bundesfinanzhofs zeigt.

Im entschiedenen Fall wollte der Kläger die Kosten für sein Arbeitszimmer absetzen. Es befand sich nicht innerhalb der eigenen Wohnung und ebenso wenig in unmittelbarer Nachbarschaft dazu. Vielmehr lag es im Dachgeschoss oberhalb einer Garage, die 20 Meter vom Wohnhaus entfernt war.

„Ganz klar ein außerhäusliches Arbeitszimmer“, dachte er sich, und machte deshalb die vollen Kosten geltend. Das aber wollte das Finanzamt nicht anerkennen. Der Grund: Die Garage lag auf demselben Grundstück wie das Wohnhaus. Daher stufte das Finanzamt das Arbeitszimmer als häuslich ein mit der Folge, dass er bestenfalls den Höchstbetrag von 1.250 Euro pro Jahr als Kosten für dieses Arbeitszimmer geltend machen durfte.

Seine Klage gegen die Ablehnung des Finanzamts scheiterte in letzter Instanz vor dem Bundesfinanzhof. Die Richter stellten klar: Bei der Beurteilung, ob häuslich oder nicht, kommt es auf den Einzelfall an. Liegt zwischen Arbeitszimmer und Privatwohnung ein Stück „öffentlicher Verkehrsraum“, den auch andere Personen außerhalb der Familiensphäre nutzen, ist es ein außerhäusliches Arbeitszimmer.

Hier aber lag die Garage im Garten, der für die Öffentlichkeit nicht zugänglich war. Damit war für die Richter der Fall klar: Haus, Garten und Garage gehören zur häuslichen Wohnsphäre – und das Arbeitszimmer über der Garage damit ebenso (BFH, 23.05.2013, Az. VIII B 153/12).

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Es macht steuerlich einen großen Unterschied, ob ein Arbeitszimmer als häuslich oder als außerhäuslich eingestuft wird. Beim außerhäuslichen Arbeitszimmer sind die Kosten voll absetzbar, beim häuslichen oft nur beschränkt. Aber liegt ein außerhäusliches Arbeitszimmer vor, wenn Privatwohnung und Arbeitszimmer sich in einem Gebäude befinden? Dazu hat sich jüngst der Bundesfinanzhof geäußert.
Es muss geheizt werden, es braucht Strom. Und es verursacht anteilig auch viele andere Kosten wie Müllgebühren oder Grundsteuer. Die Rede ist vom häuslichen Arbeitszimmer. Trotzdem ist das Finanzamt alles andere als großzügig wenn es um die Anerkennung des Arbeitszimmers geht. Wer darf es absetzen? Zwei jetzt veröffentlichte Urteile des Bundesfinanzhofs bringen Licht ins Dunkel.

 meineimmobilie.de-Tipp

Die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer können Sie nur dann absetzen, wenn bei Ihrem Arbeitgeber kein anderer Arbeitsplatz für Ihre Schreibtischarbeiten zur Verfügung steht. Dann sind die Kosten bis zur Höchstgrenze von 1.250 Euro absetzbar.

 

Diese Höchstgrenze entfällt, wenn das häusliche Arbeitszimmer der Mittelpunkt Ihrer gesamten beruflichen und betrieblichen Betätigung ist. Ebenfalls unbeschränkt absetzbar sind die Kosten, wenn das Finanzamt ein Arbeitszimmer als außerhäuslich einstuft.

 

Trotz des hier zitierten Urteils ist auch das möglich, selbst wenn das Arbeitszimmer im gleichen Haus liegt. Nämlich dann, wenn noch eine dritte Mietpartei eine weitere Wohnung im gleichen Gebäude hat und Flur oder Treppenaufgang gemeinsam mit Ihnen nutzt. In solchen Fällen können Sie steuerlich problemlos die vollen Kosten absetzen.