Freitag, 11.07.2014 | Autor: Judith Engst , Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2008

Arbeitsplatz nicht nutzbar? Dann setzen Sie das häusliche Arbeitszimmer ab!

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2008
Worum geht´s

• häusliches Arbeitszimmer
• steuerliche Absetzbarkeit
• Bundesfinanzhof

Stellt der eigene Arbeitgeber einen Arbeitsplatz zur Verfügung, heißt das: Ein häusliches Arbeitszimmer bei sich zu Hause können Sie nicht absetzen. Was aber, wenn der Arbeitsplatz sanierungsbedürftig und gesundheitsgefährdend ist? Dazu hat sich jetzt der Bundesfinanzhof geäußert.

Im entschiedenen Fall ging es um einen Pfarrer. Der wohnte im oberen Geschoss des örtlichen Pfarrhauses. Im unteren dagegen sollte er arbeiten, wie sein Arbeitgeber es vorsah. Ein Arbeitszimmer war dort extra von seinem Arbeitgeber für ihn reserviert worden.

Das Problem war nur: Dieser Raum strotzte nur so vor Baumängeln. Die anderen Räume im Untergeschoss wurden anderweitig genutzt - auch dort konnte er sich keine Arbeitsecke einrichten.

Arbeitszimmer absetzbar? - Finanzamt sagt nein
Also half der Pfarrer sich selbst und richtete ein Zimmer in seiner Dachgeschosswohnung als Arbeitszimmer ein. Sein Versuch, dieses als „häusliches Arbeitszimmer“ von der Steuer abzusetzen, scheiterte aber. Denn: Das Finanzamt verwies auf den Raum im Untergeschoss, den die Kirche als sein Arbeitgeber ihm zur Verfügung gestellt hatte.

Weil dieser Raum zur Verfügung stand, sei das häusliche Arbeitszimmer im Obergeschoss nicht absetzbar. Als der Einspruch des Pfarrers erfolglos blieb, erhob er Klage.

BFH urteilt anders
Das Finanzgericht hatte die Klage noch abgewiesen mit Verweis auf die anderen Zimmer im Erdgeschoss des Pfarrhauses. Vor dem Bundesfinanzhof bekam der Pfarrer jedoch in letzter Instanz doch noch Recht (26.02.2014, Az. VI R 11/12).

Die Richter stellten klar: Zwar ist bei der Nutzung eines Büros das Direktionsrecht des Arbeitgebers zu beachten. Dieser bestimmt also, wo der Arbeitsplatz einzurichten ist. Besteht im betreffenden Raum aber wegen Sanierungsbedarfs Gefahr für die Gesundheit des Arbeitnehmers (hier: des Pfarrers), dann darf ein häusliches Arbeitszimmer genutzt werden und ist steuerlich auch absetzbar.

Der Fall wurde nun ans Finanzgericht zurückverwiesen. Geklärt werden muss nun, ob das Arbeitszimmer im Erdgeschoss tatsächlich nicht nutzbar war.

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 meineimmobilie.de-Tipp

Im Zweifelsfall  das häusliche Arbeitszimmer absetzen

Sie sehen: Das theoretische Vorhandensein eines Arbeitsortes beim Arbeitgeber reicht nicht. Dieser Arbeitsort muss Ihnen als Arbeitnehmer auch faktisch zur Verfügung stehen.

 

Letzte Woche haben Sie bereits gelesen, dass das bei Pool-Arbeitsplätzen nicht der Fall ist, bei denen sich zehn Außendienst-Mitarbeiter drei Schreibtischplätze teilen.

 

Und aufgrund des hier zitierten Urteils wissen Sie: Auch wenn das vom Arbeitgeber eingerichtete „Arbeitszimmer“ eine Bruchbude ist und sich deshalb gar nicht zum Arbeiten eignet, muss das Finanzamt Ihr häusliches Arbeitszimmer anerkennen.

 

Nutzen Sie dieses Urteil. Argumentieren Sie entsprechend gegenüber dem Finanzamt, wenn es die Anerkennung ablehnt. Legen Sie dann Widerspruch ein, verweisen Sie auf dieses BFH-Urteil und legen Sie dar, warum der Arbeitsplatz, den der Arbeitgeber Ihnen zugewiesen hat, sich nicht zum Arbeiten eignet. Dann sollte das Finanzamt ein Einsehen haben.