Freitag, 03.07.2015 | Autor: Judith Engst, Foto: © photogl - Fotolia.com

AirBnB: Finanzamt schaut bei privater Kurzzeit-Vermietung hin

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Worum geht´s

• Kurzzeit-Vermietung
• AirBnB, 9flats und wimdu
• Internet-Vermittlung
• Steuerhinterziehung

Die eigene Wohnung schnell mal an Gäste vermieten, wenn man selbst im Urlaub oder auf Dienstreise ist: Welch eine tolle Möglichkeit, zusätzliches Geld zu verdienen. Auch für Vermieter ist das verlockend: eine leerstehende Wohnung spärlich möblieren und sie zeitweise vermieten, bis wieder ein langfristiger Mietvertrag zustande kommt. Doch Achtung: Die Einnahmen sind steuerpflichtig. Und das Finanzamt schaut bei Internet-Portalen wie AirBnB genau hin.

Dank Internet ist heute alles möglich. Auch eine Kurzzeit-Vermietung an Gäste, denen ein Hotel zu teuer ist. Online-Plattformen wie AirBnB, 9flats und wimdu machen’s möglich. Doch Achtung: Die Einkünfte, die Sie dadurch erzielen, müssen Sie versteuern. Und das vergessen viele.

Anlage V gilt auch bei Kurzzeit-Vermietungen

Gewinne aus Vermietung und Verpachtung müssen Sie in der Steuererklärung angeben. Ihre Einkünfte sollten Sie also stets korrekt in der Anlage V deklarieren. Denn  das Finanzamt prüft von Zeit zu Zeit, wer häufiger auf den einschlägigen Vermittlungs-Plattformen im Internet Zimmer oder Wohnungen für Gäste anbietet.

Wer auffällt und seine Einkünfte nicht ordnungsgemäß deklariert hat, bekommt womöglich Probleme: Denn schnell steht der Vorwurf der Steuerhinterziehung im Raum. Und diesen auszuräumen, fällt gar nicht so leicht. Für Eigenheim-Vermieter gelten aber Erleichterungen.

Freigrenze von 520 Euro nutzen

Angenommen, Sie vermieten jedes Jahr in der Feriensaison Ihre eigene Wohnung über AirBnB. Heißt das, Sie sind automatisch steuerpflichtig? Nein. Denn für Eigenheim-Nutzer, die ihre eigenen vier Wände vermieten, gilt eine Freigrenze von 520 Euro pro Jahr. Das heißt: Das Geld, das Sie nur für die zwei- bis dreiwöchige Ferienvermietung ihres Eigenheims einstreichen, können Sie meist unbesehen behalten.

Wichtig ist aber, dass die Einnahmen diese Freigrenze nicht überschreiten - auch nicht um nur einen Euro. Denn sonst sind die gesamten Mieteinnahmen steuerpflichtig. Für Vermieter - also bei nicht selbstgenutzten Wohnungen - gilt diese Freigrenze allerdings nicht. Sie müssen Ihre Einkünfte in der Steuererklärung vom ersten Euro an dem Finanzamt melden.

Kommentare (1)

8.7.2015, 13:20 Uhr von FrankUlonska Profil ansehen
Aus steuerlicher Sicht recht eindeutig. Aber was ist mit dem Baurecht und der Gewerbeordnung bei dann ggf. gewerblicher Zimmervermietung/ Beherbergung?
Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
Judith Engst
Egal, ob der Mieter nur ein Zimmer in seiner Wohnung untervermietet oder ob er für eine Weile ins Ausland geht und die Wohnung komplett untervermietet: Er muss den Vermieter um Zustimmung bitten.   Kommt er dem nicht nach, darf der Vermieter ihn abmahnen und ihm dann die Kündigung schicken.
Ein Student reist für ein paar Monate nach England, derweil bezahlt die neue Untermieterin nicht. Ein Beispiel für die Tücken mit der Untermiete beschreibt meineimmobilie-Chefredakteur Jörg Stroisch in seiner Kolumne.    

 meineimmobilie.de-Tipp

Einnahmen sind mit Kosten verrechenbar

 

Auch wenn das Kurzzeit-Vermietern meist nicht bewusst ist: Sie haben auch Kosten. Und diese lassen sich sehr wohl mit den Gewinnen verrechnen.

 

Konkret: Als Mieter machen Sie beispielsweise die Miete für den Zeitraum, in dem Ihre Wohnung untervermietet ist, als Werbungskosten in der Anlage V geltend, selbstverständlich inklusive der Nebenkosten. Wichtig: Diese Kosten dürfen Sie nur veranschlagen, wenn Sie die Freigrenze nicht in Anspruch nehmen. Die Einkünfte mit den Kosten verrechnen, um unter die Freigrenze zu kommen, das geht nicht. Oder anders gesagt: Bei der Freigrenze zählt der Erlös (Gesamteinnahmen) und nicht der Gewinn (Einnahmen minus Kosten). Das regelt die Einkommensteuer-Richtlinie (R 21.2 Abs. 1 EStR 2008).

 

Gleichwohl gilt natürlich: Wenn Sie sich über die Untervermietung nur Ihre Miete wieder hereinholen und nichts verdienen, dann zahlen Sie auch keine Steuern. Denn unterm Strich bleibt dann eine schwarze Null. Selbst wenn ihr Gewinn geringfügig darüber liegt: Die ganz große Steuerbelastung erwartet Sie wegen der Verrechnung mit der zeitanteiligen Miete nicht.

 

Auch als klassischer Vermieter können Sie die üblichen Werbungskosten geltend machen. Und das sollten Sie auch tun. Generell gilt: Die Kosten werden berücksichtigt, wenn Ihre Gewinnerzielungsabsicht unzweifelhaft ist. Sollten Sie Verluste machen und sollte keine Gewinnerzielungsabsicht bestehen, haben Sie immerhin einen Trost: Sie müssen auf die reinen Einkünfte (Einnahmen ohne Kostenabzug) auch keine Steuern zahlen.