Donnerstag, 17.03.2011 | Autor: Jörg Stroisch

Klug verschenkt und dabei Steuern gespart: So geht's

Worum geht´s

Vorzeitig verschenken statt vererben: Welche Steuervorteile das hat.

Immobilien unterliegen der Schenkungssteuer, wenn sie verschenkt werden. Nicht aber, wenn ein Ehemann sein Familienheim an seine Frau verschenkt oder umgekehrt. Dann kann die Schenkung komplett steuerfrei sein - und das unabhängig vom Wert der Immobilie.

Lesen Sie im Folgenden, welche Voraussetzungen für die Steuerfreiheit erfüllt sein müssen.

Immobilienschenkungen bleiben steuerfrei. Das gilt allerdings nur für Schenkungen unter Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartnern. Hier ist es möglich, eine Immobilie an den anderen zu übertragen, ohne das der Staat die Hand aufhält und - wie sonst - Schenkungssteuer verlangt. Möglich macht das eine Regelung im Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz (Paragraf 13 Abs 1. Nr 4a ErbStG).

Voraussetzung: Es handelt sich um das Familienheim

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit die Immobilienschenkung steuerfrei bleibt. Erstens: Es muss sich um das Familienheim handeln, also um einen selbstständiger Haushalt, der den Mittelpunkt des familiären Lebens bildet (Paragraf 181 Abs. 9 Bewertungsgesetz). Alternativ bleibt es genauso steuerfrei, wenn der Ehemann seiner Ehefrau das Immobiliendarlehen fürs Familienheim tilgt oder umgekehrt. Auch ein Verschenken von Miteigentum am Familienheim bleibt steuerfrei.

Zweitens: Die Immobilie muss in Deutschland oder einem anderen EU-Land stehen. Auslandsimmobilien in Nicht-EU-Ländern können nicht steuerfrei verschenkt werden.

Drittens: Es muss sich um eine Schenkung unter Lebenden handeln. Wird die Immobilie dagegen nach dem Tod des Ehemannes an die Ehefrau vererbt oder umgekehrt, fällt womöglich Erbschaftssteuer an. Zumindest dann, wenn die Immobilie nicht weiterhin volle 10 Jahre weiter selbstgenutzt wird.

Fazit: Besser verschenken als vererben

Das ist das Interessante an dieser Regelung: Verschenken können Sie das Familienheim steuerfrei, und das unabhängig davon, was die Immobilie wert ist und wie lange die Immobilie tatsächlich das Familienheim bleibt.

Beim Vererben dagegen, greifen plötzlich strengere Regeln: Der Ehepartner und Erbe muss die Immobilie dann für mindestens 10 Jahre selbst nutzen.

Tut er das nicht, wird die Immobilie womöglich steuerpflichtig. Konkret: Dann wird der Wert der Immobilie ermittelt und mit dem Wert des restlichen Erbes zusammengezählt. Liegt die Summe über dem Ehegatten-Freibetrag von 500.000 Euro, wird alles, was den Freibetrag übersteigt, mit Erbschaftssteuer belegt.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch
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