Mittwoch, 13.02.2008 | Autor: Jörg Stroisch

Immobilien-AG (REIT) als Investment noch umstritten

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Topstory Ziemlich viel Getöse gab es bei der Einführung der Immobilien-AG (REIT) in Deutschland, die Privatanlegern den börsennotierten Aktienkauf von Immobilien ermöglichen soll. Auch im Zuge der Immobilienkrise ist dem Ernüchterung gewichen. Gerade einmal zwei Gesellschaften wagten bisher den Börsengang.

REIT - Abkürzung für "Real Estate Investment Trust" - sind in Deutschland seit Mitte 2007 erlaubt, durften rückwirkend zum 1. Januar 2007 platziert werden. Nachdem sich zunächst Euphorie in der Branche breit machte, wagten bisher nur die alstria Office REIT-AG und die Fair Value REIT-AG den Schritt an die Frankfurter Börse, werden dort im eigens eingerichteten RX REIT Index gelistet.

Profitieren der REIT von Steuervorteilen

Insgesamt erscheint der REIT als ein attraktives Investment. Die Immobilien-AG profitiert vor allem von Steuervorteilen, denn sie muss keine Körperschafts- und Gewerbesteuer bezahlen. Im Gegenzug ist sie dazu verpflichtet, mindestens 90 Prozent ihres Gewinns an ihre Aktionäre als Dividende auszuschütten. Der Anleger muss dann diesen Gewinn voll versteuern.

Deutsche REIT müssen 75 Prozent ihres Anlagevermögens in Immobilien investieren, wobei vor Ende 2006 erbaute Wohnimmobilien nicht aufgekauft werden dürfen. Sie unterliegen den Bilanzierungsvorschriften des Handelsgesetzbuches und stehen durch ihre Börsennotierung einer starken Kontrolle des Kapitalmarktes, was die Transparenz erhöht.

Im Gegensatz zu offenen Immobilienfonds können REIT sehr renditeorientiert sein, was aber auch zu einem deutlich höheren Risiko führt. Im Zuge der US-Immobilienkrise erleben hier Anleger aktuell eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

Marktprognosen für REIT zurück geschraubt

Generell entwickelt sich der Markt nicht so positiv, wie ursprünglich erwartet. Die Prognosen für REIT wurden deutlich zurück geschraubt: Die HSH Nordbank reduzierte sie bereits im Juni 2007 von 30 bis 60 Milliarden Euro (Stand: Ende 2005) auf dann 15 bis 30 Milliarden Euro bis 2010. Neben dem Ausschluss von Wohnimmobilien spielten dabei auch die zahlreichen gesetzlichen Restriktionen des G-REIT - "German"-REIT - eine wesentliche Rolle.

"Die Einschränkung der Flexibilität von Immobilienunternehmen, die für einen Wechsel in den REIT-Status in Frage kämen, dürfte die mögliche Börsenkapitalisierung der G-REITs mindern", sagte Peter Rieck, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der HSH Nordbank in einer Pressemitteilung.

REIT als Auffangbecken für Schrottimmobilien

Und auch so hagelt es Kritik: Unter der Überschrift "Comeback der Schrottimmobilien" stellt das Manager Magazin der Fair Value REIT-AG ein vernichtendes Zeugnis aus.

Denn: Hier würden geschlossene Immobilienfonds der IC Immobilien Gruppe gebündelt. Das Manager Magazin recherchierte, dass die gebeutelten Anleger - etwa 3000 - dieser geschlossenen Immobilienfonds in Extremfällen nur knapp drei beziehungsweise 8,75 Prozent ihres eingezahlten Kapitals durch die Umwandlung erhielten.

Auch der kapital markt-intern kritisierte bereits vor Monaten ein ähnliches Anliegen der DCM AG aus München, der Anlegern von zehn geschlossenen Immobilienfonds die Umwandlung ihrer Anteil in Aktien einer neu zu gründenden Prime Office AG anbot. Der Report bemängelte eine "enge Verquickung" zwischen der DCM AG und der neuen Prime Office AG.

Beiden Gesellschaften würden zugleich als Doppel-Vorstände sowohl Claus Hermuth und Heinz-Theo Tetsch vorstehen. Außerdem sollten zwei Immobilien mit einem Verkehrswert von rund 210 Millionen Euro aus dem Eigenbestand in den REIT eingebracht werden. "Die beiden Deinböck-Immobilien weisen den zur Zeit niedrigsten Vermietungsstand aller für den REIT vorgesehenen Objekte auf", kritisierte kapital markt-intern.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
Foto: Sebastian Fery / Haufe

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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch

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REITs als Fortsetzung der Horrorgeschichte von den (ostdeutschen) Schrottimmobilien? Das sind keine Investments, die Sie als Anleger auf die Schnelle begehen sollten, zumal die Immobilienkrise drückt. Beachten Sie, dass auch gute REITs keine konservative, sondern eine risikoorientierte Anlageform darstellen. Sie können sich als Beimischung für Ihr Portefolio eignen, allerdings sollten Sie abwarten, bis mehr Angebote am Markt vorhanden sind und diese auch unabhängig - beispielsweise von der Zeitschrift Finanztest der Stiftung Warentest - auf Herz und Nieren getestet wurden.