Montag, 03.01.2011 | Autor: Eike Schulze/Anette Stein/Katja Fleschuetz/mb

Vorsicht vor unseriösen Finanz- und Versicherungsvermittlern

Stichworte zu diesem Thema
In allen Bereichen, wo Verträge von Banken, Bausparkassen, Versicherungen und Fondsgesellschaften vermittelt werden, besteht eine gewisse Gefahr, dubiosen Finanzvermittlern auf den Leim zu gehen. Denn von den hohen Summen der Verträge profitieren auch die Finanzvermittler.

Der Gesetzgeber hat dieses Problem inzwischen erkannt und teilweise entschärft: Zum 22. Mai 2007 ist die EU-Vermittlerrichtlinie mit ihren Durchführungsbestimmungen auch in Deutschland in Kraft getreten.

Von nun an müssen sich alle Versicherungs- und Finanzvermittler bei der IHK registrieren lassen, sie müssen ihre Sachkunde nachweisen und einer umfassenden Dokumentationspflicht im Rahmen ihrer Beratung nachkommen.

Berufshaftpflicht für Vermittler

Außerdem sind Vermittler verpflichtet, eine Berufshaftpflicht abzuschließen, die bei Falschberatung eintritt. Bei Versicherungsmitarbeitern kann die Berufshaftpflicht auch vom Unternehmen übernommen werden.

Provisionsorientierte Vermittler-Verträge

Auf dem Finanzierungsmarkt tummeln sich viele Anbieter. Darunter nicht wenige unseriöse, die zwar scheinbar neutral die günstigsten Finanzierungen oder Versicherungen für ihre Kunden beschaffen, aber tatsächlich Provisionen von Kreditinstituten kassieren.

Das führt leider in vielen Fällen dazu, dass Vermittler provisionsorientierte Abschlüsse tätigen und deswegen eher auf ihre Einkünfte als auf die Vorteile für den Kunden achten.

Ungeschützte Bezeichnungen für Vermittler

Deshalb versprechen auch allzu blumige Firmennamen nicht unbedingt die besten Finanzlösungen. Die Begriffe "Finanzvermittler", "Versicherungsvertreter", "Finanzsachverständiger" und "Versicherungsmakler" sind derzeit gesetzlich nicht geschützt. Praktisch jeder kann sich so nennen.

Lediglich der Versicherungsberater braucht für seinen Namen eine gerichtliche Zulassung und der CFP Certificed Financial Planner einen entsprechenden Berufsabschluss.

Bei Versicherungsgesellschaften ist inzwischen der Versicherungsfachmann als berufsbegleitende Ausbildung obligatorisch oder verschiedene IHK-Abschlüsse. Seriöse Finanzvertriebe erwarten von ihren Mitarbeitern zum Teil noch weitergehende Abschlüsse.

Auf Angebote achten

Nach den neuen Richtlinien ist der Finanzvermittler verpflichtet, eine genügende Anzahl von Angeboten vorzulegen, aus denen ausgewählt werden kann. Er ist außerdem dazu verpflichtet, die Angebote ausführlich zu erläutern.

Der Einfirmenvertreter

All diesen Vermittlern ist gemein, dass sie ihre Verträge provisionsabhängig im Auftrag von Finanzdienstleistern vermitteln. Der Einfirmenvertreter ist grundsätzlich für eine Gesellschaft tätig. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um den Versicherungsvertreter oder Bankmitarbeiter handelt.

Da häufig einzelne Anbieter miteinander kooperieren, kann auch ein Einfirmenvertreter durchaus für mehrere Unternehmen tätig sein. Vor der Beratung muss der Vermittler jedoch Interessenten darauf hinweisen, dass er nur für ein Unternehmen tätig ist.

Der Mehrfachagent

Der Mehrfachagent ist für verschiedene Unternehmen tätig und verkauft zum Beispiel das Hypothekendarlehen des Anbieters A, die Bauspartarife des Anbieters B und die Versicherungen des Anbieters C.

Weil der Mehrfachagent verschiedene Anbieter vertritt, suggeriert er gerne, dass er unabhängig ist und im Sinne des Kunden die besten Angebote ausfiltern kann. Dabei ist er ebenso wie der Einfirmenvertreter für Gesellschaften tätig.

Auch der Mehrfachagent muss darauf hinweisen, dass er nur ein eingeschränktes Angebot im Portfolio hat, was aber im Einzelfall nicht ausschließt, dass dieser Vermittlertypus nicht auch gute Angebote für seine Kunden bereithält.

Echte Finanz- oder Versicherungsmakler

Beim Finanz- oder Versicherungsmakler ist schon eine größere Unabhängigkeit von den Finanzdienstleistern gegeben. In der Regel wird der Makler damit beauftragt, für den Kunden das günstigste Angebot zu ermitteln und zu vermitteln.

Dabei ist ein echter Makler treuhänderisch im Alleinauftrag des Kunden tätig. Er bezieht allerdings den Hauptteil seiner Einkünfte über die Vermittlung der Verträge und teilweise Gebühren aus der Verwaltung und Bearbeitung der Verträge. Manchmal muss der Kunde zusätzlich noch ein Honorar für umfangreiche Versicherungsanalysen zahlen, die die Grundlage der Beratung bilden.

Strukturvertriebe und Vertriebsorganisationen

Eine Sonderform des Vertriebes von Versicherungen und Finanzdienstleistungen stellen die Strukturvertriebe oder Vertriebsorganisationen dar.

Eigentlich handelt es sich hierbei um eine Gruppe von Finanzvertretern, die stark hierarchisch gegliedert sind. Die Mitarbeiter können dabei sowohl selbstständig als auch angestellt sein.

Festgelegte Provisionen

Ob ein Strukturvertrieb eher einem Einfirmenvertreter oder Mehrfachagenten entspricht, hängt stark von der Eigentümerstruktur ab. Manchmal ist auch ein Versicherungskonzern oder eine Bank Inhaber einer Vertriebsorganisation.

Häufig handelt es sich aber auch um freie Vertriebe, die mit mehreren Versicherern und Finanzdienstleistern kooperieren und so eine gewisse Unabhängigkeit von den Konzernen haben.

Allerdings liegt hier der Teufel im Detail. Da die Mitarbeiter nach festgelegten Provisionsregeln arbeiten, bevorzugen sie häufig bestimmte Produkte, um so einen höheren internen Wert zu erzielen und über diesen Weg schnell in der Hierarchie aufzusteigen.

Finanz- und Versicherungsberater

Die Bezeichnung "Berater" im Zusammenhang mit Versicherungen und Finanzen ist rechtlich geschützt. Grundsätzlich sind Finanzberater rechtlich unabhängig.

Sie bekommen ihr Geld nicht durch die Vermittlung von Verträgen, sondern aus der Weitergabe von Informationen über verschiedene Verträge und eine dahingehende ausführliche Beratung. Das Honorar orientiert sich an der Rechtsanwaltsvergütungsordnung (RVG).

Honorare für Versicherungs- und Finanzerater

Die Honorare können steuerlich geltend gemacht werden. Die Entscheidung liegt ausschließlich beim Kunden, der sich in eigener Initiative an den Anbieter seiner Wahl wenden muss.

Sollte im Einzelfall der Berater auch der Vermittler des Vertrages sein, so wird in der Regel das Honorar den Provisionen gegenübergestellt und eventuell sogar der überschüssige Teil an den Kunden ausbezahlt.

Echte Berater sind Honorar-Versicherungs- und Finanzberater, gerichtlich zugelassene Rechtsbeistände für Versicherungs- und Finanzberatung, Mitarbeiter von Verbraucherzentralen und im Einzelfall auch Rechtsanwälte.

Certified Financial Planner (CFP)

Der Financial Planner ist eine noch relativ junge Bezeichnung für eine neuen Vermittlertypus. Knapp tausend CFP gibt es inzwischen in Deutschland, gut 90.000 weltweit. Diese Vermittler sind sowohl in Banken, bei Vermögensberatungen als auch bei Versicherungsmaklern anzutreffen.

Zum CFP wird geadelt, wer einen entsprechend lizenzierten Studiengang absolviert hat. Die ethischen und fachlichen Ansprüche an den Berater sind sehr hoch.

Dabei ist der CFP nicht nur Partner für Finanz- und Versicherungsfragen, sondern allgemein für den Vermögensaufbau. Grundlage der Beratung sind die Grundsätze der ordnungsgemäßen Finanzplanung. Diese gehen - zum Teil - deutlich über die Anforderungen der EU-Vermittlerrichtlinie hinaus.

Kommentare (0)

Kommentieren, ergänzen Sie jetzt den Artikel oder geben Sie dem Autor Feedback. Einfach anmelden und losschreiben.

Es schreibt für Sie

Katja Fleschütz ist Rechtsanwältin, Fachanwältin für Steuerrecht und als Unternehmensberaterin tätig.
Katja Fleschuetz

 meineimmobilie.de-Tipp


Weitere Informationen über CFP erhalten Sie beim Financial Planning Standards Board Deutschland e.V.. Hier erfahren Sie auch, ob es einen zertifizierten Berater in Ihrer Nähe gibt.