Montag, 20.02.2017 | Autor: Jörg Stroisch, Foto: © Eisenhans - Fotolia.com

Test: Baukreditberatung oft ziemlich schlecht

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"Wie finanziere ich am besten meine Immobilie?", diese Frage stellen sich viele Bau- und Kaufwillige und verlassen sich dabei auf den Rat von Banken und Kreditvermittlern. Deswegen hat die Stiftung Warentest jetzt die Beratung für eine Baufinanzierung unter die Lupe genommen.

 

Die Bilanz ist ernüchternd: Bei vielen der 21 getesteten Banken und Kreditvermittlern stellte sie erhebliche Mängel fest – und das bei einem ziemlich einfachen Testfall.

Mal klaffte im Finanzierungs­plan eine Lücke von vielen tausend Euro, mal waren die Kreditraten für den Kunden viel zu hoch. Im Angebot fehlten oft wichtige Informationen über die Rest­schuld oder Möglichkeiten zur Sondertilgung. Und einige Kredite waren einfach viel zu teuer, berichtet Finanztest in ihrer März-Ausgabe und in einer Pressemitteilung.

Was Sie zur Finanzierungsberatung mitnehmen sollten

Der Testfall war nicht schwer: Ein Ehepaar wollte eine Eigentumswohnung kaufen, die je nach örtlichen Marktverhältnissen 250.000 bis 425.000 Euro kosten sollte. Die Eheleute verfügten über ein solides Eigenkapital und konnten sich mit ihrem Einkommen eine Tilgung in Höhe von mindestens 3 Prozent leisten.

Zu dem Beratungsgespräch brachten sie ein Exposé ihrer Wunschimmobilie mit sowie eine Auflistung ihres Vermögens und ihrer laufenden Einnahmen und Ausgaben.

Immobilienfinanzierung: Bankberater patzten mit schweren Fehlern

Vielen Beratern half das leider nicht – sie pfuschten schon beim Fundament der Finanzierung“, stellt Heinz Landwehr, Chefredakteur „Finanztest“, auf der Pressekonferenz zum Test fest. Dennoch patzten viele Bank­berater gleich mehr­fach.

So empfahl ein Mitarbeiter der Sparda West eine Kreditsumme, die fast 33.000 Euro höher war als der Kreditbedarf des Kunden. Die monatliche Kreditrate war zu hoch und die Kredit­kombination passte nicht zusammen.

Die Bilanz der insgesamt 143 Test­gespräche in jeweils sechs bis sieben Filialen von Banken und Kredit­vermitt­lern ist ernüchternd: Die meisten Banken kamen über ein Befriedigend oder Ausreichend nicht hinaus. Zwei Banken erhielten sogar ein Mangelhaft. Nur fünf Baufinanzierer über­zeugten mit durch­dachten Finanzierungs­konzepten, nied­rigen Zinsen und meist über­sicht­lichen Kredit­informationen.

Video zum Test auf Youtube:

Wären die Kunden ihren Empfehlungen gefolgt, hätten sie viel Geld in den Sand gesetzt“, konstatiert Landwehr. In der Pressekonferenz präzisiert er in seiner Rede auch die Ergebnisse: Neben dem Testsieger, der Frankfurter Volksbank, erreichten die Frankfurter Sparkasse, die Vermittler Dr. Klein und Interhyp sowie die Stadtsparkasse München ein „Gut“.

Das Gros der Anbieter erreichte jedoch nur „befriedigend“ oder „ausreichend“. Die Berater der Sparda West und der Sparkasse KölnBonn machten so schwere Fehler, dass beide Institute die Note „Mangelhaft“ erhielten.

Bankkredit: Viele überregionale Anbieter kassierten schlechte Noten

Bemerkenswert ist, dass von den überregionalen Baugeldanbietern nur Dr. Klein und Interhyp eine gute Note erreichten“, beschreibt Landwehr weiter. „Die Allianz, die Deutsche Bank und die Hypovereinsbank erwiesen sich als nur befriedigend und gehören damit zum Mittelmaß. Die Commerzbank und Postbank erhielten sogar nur ein „Ausreichend“. Beide schrammten knapp an einem „Mangelhaft“ vorbei.“

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch
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Nur wer schon vorab gut informiert ist, erhält auch eine gute Baufinanzierung: Diese Erkenntnis ist schon ziemlich alt und wird durch den Test erneut bestätigt. Informieren Sie sich deshalb unbedingt bei unabhängigen Stellen – zum Beispiel bei den Verbraucherzentralen -, wie Sie Ihre Baufinanzierung gestalten sollten. Und gehen Sie äußerst gut informiert in die Gespräche mit den Banken.