Montag, 05.06.2017 | Autor: Jörg Stroisch, Foto: © fuxart - Fotolia.com

Kredit-Test: Bereitstellungszinsen oft teurer als Darlehenszinsen

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  • Bankfinanzierung
  • Bereitstellungszinsen
  • Karenzmonate
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Wenn Sie einen Baukredit aufnehmen, dauert es oft etwas, bis Sie das Geld benötigen. Gerade, wenn sich der Baubeginn verzögert oder die ersten "dicken" Rechnungen auf sich warten lassen.

 

Die Banken berechnen Ihnen für diese Zeit Bereitstellungszinsen – und einige schröpfen dabei kräftig ihre Kunden, wie die Zeitschrift Finanztest der Stiftung Warentest herausfand.

Für das Bereitstellen eines Darlehens kassierten Banken oft einen Zinssatz, der mehr als doppelt so hoch ist wie für das Darlehen selbst, kritisiert die Zeitschrift Finanztest in einer Pressemitteilung.

Fast alle verlangten so drei Prozent im Jahr auf den noch nicht abgerufenen Darlehensteil. Große Unterschiede gäbe es aber bei der Anzahl der Freimonate, in der das Bereitstellen noch kostenlos ist.

Bereitstellungszinsen: Gerade Hausbauer trifft es teuer

Wer ein Haus baut, muss oft doppelt zahlen, kritisieren die Verbraucherschützer: Für den bereits ausgezahlten Kreditbetrag verlangt die Bank die normalen Vertragszinsen. Zusätzlich kassiert sie Bereitstellungszinsen auf den Kreditanteil, den der Kunde bei Teilzahlungen während der Bauzeit noch nicht abgerufen hat.

Und bei deren Höhe sind sich die Banken einig: etwa drei Prozent verlangen sie als Bereitstellungszinsen.

Schon seit Anfang der Neunzigerjahre gelte dieser, bemängelt Finanztest – damals lagen die Zinsen für ein Baudarlehen jedoch noch bei fast 10 Prozent.

Vorsicht: Banken verlangen 3 Prozent an Bereitstellungszinsen 

Nur wenige Banken hätten ihre Bereitstellungszinsen der Zinsentwicklung angepasst, so dass sie heute oft mehr als doppelt so hoch seien wie die gesunkenen Darlehenszinsen. Beispiel: Die ING-Diba habe den Zinssatz bereits Anfang des Jahres 2015 auf 1,80 Prozent gesenkt. Bei den meisten Banken sei er aber mit drei Prozent nach wie vor genauso hoch wie vor über 25 Jahren.

Unterschiede gibt´s bei der Zahl der Karenzmonate

Wer als Bauherr hohe Bereitstellungszinsen vermeiden will, sollte deshalb einen Blick auf die Karenzmonate werfen, für die diese dann nicht anfallen.

Viele Banken berechnen die Bereitstellungszinsen bereits ab dem dritten oder vierten Monat nach Kreditzusage, so Finanztest. Andere räumen sechs oder neun Karenzmonate ein. Und mitunter bleibt der Kunde ein ganzes Jahr von Zusatzzinsen verschont.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch
Viele Banken bieten derzeit zur Immobilienfinanzierung ein Schnelltilgerdarlehen an. "Klingt gut", werden Sie sich jetzt vielleicht sagen. Das ist es auch, denn für ein solches Darlehen gewähren die Banken einen Zinsrabatt bis zu einem halben Prozentpunkt. Also ein ganz enormer Zinsunterschied zum Standardkredit.  
Die wenigsten können Ihre Immobilie mal eben so aus der Portokasse finanzieren. Viel üblicher ist das Annuitätendarlehen – im Volksmund auch Hypothekendarlehen genannt. Das gilt als Standardform der Immobilienfinanzierung.  Es ermöglicht eine Finanzierung zu Marktzinsen. Allerdings hat man da die Qual der Wahl unter allen Darlehensanbietern.
Die in Deutschland häufigste Kreditform beim Immobilienkauf oder -bau ist das Hypothekendarlehen. Hier werden in gleichbleibenden Raten die Schulden bei der Bank zurückgezahlt. Aber neben dem Hypothekendarlehen gibt es noch weitere Formen wie etwa das Bauspardarlehen oder das Versicherungsdarlehen. Praxisnahe Texte helfen Ihnen hier beim Vergleich.

 meineimmobilie.de-Tipp

Ein Hausbau dauert so lange, wie eine Schwangerschaft, ist eine alte Faustformel. Deshalb sollten Sie darauf achten, dass die Karenzmonate für die Bereitstellungszinsen mindestens neun Monate, besser noch zwölf Monate betragen – oder aber die sonst entstehenden Zusatzkosten gleich bei der Gesamtkreditkalkulation berücksichtigen.