Montag, 06.04.2009 | Autor: Jörg Stroisch

Immobilien in der Rezession

Die Finanzkrise wappert weiter übers Land, und zieht immer mehr auch die eigene Immobilie mit in den Abgrund. Oder ist das doch alles Schwarzmalerei? Eine Kolumne von Jörg Stroisch.

Vor allem die Boni der Bankenvorstände stehen nun kräftig in der Kritik. Insgesamt sind die Überraschungen ein wenig abgeklungen. Doch die Finanzkrise und vor allem die sich anschließende Rezession zeigt auch und gerade für Immobilienbesitzer ihre Wirkung.

Zwar ist der Immobilienbestand in Deutschland recht sicher. Anders als die spanischen oder US-Immobilien, die allenfalls als Investment für extrem risikofreudige Anleger dienen - aber natürlich dennoch von einigen unseriösen Anbietern wieder als tolle Anlage verkauft werden - sind deutsche Immobilien nicht auf Sand gebaut. Aber die Rezession zeigt ihre Zähne.

Gerade Immobilien in volatilen Lagen spüren den Druck auf die Mietmargen: In Zeiten der Rezession und mit Angst vor dem Arbeitsplatzverlust mag niemand so recht das Wagnis eines Umzugs eingehen. Und schon stehen selbst in hochklassigen Wohngegenden wie Köln die Ladenlokale in Randlagen leer oder werden Viertel wie die äußeren Ränder von Ehrenfeld in einem Sog von Sexkinos oder Ramschläden mit in die Miettiefe gezogen.

Noch schlimmer trifft es notorisch angebotsorientierte Lagen wie etwa Berlin oder das Ruhrgebiet. Rezessionen sind nie gut für den Miet- und auch nie gut für den Kaufmarkt.

Wenn dann zusätzlich selbst hochgradig staatlich gestützte Banken an ihrem Geld kleben, Kredite am liebsten gar nicht mehr vergeben, dann verflacht die Wirtschaftslaune zusätzlich, greift die Rezession auch im Immobilienmarkt um sich. Nur, wer eh schon viel Geld im Portemonnaie hat, darf auch auf die Gunst seiner Bank hoffen. Da suggerieren historisch niedrige Kreditzinsen den idealen Einstiegspunkt für den Immobilienkauf. Und am Ende scheitert es dann am nötigen Eigenkapital.

Wobei ich persönlich sowieso der Meinung bin, dass eine Hundertprozentfinanzierung nur etwas für Immobilienhasadeure ist, und somit eine solche Gegenbewegung vielleicht auch den einen oder anderen privaten Immobilienbesitzer mit seiner rosaroten Vermieter- oder Inhaberbrille auf den Sockel der Realität zurückverfrachtet und vielleicht so vor finanziellem Dauerschaden bewahrt.

Ein Horrorszenario oder schon Realität? Schwarzmalerei oder pragmatisch? Glauben Sie an die innewohnende Vernunft von Immobilienbesitzern oder denken Sie eher, dass da der eine oder andere schon immer zu sehr mit der rosaroten Brille auf das Statussymbol Eigenheim und Vermietobjekt schielt?

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Kommentare (1)

8.4.2009, 20:25 Uhr von Matulla Profil ansehen
In der Rezession werden sich Immobilien längerfristig als wertbeständig erweisen, weil sie in der zu erwartenden Inflation wertstabil sein werden.