Montag, 09.07.2012 | Autor: Heidi Hecht, Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2008

EZB: Mit Leitzinssenkung gegen die Krise

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2008
Worum geht´s
  • Leitzinsen von 1,0 auf 0,75 Prozent gesenkt
  • Kritik an Leitzinssenkung

Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte vergangene Woche den Leitzins von 1,0 auf ein historisches Tief von 0,75 Prozent. Das Ziel, durch die Senkung der Zinsen die Konjunktur zu beleben, sehen Experten und Verbände kritisch.

Viele Volkswirte hatten es schon erwartet: Im Kampf gegen die Ausbreitung der Rezession reduzierte die Europäische Zentralbank (EZB) letzte Woche den Leitzins um 0,25 Punkte auf den neuen Rekordstand von 0,75 Prozent. Dies geht aus einer aktuellen Pressemitteilung der EZB hervor. Außerdem fiel der Einlagensatz um 0,25 Punkte auf null Prozent und der Zinssatz, den die Banken für sehr kurzfristige Ausleihungen von einem Tag zahlen müssen, um ebenfalls 0,25 Punkte auf 1,50 Prozent. Experten und Verbände sehen diese Maßnahmen kritisch.

Kritik an der Leitzinssenkung der EZB

„Die heutige Leitzinsentscheidung der Europäischen Zentralbank verschafft den EU-Krisenstaaten zwar Luft, um überfällige Reformen umzusetzen und die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Volkswirtschaften zu verbessern. Diese Atempause hat aber nur kurzfristige Wirkungen und ist zudem teuer erkauft. Während die Märkte durch die Herabsenkung des Leitzinses zusätzliche Liquidität erhalten, werden Spareinlagen bei Banken aufgrund des niedrigen Zinsniveaus zunehmend unattraktiver. Die Vermögensentwertung zulasten der Sparkunden, ebenso wie der Trend zur Flucht in Sachwerte, werden damit nochmals beschleunigt“, kritisiert Dr. Hans Reckers, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands, VÖB, die Entscheidung der EZB. Kritisch sei zudem, dass die EZB ihren geldpolitischen Handlungsspielraum für den Fall einer weiteren Zuspitzung der Krise durch die heutige Zinsentscheidung weiter eingeschränkt habe.

Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, kann die Zinssenkung der EZB angesichts der wirtschaftlichen Schwäche im Euro-Raum und des nachlassenden Preisauftriebs grundsätzlich nachvollziehen, doch die unmittelbaren Probleme im Zusammenhang mit der europäischen Staatsschuldenkrise lassen sich seiner Meinung nach nicht lösen. Die EZB könne durch die Zinssenkung lediglich Zeit kaufen. Kemmer mahnt, dass die Politik des Zeitkaufens auch Nebenwirkungen habe und sich nicht unbegrenzt fortsetzen lasse. "Das außergewöhnlich niedrige Zinsniveau und die sehr reichliche Liquiditätsversorgung können die Sanierungsbemühungen angeschlagener Banken verzögern und zu verzerrten Risikoeinschätzungen der Investoren führen. Damit steigen die gesamtwirtschaftlichen Risiken, je länger diese Politik anhält. Es bleibt dabei, für die Lösung der Staatsschuldenkrise gibt es keine homöopathische Medizin. Sie lässt sich nur durch überzeugende politische Weichenstellungen und tief greifende Reformen überwinden."

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