Donnerstag, 29.01.2015 | Autor: Dr. Otto Bretzinger, Foto: © ponsulak - Fotolia.com

Bausparvertrag: Wie Bausparen funktioniert

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Worum geht´s

Ansparphase, Auszahlphase, Darlehen: Wie Bausparen funktioniert. 

Allein 30 Millionen Bausparverträge gab es 2013 in Deutschland. Vielleicht haben auch Sie noch einen in der Schublade liegen und fragen sich, was Sie eigentlich damit anfangen sollen.

Vielleicht spielen Sie aber auch mit dem Gedanken, einen abzuschließen, weil doch fast jeder einen hat und er damit quasi als das neue Topinvestment gilt. Von wegen! Finanzexperten der Verbraucherzentralen sehen das nämlich etwas anders.

 

Bausparen gliedert sich in zwei Phasen: in eine Anspar- und eine Darlehensphase. In der Ansparphase wird das Bausparguthaben aufgebaut. Im Regelfall müssen Sie, je nach Tarif, erst einmal 40 und 50 Prozent der Bausparsumme ansparen, damit Sie hinterher als fleißiger Bausparer von Ihrer Bausparkasse den Rest der Bausparsumme als Darlehen ausbezahlt bekommen.

Wenn die tarifliche Mindestansparzeit und eine ausreichende Bewertungszahl erreicht wurden, ist Ihr Bausparvertrag zuteilungsreif (Darlehensphase).

In der Regel sparen Sie die Hälfte der Bausparsumme als Guthaben an und erhalten dafür garantierte Guthabenzinsen. Die Differenzsumme zwischen dem angesparten Guthaben und der Vertragssumme, die Sie für Ihren Hausbau brauchen, können Sie als Bauspardarlehen zu einem zuvor fest vereinbarten Zins in Anspruch nehmen. 

Der Nachteil: Geringe Zinsen plus hohe Nebenkosten

Auf was Sie unbedingt achten sollten: Während der Ansparphase erhalten Sie als Bausparer nur sehr geringe Zinsen auf Ihr Guthaben, die – außer in extremen Niedrigzinsphasen – deutlich unter den Sätzen liegen, die Sie durch eine andere Geldanlage erzielen würden.

Mit diesem Zinsverzicht „erkaufen“ Sie sich praktisch den späteren, günstigen Darlehenszins.

Außerdem schlagen beim Bausparen die im Vergleich zur geringen Rendite oft hohen Nebenkosten zu Buche. Üblicherweise wird beim Abschluss des Vertrags eine Abschlussgebühr von 1 bis 1,6 Prozent der Versicherungssumme kassiert. Manche Bausparkassen berechnen jedoch bei der Kreditauszahlung noch zusätzliche Darlehensgebühren.

Dazu kommt noch, dass auch das Führen eines Bausparkontos nicht bei allen Bausparkassen gebührenfrei ist.

Nutzen Sie unbedingt die staatliche Förderung

Einen Bausparvertrag sollten Sie in erster Linie immer seinem Zweck entsprechend einsetzen. Das ist in erster Linie der Fall, wenn Sie Eigenkapital bilden wollen, um sich in den nächsten Jahren eine Eigentumswohnung zu kaufen.

Allerdings hat so ein Bauspardarlehen auch einen Vorteil: Weil sich die Bausparkasse häufig mit einer nachrangigen Absicherung im Grundbuch zufrieden gibt, können Sie den Rest mit einem „ganz normalen“ Kapitalmarktdarlehen finanzieren.  

Ein weiterer Vorteil: Bausparen ist eine der wenigen Sparformen und Geldanlagen, die auch staatlich gefördert werden: Mit der Arbeitnehmer-Sparzulage auf vermögenswirksame Leistungen, der Wohnungsbauprämie und der Riester-Förderung.

Bausparen ist eine sichere, aber selten eine rentable Geldanlage

Beim Bausparen ist die Sicherheit hoch, denn hier gibt es je nach Anbieter verschiedene Einlagensicherungssysteme. Alle privaten Bausparkassen sichern ihre Bausparguthaben in voller Höhe ohne Obergrenze ab.

Zudem sind alle Landesbausparkassen als Mitglieder des öffentlich-rechtlichen Bankensystems an das Sicherungssystem des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands angeschlossen.

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Dr. Otto Bretzinger

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Dr. Otto N. Bretzinger ist Jurist, Journalist und Dozent für Zivilrecht an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Sein Tätigkeitsschwerpunkt liegt auf dem Recht der Verbraucher. Darüber hat er bereits mehrere ...
Dr. Otto N. Bretzinger
Die Gebühren im Zusammenhang mit einer Geldanlage können Sie seit Einführung der Abgeltungsteuer 2009 nicht mehr als Werbungskosten absetzen. Zumindest nicht bei den Einkünften aus Kapitalvermögen. Das gilt im Prinzip auch für die Abschlussgebühren von Bausparverträgen. Trotzdem sollten Sie sich nicht so schnell geschlagen geben. Denn für Vermieter sieht die Sache wieder anders aus.
Topstory: "Spare, spare, Häusle baue!", so heißt es im Schwäbischen. Tatsächlich lässt sich mit einem Bausparvertrag in der Schublade eine Immobilie finanzieren. Mit einem Bausparvertrag stellen Sparer sicher, dass Sie als Darlehensnehmer einen günstigen Kredit bekommen. Doch so ein Bausparvertrag hat Vor- und Nachteile.

 meineimmobilie.de-Tipp

Es ist sinnvoll, wenn Sie das Bausparen in der Ansparphase mit Ihren vermögenswirksamen Leistungen finanzieren.

 

Nutzen Sie darüber hinaus die staatliche Wohnungsbauprämie oder die Wohn-Riester-Variante. Ohne diese Extras vom Fiskus ist nämlich das Bausparen kaum sinnvoll.