Montag, 18.04.2016 | Autor: Heidi Hecht, Foto: © Reicher - Fotolia.com

Wilde Ehe: Wie unverheiratete Paare ihr Erbe regeln können

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Worum geht´s
  • Unverheiratete sollen Erbfall für gemeinsame Immobilie vorab regeln 
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Viele unverheiratete Paare kaufen sich gemeinsam Wohneigentum. Was passiert aber, wenn ein Partner stirbt: Muss dann schlimmstenfalls ein Partner für die Erben des anderen Partners Platz machen? 

So regeln unverheiratete Partner ihr Erbe entsprechend ihren Wünschen.  

Auch wenn es unangenehm ist: Unverheiratete mit gemeinsamem Immobilieneigentum sollten den Erbfall frühzeitig regeln.

Liegt nämlich im Todesfall kein Testament vor, gilt die gesetzliche Erbfolge, und die bevorzugt zunächst die gemeinsamen Kinder.

Gibt es keine gemeinsamen Nachkommen, geht das Erbe an die Kinder aus erster Ehe oder die Eltern des Verstorbenen über. Das trifft selbst dann zu, wenn die Wohnung gemeinsam gekauft wurde, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung des Verband Privater Bauherren (VPB).

Nichteheliche Lebensgemeinschaft: Wie Sie den Partner absichern

Unverheiratete Partner haben kein gesetzliches Erbrecht. Allerdings können sie den Partner mit einem Testament oder Erbvertrag  absichern. Sie können sich im Testament oder Erbvertrag gegenseitig als Erben einsetzen.

So geht das Vermögen und auch der eigene Anteil an der Immobilie im Todesfall auf den Partner über.

Vorsicht, Erbschaftssteuer!

Aber sogar in diesem Fall genießen sie nicht die gleichen Rechte, wie Verheiratete - jedenfalls beim Finanzamt: Sie haben bei der Erbschaftssteuer im Gegensatz zu Ehepartnern nur  einen Freibetrag von 20.000 Euro. Auf das restliche Erbe erhebt das Finanzamt Erbschaftssteuer!

Trotz Testament: Der Pflichtteilsanspruch bleibt

Hinzu kommt noch: Selbst wenn das Erbe testamentarisch geregelt ist, können Angehörige des Verstorbenen, z. B. seine Kinder, in der Regel auf ihren Pflichtteil pochen. Der beträgt in der Regel die Hälfte vom gesetzlichen Erbteil.

Es ist also gut, wenn neben der Wohnung auch noch ausreichend Geld, beispielsweise durch eine Lebensversicherung, vorhanden ist, um eventuelle Erben aus- und Steuern bezahlen zu können.

Alternativ kann dem Partner zusätzlich ein Wohnrecht oder Nießbrauch eingeräumt werden, damit dem überlebenden Partner wenigstens die Wohnung erhalten bleibt. Aber selbst hier fallen Schenkungs- oder Erbschaftssteuern an.

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Bei einem Verstorbenen, der unverheiratet ist, sieht das Gesetz die Eltern, Geschwister oder Kinder als Erben vor. Hat der Verstorbene in einer nichtehelichen Partnerschaft gelebt, ist sein Partner nur dann erbberechtigt, wenn ein individuelles Testament oder ein Erbvertrag vorliegt. Ist das nicht der Fall, hat der Partner keinerlei Ansprüche auf das Erbe des Verstorbenen.
Ein Verkehrsunfall oder ein Herzinfarkt: Schnell ist´s passiert! Zur Ohnmacht, Trauer und Fassungslosigkeit über den Tod eines geliebten Angehörigen gesellt sich häufig bald ein anderes, unangenehmes Gefühl mit dazu: Die finanzielle Sorge darüber, wie es weitergehen soll.   Das lässt sich jedoch bereits zu jedem Lebenszeitpunkt vermeiden: Mit dem richtigen Testament zugunsten Ihrer Lieben.
Schätzen Sie einmal, wieviele Deutsche über 60 Jahre eine Immobilie besitzen. Es sind über 55 Prozent.   Viele davon überlegen sich bereits zu Lebzeiten, wer diese später einmal bekommen soll und ob sie ihr Haus bzw. ihre Wohnung besser noch zu Lebzeiten verschenken oder erst nach ihrem Tod vererben. Das hat vielmals nichts mit purer Großzügigkeit zu tun, sondern auch etwas mit Steuern sparen. 
Unsere Gesellschaft wird immer älter. Umso mehr Zeit bleibt, Wichtiges zu regeln - oder es immer weiter nach hinten zu schieben. So weit, dass es vielleicht irgendwann einmal zu spät ist.  Gerade wer eine Immobilie besitzt und nicht will, dass sie in falsche Hände gerät oder sogar verkauft wird, sollte sich noch zu Lebzeiten dem Thema Nachlass und Erbe widmen. 

 meineimmobilie.de-Tipp

Die Erfahrung zeigt: In den meisten Fällen entspricht die gesetzliche Erbfolgeregelung nicht dem Willen der nichtehelichen Lebenspartner.

 

Ihnen ist deshalb dringend anzuraten, zumindest wenn Sie bereits längere Zeit zusammenleben oder wenn Sie dies vorhaben, die Erbfolge individuell zu regeln.