Donnerstag, 25.09.2008 | Autor: Günter Huber/mb

Wer bekommt wieviel: Das Erbrecht des Ehegatten

Wenn der Partner stirbt, stellt sich die Frage, welcher Anteil dem Ehegatten zusteht. Gibt es Verwandte in der Erbfolge, wird das Erbe aufgeteilt. Außerdem kommt es darauf an, in welchem ehelichen Güterstand das Paar gelebt hat.

Das Erbrecht des Ehegatten hängt von der Ordnung der gesetzlichen Erben, die zur Erbfolge gelangen, und dem ehelichen Güterstand ab. Der danach den Verwandten verbleibende Erbteil wird unter ihnen Verwandtenerbfolge - nach dem Grad ihres Verwandtschaftsverhältnisses aufgeteilt.

  • Neben Verwandten der ersten Ordnung (Kinder und Kindeskinder des Erblassers) erbt der überlebende Ehegatte ohne Berücksichtigung des Güterstands ein Viertel des Nachlasses
  • Neben Verwandten der zweiten Ordnung (Eltern und Geschwister des Erblassers und deren Nachkommen) oder neben Großeltern wird der Ehegatte grundsätzlich zur Hälfte gesetzlicher Erbe
  • Sind weder Verwandte der ersten oder zweiten Ordnung noch Großeltern vorhanden, sondern nur Verwandte der dritten Ordnung (Tanten und Onkel des Erblassers und deren Nachkommen) oder fernere Ordnungen, erbt der Ehegatte allein.

Erbteilsquoten von Güterstand abhängig

Die Erbteilsquoten können sich aufgrund des Güterstandes, in dem die Ehegatten gelebt haben, unterscheiden:

  • Leben die Eheleute im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft - der praktisch bedeutsamste Fall -, erhöht sich zum Ausgleich des Zugewinns der gesetzliche Erbteil des Ehegatten um ein Viertel. Es ist dabei nicht von Bedeutung, ob ein Zugewinn tatsächlich erzielt wurde. Die Ehegatten leben im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft, wenn sie nicht in einem notariellen Vertrag etwas anderes vereinbart haben.
  • Hatten die Ehegatten jedoch Gütertrennung vereinbart und sind als gesetzliche Erben neben dem Ehegatten ein oder zwei Kinder berufen, erben der überlebende Ehegatte und jedes Kind zu gleichen Teilen.
  • Beim seltenen Güterstand der Gütergemeinschaft bleibt es bei der Grundregel. Das heißt, der Ehegatte erbt neben den Kindern ein Viertel, neben gesetzlichen Erben der zweiten Ordnung und neben Großeltern die Hälfte.

Eine besondere Regelung gilt für den sogenannten Voraus. Ist der überlebende Ehegatte neben Verwandten der zweiten Ordnung oder neben Großeltern gesetzlicher Erbe, erhält er außer dem Erbteil die zum ehelichen Haushalt gehörenden Gegenstände, soweit sie nicht Zubehör eines Grundstücks sind, und die Hochzeitsgeschenke als Voraus.

Wird der überlebende Ehegatte neben Verwandten der ersten Ordnung gesetzlicher Erbe, erhält er diese Gegenstände allerdings nur, soweit er sie zur Führung eines angemessenen Haushalts benötigt, was jedoch die Regel sein dürfte.

Gesetzliche Erbteile des Ehegatten auf einen Blick

Der Ehegatte wird mit folgenden Anteilen gesetzlicher Erbe:

Zugewinngemeinschaft: Beim gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft erbt der Ehegatte:

  • neben Abkömmlingen die Hälfte,
  • neben Eltern und deren Abkömmlingen drei Viertel,
  • neben Großeltern drei Viertel,
  • ansonsten erbt er allein.

Gütertrennung: Beim Güterstand der Gütertrennung erbt der überlebende Ehegatte:

  • neben Abkömmlingen
  • bei einem Kind die Hälfte,
  • bei zwei Kindern ein Drittel,
  • ab drei Kindern ein Viertel,
  • neben Eltern und deren Abkömmlingen sowie neben Großeltern die Hälfte,
  • ansonsten erbt er allein.

Gütergemeinschaft: Beim Güterstand der Gütergemeinschaft erbt der überlebende Ehegatte:

  • neben Abkömmlingen ein Viertel
  • neben Eltern und deren Abkömmlingen sowie neben Großeltern die Hälfte
  • ansonsten erbt er allein.

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Dr. Günter Huber ist seit 1982 in Freiburg als Rechtsanwalt tätig. Seine Schwerpunkte liegen im Arbeits- und Erbrecht. Er ist Verfasser vieler Publikationen und Artikel.
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