Montag, 07.07.2008 | Autor: Günter Huber/mb

Wenn der Partner stirbt: Der Erbanteil des Ehegatten

Die gesetzliche Erbfolge bestimmt, wer außer dem Ehepartner noch erbberechtigt ist. Je nachdem, wieviele Verwandte einer bestimmten Ordnung noch leben, erhält der Ehegatte nur einen Teil des Erbes. Ausschlaggebend ist auch der noch zu Lebzeiten vereinbarte Güterstand des Ehepaares.

Das gesetzliche Erbrecht des Ehegatten hängt vom ehelichen Güterstand und vom Grad der Verwandtschaft der außer dem Ehegatten noch vorhandenen gesetzlichen Erben, zum Beispiel der Kinder, Eltern und Geschwister, ab.

Nach der gesetzlichen Erbfolge wird der überlebende Partner nur dann Alleinerbe seines verstorbenen Ehepartners, wenn weder Kinder und sonstige Abkömmlinge noch Eltern und deren Abkömmlinge, also Geschwister des Verstorbenen und deren Kinder und Kindeskinder, noch Großeltern des Verstorbenen vorhanden sind.

Zugewinngemeinschaft

Wenn außer dem Ehegatten Verwandte der ersten Ordnung, das sind Abkömmlinge des Verstorbenen, vorhanden sind, ist der Ehegatte zu einem Halb zur Erbschaft berufen. Dies ist aber nur dann der Fall, wenn der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft, der der Regelfall ist, nicht durch notariellen Vertrag abgeändert worden war.

Hatten die Eheleute vor dem Notar Gütertrennung vereinbart, wird der überlebende Ehepartner

  • bei einem Kind zur Hälfte Erbe,
  • bei zwei Kindern zu einem Drittel und
  • bei drei und mehr Kindern wird er zu einem Viertel Erbe.

Gütergemeinschaft

Lebten die Eheleute im Güterstand der Gütergemeinschaft, was ebenfalls notariell vereinbart sein muss, wird der überlebende Ehegatte neben Abkömmlingen zu einem Viertel Erbe.

Neben Verwandten der zweiten Ordnung, das sind die Eltern des verstorbenen Ehepartners und dessen Abkömmlinge, oder neben Großeltern wird der Ehegatte beim gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft zu drei Vierteln Erbe. War Gütertrennung oder Gütergemeinschaft notariell vereinbart, erbt der überlebende Ehegatte lediglich ein Halb.

Der Ehepartner als Alleinerbe

Sind weder Verwandte der ersten oder zweiten Ordnung noch Großeltern vorhanden, sondern nur Verwandte der dritten Ordnung (Tanten und Onkel des Erblassers und deren Nachkommen) oder fernere Ordnungen, wird der Ehepartner nach der gesetzlichen Erbfolge Alleinerbe.

Eine besondere Regelung gilt für den sogenannten Voraus. Ist der überlebende Ehegatte neben Verwandten der zweiten Ordnung oder neben Großeltern gesetzlicher Erbe, erhält er außer dem Erbteil die zum ehelichen Haushalt gehörenden Gegenstände, soweit sie nicht Zubehör eines Grundstücks sind und die Hochzeitsgeschenke als Voraus.

Wird der überlebende Ehegatte neben Verwandten der ersten Ordnung gesetzlicher Erbe, erhält er diese Gegenstände allerdings nur, soweit er sie zur Führung eines angemessenen Haushalts benötigt, was jedoch die Regel sein dürfte.

Die gesetzlichen Erbteile des Ehegatten auf einen Blick

Der Ehegatte wird mit folgenden Anteilen gesetzlicher Erbe:

Zugewinngemeinschaft
Beim gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft erbt der Ehegatte:

  • neben Abkömmlingen die Hälfte,
  • neben Eltern und deren Abkömmlingen drei Viertel,
  • neben Großeltern drei Viertel,
  • ansonsten erbt er allein.

Gütertrennung
Beim Güterstand der Gütertrennung erbt der überlebende Ehegatte:

  • neben Abkömmlingen: bei einem Kind die Hälfte, bei zwei Kindern ein Drittel, ab drei Kindern ein Viertel,
  • neben Eltern und deren Abkömmlingen sowie neben Großeltern die Hälfte,
  • ansonsten erbt er allein.

Gütergemeinschaft
Beim Güterstand der Gütergemeinschaft erbt der überlebende Ehegatte:

  • neben Abkömmlingen ein Viertel,
  • neben Eltern und deren Abkömmlingen die Hälfte,
  • neben Großeltern die Hälfte,
  • ansonsten erbt er allein.

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Dr. Günter Huber ist seit 1982 in Freiburg als Rechtsanwalt tätig. Seine Schwerpunkte liegen im Arbeits- und Erbrecht. Er ist Verfasser vieler Publikationen und Artikel.
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