Donnerstag, 11.09.2008 | Autor: Günter Huber/mb

Testamente für Geschäftsleute und Freiberufler

Vererbt werden kann nicht nur privates Vermögen, sondern auch berufliches. So können Freiberufler wie Ärzte oder Anwälte ihre Praxis oder Kanzlei an ein Familienmitglied vererben, das den selben Beruf hat. Auch Gesellschafter vererben ihren Posten in der Firma, sofern der Gesellschaftervertrag das so vorsieht.

Die gesetzliche Erbfolge und die Pflichtteilsrechte bei Unternehmern, Gesellschaftern und Freiberuflern hängen wie bei Privatleuten von den jeweiligen Familienverhältnissen ab. Unternehmer, Gesellschafter und Freiberufler müssen bei der Testaments- und Erbvertragsgestaltung jedoch zusätzlich die Zukunft des Unternehmens, der freiberuflichen Praxis oder der Gesellschaft berücksichtigen.

Steuerliche Gesichtspunkte

Außerdem treten steuerliche Gesichtspunkte mehr in den Vordergrund. Bei der Testamentgestaltung sollte insbesondere berücksichtigt werden, dass bei der Auflösung der Erbengemeinschaft Ausgleichszahlungen für die Überlassung von Betriebsvermögen der Einkommensteuer unterliegen.

Testament eines Freiberuflers

Die Situation des Freiberuflers unterscheidet sich vom Unternehmer bei der Nachfolgeregelung darin, dass die Übernahme der Praxis durch den Sohn oder die Tochter nur in Frage kommt, wenn der Betreffende die erforderliche, gesetzlich vorgeschriebene Prüfung absolviert hat und für die freiberufliche Berufsausübung zugelassen ist (zum Beispiel Approbation als Arzt oder Zulassung als Anwalt).

Wenn dies der Fall ist, lässt sich die Nachfolge ähnlich wie beim Unternehmer regeln. Ansonsten muss die freiberufliche Praxis, wenn dies rechtlich und tatsächlich möglich ist, verkauft und der Erlös unter den Erben verteilt werden. Der Testierende sollte sich in diesem Fall rechtzeitig um einen geeigneten Nachfolger kümmern, zumindest die Erben darüber unterrichten, welche Maßnahmen einzuleiten sind und welche Möglichkeiten bestehen, um den Verkauf der Praxis ohne größere Verluste zu erreichen.

Gesellschaftertestament

Bei BGB-Gesellschaftern, offenen Handelsgesellschaften oder Kommanditgesellschaften endet die Gesellschaft grundsätzlich mit dem Tod eines Gesellschafters, bei der Kommanditgesellschaft beim Tod eines Komplementärs, wenn im Gesellschaftsvertrag nichts anderes vereinbart ist. Das automatische Nachrücken eines Erben an Stelle eines verstorbenen Gesellschafters ist deshalb nur möglich, wenn dies im Gesellschaftsvertrag vorgesehen ist.

Genau umgekehrt ist es bei Kapitalgesellschaften (GmbH, AG). Hier treten die Erben an die Stelle des verstorbenen Gesellschafters bzw. Aktionärs, wenn dies im Gesellschaftsvertrag nicht ausgeschlossen ist. Diese gesellschaftlichen Bestimmungen muss der Testierende bei der Abfassung eines Gesellschaftertestaments berücksichtigen. Gegebenenfalls sollte er auf eine Änderung des Gesellschaftsvertrags hinwirken.

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Dr. Günter Huber ist seit 1982 in Freiburg als Rechtsanwalt tätig. Seine Schwerpunkte liegen im Arbeits- und Erbrecht. Er ist Verfasser vieler Publikationen und Artikel.
Günter Huber

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Beachten Sie, dass Testamente handschriftlich verfasst sein müssen, damit sie gültig sind.