Dienstag, 15.01.2008 | Autor: Jörg Stroisch

Testament mit Wiederverheiratung

Ein gemeinschaftlichen Testament wird in den seltensten Fällen tatsächlich dem beiderseitigen letzten Willen eines Ehepaares entsprechen. Aus diesen Grund ist eine Wiederverheiratungsklausel unverzichtbar. Sie kann zwei unterschiedliche Ausgestaltungen haben.

Anfechtungsverzicht beim gemeinschaftlichen Testament

Die einfachere Variante ist der Anfechtungsverzicht. Hier geben die Ehepartner in ihrem gemeinschaftlichen Testament zu erkennen, dass sie die Möglichkeit der erneuten Heirat des Längerlebenden zwar bedenken, sich dadurch aber an der Verteilung des Nachlasses nichts ändern soll.

Der Längerlebende darf den Nachlass des Erstverstorbenen behalten, die Kinder werden seine Schlusserben. Der Anfechtungsverzicht bewirkt, dass der neue Ehegatte des Längerlebenden nicht mehr als unbewusst übergangen gilt. Der Bestand des gemeinschaftlichen Testaments wird dadurch gesichert.

Schenkung an neuen Ehepartner kann konfliktträchtig sein

Der Bestand des gesamten Nachlasses kann sich trotzdem nach dem Tod des Erstverstorbenen im Laufe der Zeit reduzieren, sei es aufgrund von Kosten für Pflegebedürftigkeit, sei es durch sonstigen Verbrauch, beispielsweise das Reisen mit dem neuen Ehepartner. Theoretisch kann der Längerlebende auch sein gesamtes Vermögen an den neuen Ehepartner verschenken.

Eine solche Schenkung ist zunächst einmal wirksam. Sofern dadurch nur die Schlusserben geschädigt werden sollen, können die Schlusserben die geschenkten Gegenstände nach dem Tod des Längerlebenden vom zweiten Ehepartner zurückfordern. Auch hier ist das bestehende Konfliktpotenzial offensichtlich.

Echte Wiederverheiratungsklausel im gemeinschaftlichen Testament

Wem ein Anfechtungsverzicht aus diesem Grund nicht genügt, der kann eine echte Wiederverheiratungsklausel vereinbaren. Danach hat der Längerlebende je nach Gestaltung im Einzelfall den Nachlass des Erstverstorbenen ganz oder teilweise an die Kinder herauszugeben.

meineimmobilien.de-Tipp:
Für ein zulässiges Testament gibt es ganz unterschiedliche Anforderungen an Form und Inhalt. So ist nicht immer das Schreiben mit dem Computer zulässig. Informieren Sie sich deshalb auch ausführlich über die unterschiedlichen Testamentformen.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
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