Freitag, 18.07.2008 | Autor: Günter Huber/mb

Termin für Erben: Die Testamentseröffnung

Wenn jemand stirbt, müssen sich die Angehörigen nicht nur um die Beisetzung kümmern, sondern auch um den Nachlass. Sie müssen zum Beispiel das sogenannte Nachlassgericht über den Todesfall informieren. Das Gericht gibt dann den Termin für die Testamentseröffnung bekannt.

Jedes Testament und jeder Erbvertrag eines Verstorbenen wird vom Nachlassgericht eröffnet. Über den Todesfall wird das Nachlassgericht in der Regel von den Angehörigen informiert.

Information über Todesfall

Von Amts wegen ist jedoch auch sichergestellt, dass über das Standesamt des Todesorts des Verstorbenen, über das Standesamt des Geburtsorts und über die dort befindliche Testamentskartei das Nachlassgericht über den Todesfall und über amtlich verwahrte Testamente und Erbverträge informiert wird.

Privat verwahrte Testamente müssen vom jeweiligen Besitzer unverzüglich nach dem Todesfall an das Nachlassgericht abgeliefert werden.

Termin zur Testamentseröffnung

Sobald das Nachlassgericht vom Todesfall erfährt, hat es einen Termin zur Eröffnung der Testamente und Erbverträge zu bestimmen. Zu diesem Termin sollen die gesetzlichen Erben oder die sonstigen Beteiligten, denen durch das Testament oder den Erbvertrag des Verstorbenen etwas zukommt oder deren Erbrechte durch die Testamente und Erbverträge beeinflusst werden, geladen werden.

Über die Testamentseröffnung ist eine Niederschrift anzufertigen. Das Nachlassgericht hat alle Beteiligten, die bei der Testamentseröffnung nicht zugegen waren, von dem sie betreffenden Inhalt des Testaments in Kenntnis zu setzen. Dies gilt auch, wenn das Nachlassgericht die Beteiligten nicht zur Testamentseröffnung einlädt.

Einsicht in das Testament

Wer ein rechtliches Interesse glaubhaft macht, ist berechtigt, ein eröffnetes Testament einzusehen und eine Abschrift davon zu verlangen, wobei die Kopie auf Verlangen zu beglaubigen ist.

Durch diese gesetzlichen Regelungen ist in der Regel sichergestellt, dass alle Personen, die in einem Testament oder in einem Erbvertrag bedacht sind, vom Nachlassgericht über diese Regelungen durch die Testamentseröffnung informiert werden.

Gesetzliche Erben

Außerdem werden auch alle Personen, die als gesetzliche Erben in Betracht kommen, über die Testamente und Erbverträge des Verstorbenen informiert, da aufgrund eines Testaments oder eines Erbvertrags ihre gesetzlichen Erbrechte beeinträchtigt werden können.

Dabei ist das Nachlassgericht sogar verpflichtet, die Beteiligten ohne Rücksicht darauf, ob das eröffnete Testament wirksam ist oder nicht, über das Testament zu informieren. Das Nachlassgericht muss die Personen, die ein Recht auf Kenntnis der Testamentseröffnung haben, auch ermitteln und sie darüber informieren.

Mitteilungspflicht des Nachlassgerichts

Wenn das Nachlassgericht seine Mitteilungspflicht gegenüber den Beteiligten verletzt, können Schadenersatzansprüche entstehen. In der Regel ist hierdurch gewährleistet, dass alle Personen, die als Erbe in Frage kommen - sei es aufgrund gesetzlicher Erbfolge oder aufgrund einer Regelung in einem Testament oder in einem Erbvertrag - über ihr Erbrecht informiert werden.

Schwierigkeiten können allerdings auftreten, wenn die Anschrift eines Erben trotz Nachforschungen des Nachlassgerichts bei Verwandten und über das Einwohnermeldeamt nicht zu ermitteln ist. In solchen Fällen kann es zu Verzögerungen bei der Unterrichtung des Erben kommen.

Kommentare (0)

Kommentieren, ergänzen Sie jetzt den Artikel oder geben Sie dem Autor Feedback. Einfach anmelden und losschreiben.

Es schreibt für Sie

Dr. Günter Huber ist seit 1982 in Freiburg als Rechtsanwalt tätig. Seine Schwerpunkte liegen im Arbeits- und Erbrecht. Er ist Verfasser vieler Publikationen und Artikel.
Günter Huber